Bild: Jens Schulze

Online- und Telefon-Angebote im Kirchenkreis in der Karwoche und an Ostern

Nachricht Kirchenkreis Laatzen-Springe, 31. März 2021

Andachten, Gottesdienste, Geschiten zur Passions- und Osterzeit. Wieder haben Gemeinden viel Angebot entworfen für Online- und Telefonformate. Es gibt eine reiche Auswahl.

Sehen, Hören, Miterleben

Gottesdienste und Andachten

10 Uhr Zoom-Gottesdienst mit Pastor Wening und Pastor Overlach (gemeinsam mit Bennigsen-Lüdersen).

Registrierung notwendig unter www.kirchenregion-laatzen.de.

Telefonische Andachten und Osterpredigt zum Lesen

Impulse für den Tag gibt es per Telefon unter 05101 912 97 03.

-Telefonandacht mit Pastor Feytag unter Telefon 05102 79 59 760.

Telefonandacht mit Pastorin Staeck unter Telefon 05102 79 59 760.

Telefonandacht mit Pastorin Staeck unter Telefon 05102 79 59 760.

Telefonandachten unter Telefon 05101 91 29 750.

Osterpredigt von Pastorin Elisabeth Heyde

Matthäusevangelium Kapitel 28

1Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. 5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. 9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. 10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

„Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.“ Zwei Marias, liebe Lesende, oder sollte ich sagen: zwei Marien? Die eine, die hier zuerst erwähnt wird, kennen wir alle: Maria von Magdala. Aus diesem Ort am See Genezareth kam sie, aber ihr Haus in diesem Fischerdorf hatte sie verlassen, um sich den Jüngerinnen und Jüngern von Jesus anzuschließen. Dass eine Frau nicht nach ihrem Ehemann oder nach ihrer Herkunftsfamilie benannt wurde, sondern nach der Stadt, aus der sie stammte, das war für die damalige Zeit recht ungewöhnlich. Anscheinend war sie nie verheiratet gewesen oder inzwischen verwitwet. Auf jeden Fall aber war sie eine selbständige Frau, die sich nicht allein über ihre Familienbeziehungen definierte. Für die Menschen ihrer Zeit war es nicht selbstverständlich, einer solchen „Magdalena“ zu begegnen, einer Frau, die sich mit Nachnamen selbstbewusst „die aus Magdala“ nannte.

Aus dem Neuen Testament wissen wir, dass sie sich sehr eng an Jesus und seinen Kreis gebunden hatte; auch, dass Jesus sie, wie es heißt, von Dämonen befreit hatte, womit in der Sprache unserer Bibel eine Bekehrung, ein Neuanfang, möglicherweise auch eine Heilung von seelischen Krankheiten beschrieben wird. „Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.“ (Mt 28,1) Die „andere Maria“, die ebenfalls diesen zur damaligen Zeit häufigen Vornamen trägt, wird auch als „Maria Cleophae“ bezeichnet: die Ehefrau, die Tochter oder die Mutter eines gewissen Cleophas. Ihr Nachname hat also auf irgendeine Weise mit ihrer Familie zu tun. Sie gehört ebenfalls zum allerengsten Kreis der Jüngerinnen und Jünger von Jesus. Zusammen mit den anderen Frauen hat sie den unerhörten Mut gehabt, der Kreuzigung beizuwohnen und dort bis zuletzt zu bleiben (Mt 27,56). Sie hat es sich auch nicht nehmen lassen, dabei zu sein, als Jesus in sein Grab gelegt wurde (Mt 27,61).

Eine große Liebe, ja, eine unverbrüchliche Treue spricht aus diesem mutigen Dabeibleiben. Die beiden Marien waren dabei nicht allein. „Es waren viele Frauen da, die von ferne zusahen“, heißt es im Evangelium. „Die waren Jesus aus Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient unter ihnen war Maria Magdalena und Maria.“ (Mt 28,55f ) Dass das hier so ausdrücklich erwähnt wird: Die vielen Frauen, die aus Galiläa mitgekommen und den Weg nach Golgatha mitgegangen waren. Das hat wohl einen Grund: Die Männer aus der Jesus-Bewegung waren anscheinend nicht dabei geblieben. Sie hatten Bedenken bekommen. Angst davor, verhaftet und geschlagen, verurteilt und hingerichtet zu werden, genau wie ihr Meister. Gefährlich war es ja tatsächlich. Wer sich zu den Aufständischen aus Galiläa hielt, begab sich in Gefahr für Leib und Leben. „Es waren viele Frauen da, die von ferne zusahen“ (Mt 28,55). Aus der Ferne sahen die Jüngerinnen, was geschah, weil es auch für sie im höchsten Maß riskant war, sich zur Jesus-Bewegung zu bekennen. Die römischen Besatzer kannten nämlich kein Erbarmen. Auch Frauen haben sie gekreuzigt in ihrer gnadenlosen Art.

Maria aus Magdala aber und die andere Maria, sie waren beherzt im besten Sinn des Wortes. Den, in dem sie den Gesalbten Gottes erkannt hatten, ihn, den sie in ihr Herz aufgenommen hatten, ließen sie nicht allein. Am Samstagabend, sobald die Sabbatruhe beendet war und die Läden wieder öffneten, kauften sie Öl, um den Leichnam von Jesus zu salben. Das ist keine Einbalsamierung, wie es sie im alten Ägypten gab. Die Salbung eines gerade Verstorbenen mit wohlriechenden Ölen war eine Art, ihm die letzte Ehre zu erweisen, und das wollten sie tun. Mit dem duftenden Öl gehen sie nun, drei Tage nach seiner Hinrichtung, zum Grab. Noch vor dem Morgen. Als „der erste Tag der Woche anbrach“ (Mt 28,1), so heißt es im Evangelium. Es war noch dunkel. Im hellen Tageslicht dorthin zu gehen, das hätte gewiss niemand gewagt. Maria und Maria sind also nachts aufgebrochen. Ihnen verdanken wir, dass dies für uns heute der Ostermorgen ist, denn ohne sie hätte es niemanden gegeben, der von den Dingen, die sich dort ereignen, etwas hätte weitersagen können.

„Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.“ (Mt 28,2-7)

Ungeheuerliche, im höchsten Maße ungewöhnliche und atemberaubend verstörende Geschehnisse sind es, die die beiden Marien anschließend bezeugten: Dass die Erde gebebt und gewankt hat und dass so etwas wie ein Blitz eingeschlagen ist. Dass der Blitz aber ein Engel war, der den schweren Stein weggerollt hat, so, als würde er nichts wiegen. Und der sich einfach daraufgesetzt hat, als wollte er den Tod verspotten und verhöhnen. Dass die groben Haudegen von römischen Soldaten, diese ausgesucht kampferprobten Schlagetots und Draufgänger, die das Grab bewachen sollten, es angesichts dessen vorgezogen hatten, sofort in Ohnmacht zu fallen, und zwar allesamt. Eine schöne Schande für die Besatzer, dieser Auftritt! Dass der Engel sie dann angesprochen und ihnen gesagt hat, dass sie das auf jeden Fall weitersagen müssten: Dass der Gekreuzigte nicht mehr im Grab ist. Auferstanden, lebendig ist er jetzt.

Der Bote Gottes hat den beiden Marien sogar die Stelle gezeigt, wo er gelegen hatte, wo jetzt nur doch die Leinentücher zu sehen waren, in die sein Körper eingewickelt worden war. Schnell, schnell, hatte der Engel dann zu ihnen gesagt, erzählt es den anderen. Er geht nämlich vor euch her nach Galiläa. Da werdet ihr ihn treffen. Unglaublich. Unfassbar, unbegreiflich, aber wahr. So real wie wir, die wir dies jetzt lesen. „Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.“ (Mt 28,8-10) Ja, da geschah es. Als sie losrannten. Eilends gingen, wie es hier im Osterevangelium heißt. In Ehrfurcht und Freude über diese Nachricht. Um sie den Schwestern und Brüdern weiterzusagen. Da kam er selbst auf sie zu, der auferstandene Jesus.

Ein zweites Mal bekommen die beiden Marias jetzt, nachdem sie ihn zärtlich begrüßt haben, diesen einen so unglaublich wichtigen Auftrag: Die Nachricht von der Auferstehung unbedingt weiterzusagen. Die Botschaft dieses Sieges des Lebens über den Tod. Der Hingerichtete, er lebt. Gott hat ihn da herausgeholt. Nun geht Jesus uns voraus. Da, wo wir herkommen, in unserem Alltag, da werden wir ihn treffen. In der Theologie wird das „Protophanie“ genannt: Die erste Erscheinung. Das ist ein wichtiges Thema: Jesus erscheint nach seiner Auferstehung. Wem erscheint er zuerst? Den Frauen. So steht es ganz klar in den Evangelien. Sie sind es schließlich auch, die bis zuletzt dabeibleiben am Freitag, und die losgehen am frühen Sonntagmorgen als erste, um seinen Körper zu salben. Sie setzen sich dabei um ihrer Liebe und Treue willen einer gewaltigen Gefahr aus: Mitgefangen, mitgehangen - das drohte ihnen tatsächlich. Die Jüngerinnen sind das Risiko eingegangen. Dafür haben sie dann als erste den auferstandenen Jesus gesehen und den Auftrag zur Verkündigung der Osterbotschaft bekommen.

Von diesen unbeirrbar mutigen Frauen ging die Verbreitung unseres Glaubens aus, die eine und alles verändernde erste Predigt von der göttlichen Überwindung des Todes, aus der letztlich das Christentum entstand. Was daraus geworden ist, wissen wir heute auch: Leider erscheint es mitunter wie eine Männerkirche. Eine Kirche aus Priestern und Diakonen, Pfarrern und Bischöfen, die das kirchliche Amt für sich in Anspruch nahmen, während die Frauen dann auf Gemeindenachmittagen Kaffee ausschenken durften. Ich habe nichts gegen einen guten Kaffee, und erst recht nichts gegen diejenigen, die ihn mir einschenken. Ich habe etwas dagegen, dass Frauen das andere, zu dem Jesus sie doch ausdrücklich berufen hat, verweigert wird: Das Amt der Verkündigung. In unserer evangelischen Landeskirche haben die Theologinnen sich das Pfarramt in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg zurück erkämpft, nach all den finsteren Jahrhunderten, in denen sie davon ausgeschlossen gewesen waren, unter großen Mühen und Schikanen.

Unsere römisch-katholischen Glaubensgeschwister ringen bis heute darum, dass auch bei ihnen die Frauen endlich das Recht bekommen, das ihnen zweifelsohne zusteht: Das Predigtamt auszuüben. Zwar wird Maria aus Magdala dort inzwischen als „Apostolin“ und als „erste Botin des Evangeliums“ verehrt, und am 22. Juli, ihrem Heiligentag, wird ausdrücklich an sie gedacht. Aber viel weiter sind sie damit noch nicht gekommen, trotz der sehr lebendigen Bewegung „Maria 2.0“, die es seit dem Jahr 2019 gibt, und zu der übrigens zu einem guten Drittel Männer gehören. Menschen, die sich dafür stark machen, dass den Frauen in ihrer Mitte das zurückgegeben wird, womit sowohl der Engel als auch Jesus selbst sie ausdrücklich betraut hatte. Es ist der Auftrag zur Wortverkündigung. „Siehe, ich habe es euch gesagt!“ (Mt 28,7) spricht der Engel, um letztgültig klarzustellen, dass er hier die Autorität hat, so ein Mandat tatsächlich zu erteilen. Es könnte so etwas wie ein Erdbeben geben, wenn Maria 2.0 keine Ruhe gibt. Eine österliche Erschütterung. Und ich hoffe es. Denn die brauchen wir. Dass – auch bei uns – verkrustete Strukturen aufbrechen. Dass Regeln und Gewohnheiten, von denen viele meinten, sie seien in Stein gehauen, sich plötzlich doch bewegen lassen. Dass es wie ein Blitz vom Himmel fährt und uns die Augen öffnet für das, worauf es ankommt: Dass ein neues Leben beginnt, und zwar ausgerechnet da, wo wir dachten, dort könnte nichts geschehen. Dass auch wir deswegen von Ehrfurcht und einer großen Freude erfasst werden. Und loslaufen. Losrennen. Um weiterzusagen, was uns erfasst und bewegt: Jesus selbst kann uns mit seiner alles verändernden Kraft begegnen, und er legt dafür zunächst in uns die Hoffnung frei, die wir begraben hatten.

Das, was wir denken, und das, was wir fühlen, kommt auf wunderbare Weise neu zusammen, wenn wir damit rechnen, dass der Menschensohn aus Nazareth uns mit seinem österlichen Leben in unserem Alltag antrifft, betrifft und trifft. Wenn das geschieht, muss nichts so bleiben, wie es gewesen war. Da kann tatsächlich alles anders werden, als wir gedacht hatten. Da kann neues Leben entstehen, wo wir gemeint hatten: Hier ist nun wirklich alles vorbei. Es ist nicht vorbei, liebe Ostergemeinde. Es fängt gerade erst an. Hier in unserer Kirche, und auch außerhalb von ihr. Überall dort, wo Menschen leben. Denn die Auferstehung beschränkt sich nicht auf ein Leben innerhalb der Kirchenmauern. Sie geschieht inmitten unserer verletzten Welt. Da, wo Menschen leiden. Wo sie hoffen und helfen. Wo sie rennen und retten. Wo sie dem Tod nicht das letzte Wort lassen. Denn dieses lebendige Leben, dieses Auferstehungsleben, es ist für uns nicht nur ein Auftrag zum Weitersagen. Es brennt warm und hell in unseren Herzen. Es hilft uns, die Nacht zu erleuchten und dem neuen Morgen entgegenzugehen.

Amen.