Arme habt ihr alle Zeit bei euch! (Matthäus 26,11)
Armut wird zu einem drängenden Problem in unseren Gemeinden, weil sie -- kaum wahrgenommen -- immer mehr Menschen betrifft. Armut ist das Jahresthema 2008 des Kirchenkreises Laatzen-Springe. Umsonstladen und „wellcome“ sind neue Aktionen und genauso Armutsprävention und Reaktion auf vorhandene Armut, wie Schuldnerberatung, Suchtberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Ehe- und Lebensberatung die in unserem Kirchenkreis längst angeboten werden. Die Nachfrage nach diesen Angeboten steigt rapide, weil die Armut steigt.
16.06.2008 - Quelle: Kirchenkreis
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Der Mitarbeiter und die Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werkes, die ihre Erfahrungen mit dem Thema Armut vorstellten (von lins): Ingrid Röttger (Kirchenkreissozialarbeiterin), André Lang (Diakon im Anerkennungsjahr), Marion Signore (Präventionskraft für Glücksspielsucht), Janine Warmboldt (Erzieherin und Leitung der „Kinderkantine“), Marlies Schröder (ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes), Monika Brandt-Zwirner (Kirchenkreissozialarbeiterin).
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Seit Einführung der sog. Hartz-IV-Gesetze ist diese Entwicklung zu beobachten. Dass überall im Kirchenkreis unter Beteiligung der Kirchengemeinden und des Kirchenkreises „Tafeln“ eröffnet werden, zeigt deutlich: es ist an der Zeit, auf die wachsende Armut zu reagieren.
Aber die Einrichtung von „Tafeln“ lindert nur das Symptom und hilft den Menschen nur vorübergehend. Die Ursachen von Armut müssen politisch bekämpft werden. Denn „Armut trotz Arbeit“ wird zunehmend zur Realität. Und nicht nur fast ein Viertel der Kinder und Jugendlichen muss zu den Armen gerechnet werden, Kinder sind immer noch das größte Armutsrisiko und eben leider nicht die Hoffnung und die Freude, die sie in einer funktionierenden Gesellschaft sein sollten.
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In diesem Zusammenhang wurde auch auf die im Herbst 2007 an den Landtag des Landes Niedersachsen gesandte Petition hingewiesen, die dazu aufforderte, Eltern bei der Ausstattung ihrer Kinder zum Schulanfang oder beim Übergang zur vierten Klasse zu unterstützen. Denn die dabei entstehenden erheblichen Kosten sind für Hartz-IV-Empfänger überhaupt nicht aufzubringen. Auf diese Petition des Diakonieverbandes Hannover-Land, die immerhin mit 3.300 Unterschriften versehen war, hat der Landtag bisher nur mit einer Eingangsbestätigung reagiert.
Armut ist für Christen eine Herausforderung, der sie sich um ihres Glaubens willen stellen müssen.
„Die Kundgebung der 10. Synode der EKD zum Schwerpunktthema: "Gerechtigkeit erhöht ein Volk. Armut muss bekämpft werden – Reichtum verpflichtet" beginnt wie folgt: Als Gottes Ebenbilder sind alle Menschen gleich. Die Würde und der Wert des Lebens sind Gottes Geschenk. Armut kann diese Würde nicht beeinträchtigen, und Reichtum fügt ihr nichts hinzu. Allerdings gibt es Lebenssituationen in Armut, die der Würde des Menschen Hohn sprechen, und auch ein falsches Vertrauen auf Reichtum.
Wir sind von Gott aneinander gewiesen und tragen füreinander Verantwortung. Menschen vom gemeinsamen Leben auszuschließen und Teilhabe zu verweigern, ist Sünde vor Gott. Gott traut uns zu, unser Land gerecht zu gestalten und seinen Reichtum zum Wohle aller einzusetzen. In diesem Geist äußern wir uns zur Situation der Menschen in unserem Lande und erwarten, dass Armut bekämpft und Reichtum in die Pflicht genommen wird. In den Armen begegnet uns Christus. "Reiche und Arme begegnen einander – der Herr hat sie alle gemacht" (Spr. 22, 2) (aus: Gerechte Teilhabe, S. 83)“(aus „Aktenstück 168“ der 23. Landessynode vom 12. Oktober 2007 S. 2)
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Armut hat viele Gesichter.
Auf der Sitzung des Kirchenkreistages unseres Kirchenkreises am 13. Juni 2008 haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Diakonischen Werkes deshalb ihre Erfahrungen mit der wachsenden Armut vor allem junger Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt. Andere Erfahrungen mit der Armut, wie etwa die wieder zunehmende Altersarmut sind (noch) nicht zur Sprache gekommen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Diakonischen Werkes haben dabei gleich klar gemacht, dass das Thema Armut damit nur angerissen wird:
Janine Warmboldt leitet als Erzieherin die Kinderkantine in der Immanuel-Kirchengemeinde Alt-Laatzen. Sie berichtete von Eltern, die Milch und Mittagessen für ihre Kinder nicht zahlen können, ihren Kinder aber teures elektronisches Spielzeug kaufen, weil sie sich durch die Umwelt zu solchen Ausgaben gedrängt fühlen und weil sie damit helfen wollen, bei ihren Kindern die Defiziterfahrungen zu kompensieren.
Marion Signore Präventionskraft für Glücksspielsucht in der Suchtberatung Springe machte deutlich, wie vor allem Spielsüchtige, weil sie mit allen Tricks an Bargeld zu kommen suchen, ihre ganze familiäre Umgebung unverschuldet in Armut treiben.
Kirchenkreissozialarbeiterin Monika Brandt-Zwirner erzählte vom Konflikt einer ungewollt schwangeren alleinstehenden Frau, sich für das Kind und damit für die Armut entscheiden zu müssen oder für die gerade angetretene neue Arbeit, die es unmöglich macht, ein Kind zu versorgen.
Die Verschuldung steigt besonders bei jungen Erwachsenen, berichtete Frau Marlies Schröder, ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes in Alt-Laatzen. Bildungsarmut, zu schnelle Kreditvergabe durch Geschäfte und Institute so wie mangelndes Einschätzungsvermögen der Folgen einer langen Rückzahlungsverpflichtung gehen bei vielen jungen Menschen Hand in Hand.
Das Thema „Armut“, und da wiederum besonders der Aspekt der Armut der Kinder wird die diesjährige Woche der Diakonie vom 07.09.2008 bis zum 14.09.2008 in unserem Kirchenkreis bestimmen.
Uwe Büttner
Öffentlichkeitsbeauftragter im
Kirchenkreis Laatzen-Springe
Als download:
Text von Diakoniepastor Walter Lampe, Asphalt Mai 2008 Seite 3
PDF Aktenstück 168 zum Thema Armut
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