Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Gottesdienst zeitgleich

Nachricht 31. Juli 2020

Allein und doch gemeinsam

Gottesdienst 2
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Liebe Gemeinde,
wie Sie wissen, finden zurzeit Gottesdienste seltener als früher in unseren Kirchen statt und unterliegen zudem strengen Regeln, die durch die Coronapandemie bestimmt werden. 

Daher ermutigen wir Sie, (auch/oder) einen Gottesdienst_zeitgleich zu feiern: Unter diesem Namen finden Sie auf unserer Website seit einigen Wochen einen Gottesdienstablauf für den Küchentisch oder das Wohnzimmer oder den Balkon bzw. Garten. Auch in dieser Woche gibt es wieder einen Ablauf mit einem neuen Bibeltext, einem Impuls zum Nachdenken. Der Gottesdienst kann alleine oder zusammen gefeiert werden. Nötig sind im Zweifelsfall nur eine Kerze, eine Bibel, ein Gesangbuch oder ein Smartphone. Das ganze Dorf kann dann zeitgleich feiern, wenn die Glocken läuten. Dann feiern wir eben nicht in der Kirche, sondern in vielen verschiedenen Häusern, denn „Wo 2 oder 3 in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen“ (Mt 18,29). Wenn Sie alte Menschen kennen und in ihrer Nachbarschaft haben, die gern Gottesdienst jenseits vom Fernsehgottesdienst mitfeiern möchten, dann drucken Sie den Gottesdienst aus und bringen Sie den Gottesdienst entsprechenden Personen vorbei. Achten Sie dabei bitte auf die Hygienevorschriften und ihre Gesundheit.

Passen Sie auf sich auf, bleiben Sie gesund!
Gottes Segen wünschen Ihnen
der Kirchenvorstand mit Pastor Jonathan Overlach

Den  Ablauf für die jeweiligen Gottesdienste können Sie hier als PDF herunterladen.

Gottesdienst_zeitgleich - am 8. Sonntag nach Trinitatis

Kerze entzünden, Bibel und Gesangbuch oder Smartphone bereitlegen.
Die Glocken läuten wie gewohnt um 9:15 Uhr in Bennigsen und um 10:45 Uhr in Lüdersen.

Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Manchmal können wir nicht richtig sehen. Wenn wir die Brille nicht aufhaben. Oder die Dinge mit der falschen Brille betrachten. Diese Brille kann auf der Nase sitzen oder – im übertragenden Sinne – im Kopf. Gott ist da anders, er hat einen anderen Blick auf die Welt als wir. Davon erzählt uns Jesus. Davon hören wir heute.

Gebet
Gott. Ich bin hier. Ich bete zu dir. Mit anderen, die zu dir beten. Genau jetzt. Genau so. Ich bin hier und du bist hier. Das genügt. Und ich bringe dir alles, was ist.
Stille
Höre unser Gebet.
Amen. 

Lied: Sonne der Gerechtigkeit (EG 262, 1-4)

Lesung: Johannes 9,1-7

Impuls
Wer ist schuld? Wer ist schuld, dass sich Corona immer weiter ausbreitet? Dass wir vielleicht in die zweite Welle hineinkommen? Diese Frage wird in diesen Tagen tausendfach gestellt. Sind es die, die aus sogenannten Risikogebieten zurückkommen? Arbeiter in Schlachtfabriken und auf Obst- und Gemüsehöfen, die sich in ihrer Freizeit über Arbeitsschichten hinweg treffen? Oder sind es ihre Arbeitgeber, die sie zu sechst oder acht in kleinen Zimmern unterbringen? Sind es die, die wieder Party machen? Oder alle die, die zu leichtsinnig sind, zu viele Kontakte haben, keine Maske tragen, uns auf die Pelle rücken? Die aus dem Kreis Gütersloh oder Dithmarschen oder Manning, die sich bloß nicht in irgendeinem Urlaubsgebiet blicken lassen sollten? Wer ist schuld? Wie gerne hätten wir einfache Antworten darauf. Hätten klare Schuldige, auf die wir mit dem Finger zeigen können. Und die Illusion, damit das Übel aus der Welt schaffen zu können. Oder wenigstens uns selber vom Leib.
Denn wir … wir waren ja nicht so sorglos, nicht im Risikogebiet unterwegs … Und trotzdem: auch uns kann es treffen. Krank zu werden. Auch wir könnten, ohne es zu wissen, die Krankheit weitergeben.
Sind wir dann schuld?
„Wer ist schuld?“, fragen die Jünger Jesus, als sie einen Mann sehen, der blind ist. Ja, sogar blind geboren ist. Sind seine Eltern schuld, haben sie gesündigt? Oder ist er gar selbst schuld? Es muss doch Gründe geben, dass Gott jemanden so straft. Dann muss er, muss sie es doch irgendwie verdient haben, oder? Da muss einer gegen Gottes Gebote verstoßen haben. Oder gegen alle Regeln der Vernunft, der Hygiene oder was auch immer. Woran liegt es? Und was muss ich tun, damit es mich nicht trifft? Aber so einfach ist es nicht in dieser Welt. So einfach ist es nie, wenn einer im Dunkel wohnt.
Wenn einer im Dunkel wohnt. Dazu muss man nicht blind sein. Es gibt viel Dunkles in der Welt.
Da ist einer, der hat die Welt weggetrunken, weil er sie nicht aushalten konnte. Und jetzt steht er in einem Kreis und teilt seine Geschichte, um anderen zu helfen. Er sagt, dass er da allein nicht rauskam. Und dass er erst alles loslassen musste, bevor er gesehen hat: Ich werde aufgefangen. Und er erzählt, was sich seitdem verändert hat. Und dass es wieder hell wurde.
Oder die, die am Ende ihrer Kräfte war. Die einfach nicht mehr konnte und nicht mehr weiterwusste.
Weil alles zu viel war. Und sie erzählt, wie sie immer dachte: Du muss stark sein – andere schaffen das doch auch. Und als es gar nicht mehr ging, haben andere gesagt: Wir tragen dich im Gebet. Und auf einmal hat sie gesehen: Es geht nicht um Starksein und Schaffen, sondern um mich und mein Leben.
»Rabbi, wer hat Schuld auf sich geladen, sodass er blind geboren wurde – dieser Mann oder seine Eltern?« Jesus antwortete: »Weder er selbst hat Schuld auf sich geladen noch seine Eltern!«
Manchmal ist das einfach die falsche Frage. Es geht nicht um Ursachen und nicht um Urteile. Es geht nicht um Schuld und nicht um Ordnung. Sondern um einen ganz neuen Blick. Es gibt viel Dunkles in der Welt. Manches wählt man selbst, in anderes wird man geschubst, und ganz viel – das meiste – liegt dazwischen. Und sowieso: Wer kann denn schon alles überblicken?
Du brauchst einen, der dir dafür die Augen öffnet. Dir und den anderen. Damit wir klarer sehen, mit anderen Augen. Die Jünger haben genauso neu sehen gelernt wie jener Blinde. Auch sie wurden geheilt.
Nämlich von jenem angeblich objektiven Blick, der nach Ursachen fragt und Verantwortung zuteilt und dabei über Menschen redet statt mit ihnen. Und geheilt von einem Blick, der Gott als Richter und Vollstrecker sieht.
»Weder er selbst hat Schuld auf sich geladen noch seine Eltern. Aber es soll an ihm das Handeln Gottes sichtbar werden.« Darum geht es. In der Welt etwas sichtbar zu machen. Über Gott, der Jesus als Licht in die Welt geschickt hat. Als Zeichen der Hoffnung und der Liebe, mit der uns Gott ansieht. Ganz egal, ob wir, ob unsere Eltern Fehler gemacht haben. Ganz egal, ob wir laufen, sehen, hören, sprechen, tiefsinnig denken können oder nicht – oder mit anderen Worten: ob wir „gesund“ sind oder „nicht“. Jesus sagt: Die Welt ist, wie sie ist. Mit ihrem Dunkel. Mit Corona. Mit Schwerem, dass wir nicht erklären können. Mit Schuld, die da sein kann oder auch nicht. Das Gestern können wir nicht verändern. Aber jetzt soll es in der Welt Licht werden. Jetzt wischt Euch den Staub, den Dreck dieser Erde aus den Augen und seht.
Seht hin.
Amen.

Lied: O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)

Fürbitten
In diesen sommerlichen Tagen genießen wir die Sonne. Ihre Strahlen wärmen uns.
In diesen sommerlichen Tagen schauen wir auf dich, Christus. Du bist das wahre Licht.
Deine Gegenwart macht unser Leben hell.

Deine Wärme, Christus, heile uns – nicht nur uns. Deine Wärme, Christus, erbitten wir für alle, die leiden, die verzweifeln, die keinen Ausweg finden, die vor Angst schreien, die mit dem Tod ringen.
Mit deiner Wärme, Christus, umhülle diese Welt, damit die Schmerzen und der Tod an ihr Ende kommen.
Christus – höre uns.

Dein Licht, Christus, erleuchte uns – nicht nur uns. Dein Licht, Christus, erbitten wir für alle, die in Sorge sind, die Angst vor dem Kommenden haben, die um ihr Recht kämpfen, die für andere verzichten, die Macht haben.
Mit deinem Licht, Christus, erleuchte diese Welt, damit dein Frieden den Hass überwindet.
Christus – höre uns.

Deine Liebe, Christus, erfülle uns – nicht nur uns. Deine Liebe, Christus, erbitten wir für alle, die so sehr auf Liebe angewiesen sind, deine Liebe für die Kinder und Jugendlichen, die durch Corona verunsichert sind, deine Liebe für die Gemeinden in aller Welt, die bedrängt und verfolgt werden, deine Liebe für alle,
die nach der Wahrheit fragen und die das Leben suchen.
Christus – höre uns.

Gemeinsam stimmen wir ein in das Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat.
Vater unser…

Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Gott Vater. Gott Sohn. Und Gott Heiliger Geist.
Amen.