"Fasten Your Seatbelts"

Nachricht 05. März 2020

Machen Sie Ihre Sitzgurte fest!  Fasten – festmachen – sich festmachen. Machen Sie sich fest! Nicht an einem Sitz, mit einem Sicherheitsgurt, sondern an einem, der unsere Welt und Erfahrung übersteigt. Machen Sie sich fest an Gott, in dem wir geborgen sind, was auch immer passieren mag. Er ist unendlich größer und anders als wir selbst und unser Erleben.

Die diesjährige Fastenaktion der evangelischen Kirche hat das Thema:

Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus.

Mit Zuversicht lebt es sich viel besser! Zuversicht lässt uns aufatmen und schenkt Handlungsfreiheit. Der Alltag und das Leben stehen durch unsere Zuversicht unter einem anderen Vorzeichen. Da steht ein + statt eines - über unserem Leben! Das ist wohltuend nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Mitmenschen. Wer ein Bewusstsein dafür entwickelt, wie gut er es hat, der kann zum Beispiel von seinem Reichtum großzügiger weiterschenken. Er klebt nicht an materiellen Dingen und an seinem Besitz, sondern er weiß, dass der größte Reichtum darin besteht, in Gottes Liebe zu leben. Und wer glauben kann, dass diese Liebe uns nicht nur im hiesigen Leben umfängt, sondern auch im zukünftigen, der braucht sich auch gar nicht mehr so viele Sorgen zu machen. Er kann loslassen, die Hände öffnen für das, was ihm täglich neu geschenkt wird. Vertrauen leben.

Wir leben in einer Zeit großen Wohlstandes. Was wir uns in Deutschland heute leisten können -und zwar nahezu alle, selbst die, die in der Nähe der Armutsgrenze leben - ist viel mehr, als unsere Durchschnittsvorfahren in vergangenen Jahrhunderten je gehabt haben. Viele von uns können sogar reisen und Menschen aus anderen Ländern begegnen, was sicher ein Grund für Toleranz und Offenheit ist.

Und doch haben wir Angst und machen uns Sorgen:  Klimawandel, Grippevirus, Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten, Zukunft unserer Jugend und Versorgung im Alter… - ja, wir sind auch unsicher über das, was wir denken und glauben sollen. Wir spüren unsere Ängste, unsere Unsicherheit, suchen nach Menschen oder Parteien, die uns Sicherheit geben können, haben Angst vor Fehlentscheidungen. Lieber Hamsterkäufe statt Konsumfasten?

Also jetzt erst recht: Zuversicht!  Versuchen Sie es ruhig mal in der Passionszeit (und darüber hinaus?) mit Zuversicht statt Pessimismus! „Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft“, heißt es im Hebräerbrief (11,1). Gemeint ist nicht, dass der christliche Glaube gegen jede Notlage innerlich immun macht. Sondern Glaube ist die Hoffnung auf etwas Besseres. Ob er wirklich trägt, stellt sich erst in der Not heraus, wenn es darauf ankommt.  Dietrich Bonhoeffer formulierte im Gefängnis: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen.“

Fasten heißt natürlich nicht nur Verzicht auf pessimistische Gedanken. Wer fastet, wer den Verzicht trainiert, der übt sich darin, den materiellen Dingen weniger Bedeutung beizumessen und sich auf Wesentlicheres auszurichten. Man kann sich durch Enthaltsamkeit und Verzicht einüben, im Glauben zu wachsen und spirituell zu leben. Machen Sie sich fest und wachsen Sie im Vertrauen und in der Zuversicht!

Richten Sie sich auf Gott aus, um der Egozentrik und dem ängstlichen Kreisen um die eigenen Sorgen zu entkommen. Wo Sie aus sich selbst hinausgehen, da kann Gott in Sie hineinkommen.

Und wo Sie Gott vertrauen und sich weniger Sorgen machen, da entsteht eine Sicherheit, die lebendig macht. „Fasten Your Seatbelts“!

 

Friedliche Grüße Christian Hüttmann