Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Gottesdienst_zeitgleich Ostersonntag

Nachricht 03. April 2021

Ostersonntag
Foto: Pixabay

Die Glocken läuten wie gewohnt um 9:15 und 10:45 Uhr
Kerze entzünden, Bibel und Gesangbuch oder Smartphone bereitlegen.

Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Die Glocken läuten und rufen mich zum Gebet am Ostersonntag.  Zum zweiten Mal führt mich mein Weg an diesem Tag nicht in die Kirche. Vorsichtshalber treffen wir uns nicht persönlich. Aber ich weiß, auch andere zünden jetzt zu Hause ihre Kerze an und öffnen ihre Herzen für die Osterfreude – trotz allem.

Gebet
Guter Gott, sieh mich an, höre meine Stimme. Vorsicht lässt mich zu hause bleiben. Dabei sehne ich mich sehr nach fröhlichem Lachen, einer Umarmung, spontanen Besuchen. Ich weiß, ich bin nicht die einzige, der diese Freiheit und Unbefangenheit fehlt. Ich möchte, dass es hell ist in mir. Darum, Gott, bitte ich Dich um das Licht und die Fröhlichkeit des Osterfestes. Gib gute Ideen, wie wir einander begegnen können und schenk uns Grund, mal wieder befreit zu lachen. Du bist hier und ich bringe vor Dich all das, was mich bewegt. (Stille)      
Amen.

Lesung: 2 Mose 14,8-14.19-23.28-30a; 15,20f.
8 Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren mit erhobener Hand ausgezogen. 9 Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als sie am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten. 10 Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN 11 und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? 12 Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben. 13 Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen. 14 Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

19 Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie 20 und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher. 21 Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich. 22 Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. 23 Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer.

28 Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. 29 Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. 30 So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand. Und sie sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen.

20 Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen.

Lied: Gelobt sei Gott im höchsten Thron EG 103, 1-3

Gedanken zum Osterfest
So ein Wunder wäre jetzt schön, denke ich:
Am Liebsten wäre es mir, ich ginge abends ins Bett, schlafe ein und am Ostermorgen sind alle Probleme weg. Die Corona-Zeit ist vorbei. Endlich.
Allerdings sagt mir das keiner.
(Oh, bitte erlauben Sie mir, ein wenig zu träumen. Ich weiß ja, dass es nicht so einfach geht, aber hin und wieder tut das Träumen ganz gut. Und ich verspreche, dass es nicht beim Träumen bleibt!)
Mal angenommen, das wäre möglich, woran würde ich eigentlich merken, dass es so ist? Was denken Sie? Woran würden Sie zuerst merken, dass so ein Wunder geschehen ist?
Ich weiß natürlich nicht, wie bei Ihnen der Tag beginnt: Vielleicht schalten Sie morgens das Radio an oder lesen eine Morgenzeitung? Die Nachrichten sind plötzlich ganz anders: Keine steigenden Zahlen, sondern ein klarer Weg, wie die bereits entstandenen Schäden in Ordnung gebracht werden können. Wir wissen genau, wo es langgeht und was wir tun müssen, gehen behütet mitten durch alle Gefahr und können z.B. ganz fröhlich die Einladung zu einer großen Party annehmen.

Ich trinke morgens meistens erst mal in Ruhe einen Kaffee und würde es vermutlich gar nicht merken. Erst beim 'Rausgehen, wenn mir Menschen ohne Maske begegnen oder mich jemand anruft, um mit mir z.B. mal wieder schwimmen zu gehen. Dann würde ich wohl so langsam begreifen, dass alles wieder normal und in Ordnung ist.

Wie viele Menschen haben mittlerweile sehr große Sehnsucht nach solch einem „Wunder“: wieder mal ein fröhliches Fest zu feiern, „normal“ arbeiten gehen zu können, Sport, eine kleine Shopping-tour oder Urlaub zu machen, sich umarmen und besuchen - ohne Sorge - und einander ins offene Gesicht sehen können...?

Vermutlich ;-) ist es Ostersonntag noch nicht so weit.

Das ändert für mich aber nichts daran, dass ich mich gern von Träumen und Fragen leiten lassen möchte, die mir dabei helfen, Ideen zu entwickeln, wie es wenigstens ein bisschen in die Richtung gehen kann.

Um im Bild des Schilfmeeres aus der biblischen Geschichte zu bleiben: Wie kann ich behütet durch die Gefahr gehen und mein Ziel im Auge behalten? Das heißt für mich auch:

Wie kann ich vermeiden, z.B. aus Angst vor Ansteckung, mich nur hilflos und gelähmt zu fühlen? Wie kann ich vermeiden, dass sich aus der Angst vor Erkrankung eine Angst vor anderen Menschen entwickelt?

Was schützt mich? Und ich meine hier – neben den Hygieneregeln – vor allem den Schutz der eigenen Seele: Wie kann ich mutig, geduldig, phantasie- und kraftvoll bleiben? Wie kann ich Vertrauen in und Liebe zu den Menschen nah und fern bewahren? Was kann ich tun?

Wie machen Sie das eigentlich? Was hilft Ihnen durch diese Zeit? Was ermutigt Sie zum nächsten Schritt? Und mag der auch noch so klein sein. Wie kann es weitergehen?

Ich denke Ostern oft an eine kleine Situation, die ich im Studentenwohnheim erlebt habe: Es ist ein ganz normaler Morgen vor der Uni. Mit einigen anderen sitze ich in der Frühstücksecke und da kommt ein französischer Mitstudent, noch ganz verschlafen, aus seinem Zimmer auf uns zu und sagt: „Guten Morgen! Ich bin jetzt auch auferstanden.“ Da mussten wir Theolog*innen natürlich alle lachen, aber diesen kleinen Sprachfehler haben wir nie berichtigt, weil wir ihn so schön und ermutigend fanden.

Vielleicht geht das ja wirklich: Eine kleine „Auferstehung“ mitten im Alltag?!

Für mich bedeutet das, den Tag mit Gottvertrauen zu beginnen, bewusst in das Geschenk eines neuen Tages zu starten und offen zu sein für die (kleinen) Wunder, die an diesem Tag möglich sind.

Es gibt schon viele tolle Ideen, die dabei helfen können, sich dem Wunder anzunähern:

Eine Frau, die den Weg zur Arbeit vermisst und unter dem homeoffice leidet, zieht sich morgens bewusst an und geht einmal um den Häuserblock, ehe sie sich an ihren Schreibtisch setzt.

Eine Familie, die sich nach Urlaub am Meer sehnt, hat mit viel Phantasie ihr eigenes Zuhause in eine Ferienwohnung am Meer verwandelt. Und der „Urlaub“ begann dann natürlich auch mit einer Autofahrt...

Auch dieser Gottesdienst „zeitgleich“ kann dazu gehören.  Wenn es in der Kirche nicht (gut) geht, dann feiern wir eben anders Gottesdienst. Gott ist überall, auch bei mir zu Hause.

Und wie viel Hilfe gibt es in den ganz konkreten Nöten, wenn Menschen füreinander einkaufen,  online miteinander singen oder einander mit Rat und Tat und oft auch finanzieller Unterstützung zur Seite stehen.

Ist es so nicht schon wenigstens ein kleines bisschen wie bei dem Wunder?

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen, bleiben Sie behütet und lebensfroh!
Amen.

Lied: Er ist erstanden, EG 116

Dank- und Fürbitten
Guter Gott,
wir danken Dir, dass Du  unsere menschlichen Lebenswege begleitest,
und dass Du uns andere, neue Wege weist.
Danke, dass Du, auferstandener Jesus, uns Mut machst, dass nicht einmal Sterben und Tod das Ende sind, sondern  auch ein Weg in ein neues Leben. Über dem Schmerz des Verlustes vergessen wir das manchmal.
Erinnere uns daran und schenke uns Grund zum Lachen.
Wir bitten dich:
Lass alle, die mutlos und im Glauben müde geworden sind, deine Nähe erfahren.
Zeige allen, die nicht mehr weiter wissen, einen Weg.
Schenke den Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn sind,
gute Begegnungen mit glaubwürdigen Mitmenschen.
Wir bitten dich besonders für all die Menschen, die krank sind:
Schenke Kraft, Geduld und Genesung.
Wir bitten Dich für alle Menschen, die helfen und anderen zur Seite stehen um viel Liebe und Phantasie, in all den Beschränkungen Lösungen zu finden und den Mut zu behalten.
Bleibe bei uns hier auf der Erde und darüber hinaus.
Lass uns gewiss sein, dass es sich lohnt zu glauben, zu lieben und zu hoffen.
Um all das und um deine lebendige Gegenwart, die uns Menschen zu Menschen mit starken und fröhlichen Herzen macht,

bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

Vater unser…

Segen
Gerade stehen, den Kopf hoch, die Hände öffnen und laut sprechen:
Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen.

Gottesdienst 2
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Allein und doch gemeinsam

Liebe Gemeinde,
wie Sie wissen, finden zurzeit Gottesdienste seltener als früher in unseren Kirchen statt und unterliegen zudem strengen Regeln, die durch die Coronapandemie bestimmt werden. 

Daher ermutigen wir Sie, (auch/oder) einen Gottesdienst_zeitgleich zu feiern: Unter diesem Namen finden Sie auf unserer Website seit einigen Wochen einen Gottesdienstablauf für den Küchentisch oder das Wohnzimmer oder den Balkon bzw. Garten. Auch in dieser Woche gibt es wieder einen Ablauf mit einem neuen Bibeltext, einem Impuls zum Nachdenken. Der Gottesdienst kann alleine oder zusammen gefeiert werden. Nötig sind im Zweifelsfall nur eine Kerze, eine Bibel, ein Gesangbuch oder ein Smartphone. Das ganze Dorf kann dann zeitgleich feiern, wenn die Glocken läuten. Dann feiern wir eben nicht in der Kirche, sondern in vielen verschiedenen Häusern, denn „Wo 2 oder 3 in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen“ (Mt 18,29). Wenn Sie alte Menschen kennen und in ihrer Nachbarschaft haben, die gern Gottesdienst jenseits vom Fernsehgottesdienst mitfeiern möchten, dann drucken Sie den Gottesdienst aus und bringen Sie den Gottesdienst entsprechenden Personen vorbei. Achten Sie dabei bitte auf die Hygienevorschriften und ihre Gesundheit.

Passen Sie auf sich auf, bleiben Sie gesund!
Gottes Segen wünschen Ihnen
der Kirchenvorstand mit Pastor Jonathan Overlach

Den  Ablauf für die jeweiligen Gottesdienste können Sie hier als PDF herunterladen.