Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Gottesdienst_zeitgleich

Nachricht 31. Oktober 2020

Allein und doch gemeinsam

Gottesdienst 2
Adobe Stock

Liebe Gemeinde,
wie Sie wissen, finden zurzeit Gottesdienste seltener als früher in unseren Kirchen statt und unterliegen zudem strengen Regeln, die durch die Coronapandemie bestimmt werden. 

Daher ermutigen wir Sie, (auch/oder) einen Gottesdienst_zeitgleich zu feiern: Unter diesem Namen finden Sie auf unserer Website seit einigen Wochen einen Gottesdienstablauf für den Küchentisch oder das Wohnzimmer oder den Balkon bzw. Garten. Auch in dieser Woche gibt es wieder einen Ablauf mit einem neuen Bibeltext, einem Impuls zum Nachdenken. Der Gottesdienst kann alleine oder zusammen gefeiert werden. Nötig sind im Zweifelsfall nur eine Kerze, eine Bibel, ein Gesangbuch oder ein Smartphone. Das ganze Dorf kann dann zeitgleich feiern, wenn die Glocken läuten. Dann feiern wir eben nicht in der Kirche, sondern in vielen verschiedenen Häusern, denn „Wo 2 oder 3 in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen“ (Mt 18,29). Wenn Sie alte Menschen kennen und in ihrer Nachbarschaft haben, die gern Gottesdienst jenseits vom Fernsehgottesdienst mitfeiern möchten, dann drucken Sie den Gottesdienst aus und bringen Sie den Gottesdienst entsprechenden Personen vorbei. Achten Sie dabei bitte auf die Hygienevorschriften und ihre Gesundheit.

Passen Sie auf sich auf, bleiben Sie gesund!
Gottes Segen wünschen Ihnen
der Kirchenvorstand mit Pastor Jonathan Overlach

Den  Ablauf für die jeweiligen Gottesdienste können Sie hier als PDF herunterladen.

Gottesdienst_zeitgleich - 21. Sonntag nach Trinitatis I Reformationsgottesdienst

Kerze entzünden, Bibel und Gesangbuch oder Smartphone bereitlegen.
Die Glocken läuten um10:45 Uhr in Bennigsen und in Lüdersen. In Bennigsen ist Gottesdienst um 11 Uhr.

Einstimmung (lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Gestern war Reformationstag. Auch wenn der neue Feiertag diesmal auf einen Samstag fiel und aufgrund der andauernden Sondersituation in unserer Welt nicht so groß gefeiert werden konnte, wie gehofft, wollen wir uns in dem heutigen Gottesdienst vor Augen führen, dass das allein der Gaube an Jesus Christus uns vor Gott gerecht machen kann. Dies zu bekennen, sind wir bereit, auch in der Gefahr der wie in dieser Welt ausgesetzt sind.
Das Wort Gottes können wir nicht zu unserem Werkzeug machen. Gottes Wort wirkt vielmehr in und durch uns in der Welt.
Wochenspruch: Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Kor 3,11)

Lied: Ein feste Burg ist unser Gott I EG 362,1-2

Eingangsgebet
Gott, du bist Tröster und Helfer, auch für mich an diesem Morgen.
Lass mich heute deine Nähe spüren und rühre mich an mit deiner Kraft.
Amen.

Lesung: Mt 5,1-10

Lied: O komm, du Geist der Wahrheit I EG 130,1-2

Predigt: Mt 10,26b-33
Fürchtet Euch nicht!

Gerade im Moment wohl die wichtigste Botschaft, die wir Christen uns immer wieder neu sagen können und müssen.
Egal wie schlimm es um die Welt bestellt ist, egal wie unvorhersehbar unsere Situation morgen ist, ganz egal, dass Niemand bis Weihnachten planen kann, wie wir feiern werden…
Bei aller Unsicherheit, bei aller Angst:
Es gilt die Zusage: Fürchtet Euch nicht.
Gleich zweimal kommt sie in dem Predigttext vor.
Wichtig dabei ist, die Voraussetzungen furchtlos zu sein, schaffen nicht wir. Nicht durch Größe oder Waffen oder unsere große Zahl können besiegen wir die Furcht.
Gott gibt uns die Kraft, dass wir durch ihn furchtlos sein können.
Nicht, weil wir es uns verdient haben durch eine schwierige Zeit oder weil wir so fest im Glauben sind. Sondern einfach, weil Gott uns liebt.
Wenn wir diese Liebe annehmen können, dann haben wir keinen Grund zur Furcht mehr.

Wir feiern den gestrigen Reformationstag. Und der Kern dieses Tages ist dabei thematisch aktueller als in anderen Jahren.
Reformation bedeutet Veränderung. Reformation bedeutet, dass Bekanntes neu betrachtet werden muss.
Das benötigt Kraft und auch Feingefühl. Veränderung muss überlegt sein und braucht Liebe.
Kirche ändert sich aktuell schnell.
Aber sie darf sich auch ändern.
„Ecclesia semper reformanda“, meint Luther: Die Kirche ändert sich ständig.

Aber Kirche soll dabei nichts grundlegend anderes werden. Sie soll Neues
und neue Menschen willkommen heißen, aber soll ein Zuhause für die bleiben, die es hier bereits finden.

Der Kern für Luther bleibt dabei immer
sola scriptura
sola gratia
sola fide
solus Christus

Allein aus der Schrift, allein aus Gnade, allein aus Glaube und alleine durch Christus.

In diesem Jahr geschehen in der Kirche Veränderungen, bei denen es sein kann, dass sie bleiben werden, wie der Gottesdienst-zeitgleich, den wir gerade nicht nur in der Kirche feiern, sondern den auch Zuhause Menschen mit uns gemeinsam feiern.
Es kann selbstverständlich auch Dinge geben, die nach der Pandemie wieder fallengelassen werden.
Wir wissen es noch nicht. Aber wir brauchen keine Furcht haben.
Im Gegenteil: Wir haben die Freiheit damit umzugehen,
Heinrich Bedford-Strohm hat es im April so formuliert:
„Freiheit heißt nicht, dass ich tun und lassen kann, was ich will, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Christliche Freiheit heißt: Rücksicht auf andere, Verantwortung für andere gerade für die Schwächsten.“

Wir müssen in diesem Jahr Geduld haben – uns ständig neu anpassen.
Das ist anstrengend und ja, das überfordert oft, es frustriert – gerade im Herbst, wo es wieder kälter und dunkler wird.
Ich finde dabei Trost in einem meiner Lieblingsverse aus der Bibel:

Im 2. Tim 1, 7 lese ich:
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Wieder finden wir die Zusage, dass wir uns nicht von Furcht beherrschen lassen sollen. Gott will mit uns sein. Gegen die Furcht gibt er uns Kraft, Liebe und Besonnenheit.
Im Predigttext, mündet das „fürchtet euch nicht“ in die Aufforderung von Gott zu berichten. Von unserem Glauben, von unserer Liebe und unserer Hoffnung.

Es ist keine leichte Zeit. Es gibt nicht die eine richtige Antwort. Die eben genannte Freiheit, die auch für Luther das Geschenk Gottes schlechthin ist, fordert viel von uns.
Aber wir müssen uns dennoch nicht fürchten, denn Gott schenkt uns Hoffnung durch sein Versprechen bei uns zu sein.

Ein Satz, der oft Martin Luther zugeschrieben wird fasst es gut zusammen – auch wenn er es so wahrscheinlich nie gesagt hat.
"Wenn morgen die Welt unterginge, so pflanzte ich heute noch ein Apfelbäumchen."

Wenn wir Gottes Liebe annehmen, werden wir die Kraft haben, die wir brauchen.

Leid wird nicht vernichtet, aber wir müssen keine Furcht haben, wir können in Hoffnung leben, die stärker ist.
Wir sind geliebt von Gott. Gott schenkt uns immer neu seine Nähe und seine Kraft.
Allein aus Gnade – ohne dass wir etwas dazu beweisen oder tun müssen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

Lied: Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich I EG 351, 1-2

Abkündigungen

Lied: Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich I EG 351, 3

Fürbitten
Dein Wort, Gott, ist uns immer wieder neu Trost.
Wir danken dir dafür.

Dein Wort ist das Leben.
Sprich es heute:
zu den Kranken, damit sie genesen.

Sprich es heute:
zu denen, auf die man hört, damit sie den Schwachen zum Recht verhelfen.

Sprich es heute:
zu den Klugen und Weisen, damit sie ihr Können zum Wohl aller einsetzen.

Sprich es heute:
zu deiner Kirche, damit sie es predigt.
Sprich es heute zu uns,
damit wir als versöhnte Menschen leben und deinen Frieden in die Welt hineintragen durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
Amen

Vaterunser
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in
Ewigkeit. Amen.

Segen
Hände öffnen und laut sprechen:
Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

Orgelnachspiel