Kriegskinder suchen Schutz bei uns - Kriegsflüchtlinge in Deutschland
Haben wir aus unserer eigenen Vergangenheit gelernt?
05.06.2010 - Quelle: Nachrichten 2010 aus dem Kirchenkreis
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von links: Pramilla Nandakumar aus Sri-Lanka, Karim Al-Wasiti aus dem Irak und Superintendent Detlef Brandes führten die Zuhörer durch den Abend.
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Am 5. und letzten Abend der Reihe „Kriegskinder“ war die Gegenwart gefragt. Was haben Kriegsflüchtlinge heute erfahren? Und was erfahren sie, wenn sie bei uns in Deutschland Asyl suchen?
Am 03. Juni waren etwa 20 Teilnehmer in das Gemeindehaus der Trinitatis-Kirchengemeinde gekommen. Karim Al-Wasiti aus dem Irak und Pramilla Nandakumar aus Sri-Lanka schilderten zunächst die Situation, die sie zur Flucht aus ihrer Heimat veranlasste.
Die Bürgerkriegssituation in Sri-Lanka, die zur Verfolgung der tamilischen Minderheit führte und zwei ihrer Brüder das Leben kostete, verbunden mit der ständigen Angst um Familie und ihre zwei Kinder, hatte das Leben von Pramilla Nandakumar seit ihrer Jugend geprägt. Die Situation hatte sich schließlich so zugespitzt, dass die Familie beschloss, ihre Heimat, in der es kein Leben für sie mehr geben würde, zu verlassen.
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Pramilla Nandakumar aus Sri-Lanka trägt ihre Geschichte vor.
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Von der menschenverachtenden Diktatur des Saddam Hussein, und der ständigen Angst um sein Leben und um das Leben aller, die einfach nur Kontakt mit ihm hatten, erzählte Karim Al-Wasiti aus dem Irak. Es widersprach von Jugend auf seiner Menschlichkeit und seinen Vorstellungen von einem sinnvollen Leben, sich im Militärdienst von diesem Regime vereinnahmen und opfern zu lassen. Um nicht durch seinen weiteren Aufenthalt im Irak noch mehr Menschen in Lebensgefahr zu bringen, entschloss er sich schließlich, sein Land zu verlassen.
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Karim Al-Wasiti aus dem Irak erzählt von seinen Erfahrungen.
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Übereinstimmend schilderten beide Referenten das große Gefühl der Befreiung und der Hoffnung, als sie in Deutschland ankamen.
Übereinstimmend schilderten sie aber auch, dass Bürokratie, Einreiseformalitäten, Arbeitsverbot, die Einschränkung der Kommunikation bzw. der Orientierung im Lande, so wie sprachliche und kulturelle Barrieren und eine ablehnende Haltung bei einigen Sachbearbeitern dazu führte, dass sie isoliert waren und hilflos in einem ihnen fremden Rechtssystem mit für sie unverständlichen Regelungen.
Dass ein hoher Prozentsatz der Kriegsflüchtlinge traumatisiert in Deutschland ankommt und deshalb per Gesetz sofort einen sicheren Aufenthalt zugesagt bekommen soll, wird einfach nicht festgestellt, wenn es bei Befragungen an Dolmetschern mangelt (die die Flüchtlinge zum Teil selber organisieren müssen) oder Frauen mit traumatischen Erfahrungen aufgefordert werden, gegenüber Männern ihre Aussage zu machen.
In der langen Zeit bis zur Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung kann es Flüchtlingen widerfahren, dass für sie Freiheit und Menschenrecht als geltendes Recht in Deutschland de facto unterlaufen werden. Traumatisierte Menschen aus Kriegsgebieten, die ihre Angst mitbringen und sich nicht gleich jedem offenbaren können, erleben in der sensiblen Situation, in der sie sich befinden, diese Behandlung als eine gewaltsame Zerschlagung des letzen Lebenswillens, der sie während Flucht noch aufrecht erhalten hatte. Deshalb wurde das „Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen“ gegründet, in dem – wie Karim Al-Wasiti berichtete – Psychotherapeuten ihre Hilfe anbieten.
Bereits hier lebende Flüchtlinge aus Sri-Lanka halfen Frau Nandakumar und ihren Kinder, schnell aus der Isolation heraus zu finden und in den für sie ungewohnten Alltag in Deutschland hinein zu finden. Den Kindern gelang das sehr viel schneller, als ihrer Mutter. Für Herrn Al-Wasiti änderte sich die Perspektive erst, als er mit Flüchtlingshilfsorganisationen Kontakt bekam. Jetzt hatte er Menschen, mit denen er sich über seine Erfahrungen austauschen konnte, informierte sich über seinen rechtlichen Status, lernte es, mit unserem System umzugehen, das viele in Rechtsverfahren zwingt.
Wenn die anfängliche Isolation durchbrochen ist, ändert sich auch das Bild von Deutschland, das die Flüchtlinge erfahren. Viele ehrenamtliche Deutsche helfen. Viele Flüchtlinge haben sich aufgrund des undurchdringlichen Rechtssystems organisiert und stehen sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite. Jetzt können Kriegsflüchtlinge erfahren, dass Freiheit und Menschenrechte in Deutschland lebendig sind.
Beide Referenten sind inzwischen Mitarbeiter im „Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.“(
http://www.nds-fluerat.org), einem Netzwerk der Flüchtlingshilfe, dem etwa 500 Gruppen, Kirchengemeinden und Einzelpersonen angehören, stehen zu diesem Land und haben gerne die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. In diesem Land lohnt es sich für sie, sich für Freiheit und Menschenrechte einzusetzen, zum Wohle dieses Landes und als Signal in die Welt.
Das Grundgesetz, das aus den Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit heraus Asylrecht und Menschenwürde den höchsten Stellenwert eingeräumt hat, muss aber vor allem in den Vorschriften und Regelungen, denen ankommende Flüchtlinge bis zur Erteilung einer unbegrenzten Aufenthaltserlaubnis unterworfen werden, noch konkreter umgesetzt werden.
Auf die Frage ´was ist das höchste Gebot` antwortet Jesus Christus:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit deinem ganzen Verstand! Dies ist das größte und wichtigste Gebot.
Das zweite ist gleich wichtig: Liebe deinen Mitmenschen, denn er ist wie Du!“ (Matthäus 22, 37-39)
Uwe Büttner
Öffentlichkeitsbeauftragter im
Kirchenkreis Laatzen-Springe
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