Den Auftakt der Diakoniewoche zu feiern heißt, Missstände ansprechen und Hilfen bereitstellen. Solch eine Feier kann kein reines Jubelfest sein.

Die Woche der Diakonie im Lande Niedersachsen ist am 07. September in Ronnenberg eröffnet worden.

11.09.2008 - Quelle: Kirchenkreis

„Für Teilhabe und Gerechtigkeit: Mitten im Leben“ war die Überschrift des Gottesdienstes zur Eröffnung der Woche der Diakonie in der Michaeliskirche zu Ronnenberg. Vier knappe Situationsbeschreibungen führten die Gottesdienstbesucher gleich am Anfang mitten in das Leben von vier Menschen hinein. Sie leben mit vielen vergleichbar in ganz verschiedenen Situationen unter uns und erleben sich isoliert, diskriminiert und hilflos – erleben sich als arm. Denn Armut grenzt aus in unserer Gesellschaft, in der Teilhabe am Leben immer auch mit Geld verbunden ist, und führt in Einsamkeit und Unsicherheit.
„Es soll überhaupt kein Armer unter Euch sein!“ zitierte Christian Klatt, Diakoniepastor im „Diakonieverband Hannover-Land“ aus dem Predigttext 5. Mose 15, 1-6 besonders den Vers 4. Das ist keine Utopie, die einfach als unmöglich abzutun wäre, sondern eine klare Zielansage für notwendiges sozialpolitisches Handeln, führte er weiter aus. Der Segen, der durchaus im Reichtum unserer Gesellschaft liegt, darf nicht vielen vorenthalten werden, da er dann seine segnende Kraft nicht entfaltet. Aber Löhne, mit denen man kein Auskommen hat, Renten, von denen man nicht leben kann, Transferleistungen, die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verhindern, verwehren vielen jetzt schon das „normale“ Leben und schließen Kinder und junge Menschen, die aus betroffenen benachteiligten Gruppen kommen, durch die bestehenden Bildungsschranken auch für die Zukunft davon aus, je auf eigenen Füßen zu stehen und ihr Leben selber zu bestreiten. Damit wird bereits jetzt festgelegt, dass sie die zukünftigen Armen sind. Darum lohnt es sich für eine Gesellschaft, die herrschende Not wahrzunehmen, die äußere Not und die seelische Not. Es ist die tägliche Arbeit und Mühe der Diakonie, den Menschen in ihrer Not zu helfen, um ihnen Teilhabe und Gerechtigkeit zukommen zu lassen, damit sie nicht weiter ausgegrenzt werden, sondern mitten ins Leben kommen können.
Der Kinderchor Benthe sorgte mit Lieder aus dem Musical „Hey Joseph“ für die entspannte und fröhliche Offenheit, in der die problembeladenen Themen, die in der diakonischen Arbeit angepackt werden, im Gottesdienst gut angesprochen werden konnten.

„Diakonie leistet eine unverzichtbare Arbeit in unserer Gesellschaft“, sagte Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann der Michaeliskirche zu Ronnenberg. Denn Diakonie holt Menschen, die selbstverschuldet oder ohne eigenes Zutun an den Rand geraten sind, wieder „mitten ins Leben“! Ob durch Verantwortungslosigkeit oder Sucht, ob durch Krankheit oder Schwäche ein Mensch an den Rand gerät ist nicht ausschlaggebend. Ihm wieder eine Chance einzuräumen, wie es bei Jesus zu lernen ist – ihn liebevoll anzunehmen anstatt ihn in einer „Ellbogengesellschaft“ einfach an die Wand zu drücken -- ist die große Leistung der diakonischen Hilfen. Die Diakonie gibt Menschen in beschützenden Werkstätten, Arbeitsloseneinrichtungen und Initiativen den Stolz auf ihre eigene Leistungsfähigkeit zurück, stärkt ihre Fähigkeiten und hilft ihnen so zu einem Leben in größtmöglicher Selbständigkeit und Teilhabe. Die Menschen erfahren Wertschätzung und Anerkennung ihrer Lebensleistung. Viel mehr Menschen unter uns müssten sehen, wie wichtig es ist, sich um Mitmenschen liebevoll zu kümmern und ihnen Zeit zu schenken. Die Arbeit der Diakonie regt hoffentlich auch andere dazu an, sich für ihre Mitmenschen zu engagieren. Sie trägt damit wesentlich dazu bei, dass unsere Gesellschaft und unser Leben ein menschliches Gesicht behalten und wir nicht in einer „Ellbogengesellschaft“ leben mssen, in der sie nicht leben möchte, führte Ross-Luttmann weiter aus.

Auf dem Platz vor der Michaeliskirche waren Stände aufgebaut, in denen sich die diakonischen Hilfen mit ihren qualifizierten Angeboten von der Schwangerenberatung über die Hilfe für junge Familie bis zu Sucht- und Schuldnerberatung darstellten.
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Der Diakonie-Direktor der Landeskirche Hannovers, Herr Schwetje begrüßte auf dem Platz offiziell die Gäste aus der Diakonie der Braunschweigischen und der Oldenburger Landeskirche, die zur landesweiten Eröffnung der Woche der Diakonie nach Ronnenberg gekommen waren, und lobte die sehr motivierten und qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Diakonieverbandes Hannover-Land“, die den Eröffnungsgottesdienst und diese Ausstellung vorbereitet hatten.
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Der „Diakonieverband Hannover-Land“ hat als politisches Gegenüber die „Region Hannover“. Frau Klawunde, stellvertretende Präsidentin der Regionsversammlung der „Region Hannover“ ging auf die Postkartenaktion zum Schulbeginn ein, mit der der Diakonieverband auf die vielfältigen Probleme und Folgen der Kinderarmut hinweisen und Menschen für diese Problematik interessieren will, und lobte die Diakonie, die ein guter und wichtiger Partner ist, aber auch sehr ernst genommen wird, wenn sie immer wieder mahnend der Politik Handlungsbedarf in verschiedenen Bereichen aufzeigt.
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Bürgermeister Walther aus Ronnenberg begrüßte die Gäste aus dem ganzen Land Niedersachsen auf dem "schönsten Platz in Ronnenberg" und gab gerne zu, dass Teilhabe und Gerechtigkeit in den Kommunen der Region Hannover nicht so verwirklicht sind, wie es zu wünschen wäre. Er hätte noch vor wenigen Jahren auch nicht gedacht, dass die allgemeine Situation für so viele Menschen zunächst aus wirtschaftlichen Gründen so schwierig werden würde. Doch „der Staat“ könne nicht nur nicht alles leisten, was zu wünschen wäre, sondern auch eine einzelne Kommune kann die tiefgreifenderen Probleme nicht allein bewältigen. Es kommt ganz wesentlich darauf an, in der Region Hannover gemeinsame tragfähige Lösungen für die Menschen zu finden. Die Diakonie und die Kirchengemeinden sind dabei wichtige Partner der Kommunalpolitik, weil sie mit ihrer vorbildlichen Arbeit Menschen zu Engagement auffordern und beispielhaft vorangehen. Das Ziel muss es sein, dass Kirche, Diakonie und Politik gemeinsam nach dem Besten für die Menschen suchen.

Uwe Büttner
Öffentlichkeitsbeauftragter im
Kirchenkreis Laatzen-Springe

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