Aktiv für Demenzkranke
Hilfe brauchen alle, die Betroffenen genauso wie Angehörige. Deshalb bot die Stiftung ProDiakonie in Zusammenarbeit mit den Kirchenkreis Laatzen-Springe und der Diakionie Sozialstation Laatzen am Mittwoch, den 17. September 2008 vor dem Welt-Alzheimertag (21.09.2008) in der „Arche“, dem Gemeindehaus der Thomas-Kirchengemeinde Laatzen unter der Überschrift: „Hilfe brauchen alle – aktiv für Demenzkranke“ einen Informations- und Gesprächsabend an.
18.09.2008 - Quelle: Diakoniestiftung proDiakonie
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Superintendent Detlef Brandes begrüßt die Anwesenden und führt kurz in das Thema „Demenz, die Betroffenen brauchen Hilfe, die Angehörigen auch“ ein. Am Tisch von links: Sabine Salati, Ulla Saffe und Marion Meyer
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Alzheimer- und Demenzerkrankungen sind in den letzten Jahren enttabuisiert worden. Es wird offener darüber gesprochen und man erfährt deshalb von vielen Demenzkranken in der Umgebung. Bei älteren Menschen, aber auch bei jüngeren, die für ihre Eltern sorgen, werden dadurch die Ängste und Unsicherheiten vor diesen Erkrankungen nicht genommen, sondern eher noch verstärkt.
Das Krankheitsbild der Demenz ist alt. Aber es wird den Menschen zunehmend bewusst, dass eine höhere Lebenserwartung zu einem Anstieg der Demenzerkrankungen führen wird, und sie sich deshalb mit dieser Erkrankungen auseinander zu setzen haben – sei es, dass eigene Angehörige erkranken und versorgt werden müssen oder sie selber davon betroffen sein können.
Die Hilflosigkeit der Erkrankten, die in der Anfangsphase den Krankheitsverlauf sehr bewusst wahrnehmen, und der pflegenden Angehörigen führen zu vielfältigen Fragen.
Information dazu tut Not und Hilfe brauchen alle.
Knapp über 20 sehr interessierte Menschen, zumeist pflegende Angehörige wie die Nachfragen zeigten, waren in das Gemeindehaus gekommen.
Schwester Sabine Salati, Fachaltenpflegerin für Gerontopsychiatrie in der Diakonie Sozialstation Laatzen stellte zunächst die beiden Haupterscheinungsformen der Demenz, die „Multi-Infarkt-Demenz“ und die „Alzheimer Erkrankung“ vor und beschrieb die Entwicklung der Krankheit in drei Phasen. Konzentriert hörten die Teilnehmer zu, als knapp aber einfühlsam beschrieben wurde, wie gerade die „Alzheimer Erkrankung“ schleichend das Leben und Erleben eines Menschen verändert. Zunächst nimmt nur der Betroffene selber die Veränderungen wahr, reagiert aber bereits darauf, da er diese Veränderungen, Vergesslichkeit und Wortfindungsprobleme, als Bedrohung erlebt. In der zweiten Phase wird offenbar, dass vieles vergessen wird, Neues nicht mehr gelernt werden kann und ungewohnte Handlungen nicht mehr überblickt werden. Die Betroffenen reagieren nicht selten mit Depression auf den Verlust, den sie erfahren und wahrnehmen und brauchen jetzt zunehmend Hilfe.
In der dritten Phase wird die Hilfe zu den Lebensaktivitäten (Essen, Waschen usw.) unabdingbar.
Während der Betroffene mit der Angst reagiert, nicht verstanden zu werden und sich zunehmend ohnmächtig und abhängig fühlt, oft auch in Trauer um Personen, Situationen und Orten aus der Vergangenheit, die ihm zunehmend entgleiten, erleben auch Angehörige Trauer um den Menschen, dessen Persönlichkeit sich verändert. Aber die veränderte Persönlichkeit ist jetzt die Persönlichkeit des Erkrankten. Und es hilft, mit einem Demenzkranken so umzugehen, dass nicht nur auf das gesehen wird, was er nicht mehr leisten kann.
Die Betreuenden müssen es lernen, die Veränderungen zu verstehen, denn sie können noch lernen, schloss Schwester Sabine Salati ihren Vortrag.
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Schwester Sabine Salati stellt die Haupterscheinungsformen der Demenz und die Entwicklung der Krankheit in drei Phasen dar.
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Was es bedeutet und wie sehr es helfen kann, diese Veränderungen zu verstehen, wurde in den Erfahrungen deutlich, die Ulla Saffe von der Diakonie Soziastation Laatzen aus ihrer Arbeit in einer Wohngemeinschaft demenzerkrankter Menschen beitragen konnte. Es hilft den Erkrankten sehr, mit ihrer Erkrankung zurecht zu kommen, wenn man sich bemüht, ihnen möglichst viel von ihrer Selbstachtung zu erhalten.
Von den Möglichkeiten, die das neue „Betreuungsgeld“ für an Demenz Erkrankte eröffnet, berichtete Marion Meier aus der Diakonie Sozialstation Laatzen. Sie hat ein wöchentliches Treffen der an Demenz Erkrankten eingerichtet und kann auch einzelne Erkrankte einmal in der Woche für eine Zeit betreuen, in der die Angehörigen dann Zeit für sich haben. Da nicht voraussehbar ist, was geschieht, mögen viele Angehörige die an Demenz erkrankten Familienglieder nie ganz allein lassen. Daraus entsteht ein ungeheure Belastung, weil Arzt- und Friseurbesuche oder Verabredungen in der Freizeit nicht oder nur noch sehr schwer möglich sind. Trauer, aber auch Wut und Enttäuschung häufen sich bei den Angehörigen an und belasten die Situation zu Hause. Das Angebot, den Erkrankten für drei bis vier Stunden in der Woche in eine Betreuung geben zu können, entlastet die pflegenden Angehörigen und hilft deshalb auch den Erkrankten.
Die Konzentration, in der die Teilnehmer diesen Abend verfolgten, und die Nachfragen zeigten, dass es gut und wichtig ist, über Demenz aufzuklären.
Betroffene und Angehörige, die Rat und Hilfe suchen, können sich mit ihrem Anliegen gerne telefonisch an die Diakonie Sozialstation in Laatzen wenden.
Uwe Büttner
Öffentlichkeitsbeauftragter im
Kirchenkreis Laatzen-Springe
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