Weit ist der Weg nach Bethlehem

Nachricht 26. Dezember 2020

Weihnachtsgruß von Superintendent Andreas Brummer

Krippe in Arnum (Foto: Schwier)
Krippe in Arnum (Foto: Schwier)

Weit ist der Weg nach Bethlehem in diesem Jahr. Immer wieder kommt ein neuer Stillstand, ein Lockdown. Immer wieder der Blick auf die Infektionszahlen. Da ist die Sorge, selbst das Virus zu verbreiten. Da ist das Bangen um die, die erkrankt sind. Die in den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen. Und da ist die Klage um die Toten. Wenn auch viele von ihnen für uns namenlos bleiben, sind sie unsere Zeitgenossen. Ein Teil von uns.

Da sind Herbergsväter, die gerne volle Herbergen hätten und sie nicht öffnen dürfen. Und da sind Menschen, die aufbrechen wollen zu ihren Familien und denen der Herold dieser Tage zuruft: Stay at home.

Der Weg nach Bethlehem ist nicht nur weit, er ist auch leer in diesem Jahr. Es gibt kein Gedränge. Keine Glühweinstände. Keine vollen Einkaufsmeilen. Und auf den Hirtenfeldern ist es still. Fast zu still. Gilt eigentlich auch für Engel ein Gesangsverbot?

Fürchtet euch nicht. Vielleicht werden diese drei Worte den Hirten auf den Feldern in diesem Jahr nur eben zugeflüstert. Und doch liegt in ihnen der Kern und die Kraft der Weihnacht. Das, was gilt. Allen Entbehrungen, allen Sorgen zum Trotz. Fürchtet euch nicht. Die Weihnachtsgeschichte ist eine Geschichte gegen die Angst. Sie erzählt davon, dass wir mit unserer Angst nicht allein sind. Dass Gott mit uns ist und wir deshalb unseren Ängsten nicht gehören.

Wir kommen in diesem Jahr verwundet nach Bethlehem. Als einzelne und auch als Gesellschaft. Wir haben unsere Sicherheiten verloren. „Ich möchte das Leben vor Corona wiederhaben“. Oft habe ich das gehört. Welt ging verloren. Viele haben das erfahren.

Und was erwartet uns, wenn wir ankommen? Wie in jedem Jahr – alle Jahre wieder – eine Krippe. Darin ein Kind. Das ist alles. Ein Anfang, ein Durchbruch ins Leben und doch so viel mehr. „Schau an der Jungfrau Kind, / so siehst du in der Wiegen / den Himmel und die Erd‘ / und hundert Welten liegen.“ Angelus Silesius, ein Mystiker aus dem 17. Jahrhundert, hat so gedichtet. Mit jeder Geburt eröffnet sich eine neue Welt. Doch in dem Krippenkind, ist so viel Leben, dass es für viele Welten reicht: Denn euch ist heute der Heiland geboren. So viel Leben ist in ihm, dass sich seit mehr als 2000 Jahren Menschen auf den Weg machen, um Spuren der Barmherzigkeit, der Mitmenschlichkeit und der Hoffnung zu ziehen. Getrost brechen sie auf, wie damals die Hirten zum Stall. In diesem Jahr mögen wir moderne Hirtinnen und Hirten dabei vorsichtiger und achtsamer gehen als in den Jahren zuvor. Doch fürchten müssen wir uns nicht. Denn: Welt ging verloren, Christ ist geboren.

Ich wünsche Ihnen und all denen, denen Sie in diesen Tagen verbunden sind, eine gesegnete und getroste Weihnacht.

Superintendent Andreas Brummer
Superintendent Andreas Brummer
Tel.: 05101 5856-10