Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Gemeindebrief

Von den Bäumen und von der Mitte

Ein anderer Advent

Der „andere Advent“ ist ein besonderer Adventskalender, den man sich bestellen kann. In diesem Jahr braucht ihn niemand zu bestellen. Der Advent ist dieses Jahr definitiv anders, ohne, dass man dagegen etwas tun kann. Das Coronavirus hat Deutschland immer noch im Griff. Der Weihnachtsmarkt in Bennigsen kann nicht stattfinden. Auch die Weihnachtsgottesdienste werden anders sein als sonst. Die Weihnachtsstimmung stellt sich nicht einfach so ein. Und die üblichen „Stimmungshelfer*innen“, also Glühwein, Crêpes, Bratwürstchen und Lieder im Gottesdienst singen fallen aus.
Die Einstimmung kann nur anders passieren. Mir wird in diesem Jahr besonders bewusst, wie nötig die Welt Jesus hat: Wir haben sehr viel in dieser Welt nicht in der Hand. Es gibt Dinge, die wir nur sehr begrenzt beeinflussen. Und auch die Natur haben Menschen nur im Kleinen unter Kontrolle. Und die Dominanz des Menschen über die Natur ist oft nicht zu unserem Besten. Wir brauchen, theologisch gesprochen Erlösung. Das bedeutet: Wir brauchen Gottes Hilfe und seinen Geist. Denn Ohne die Hoffnung darauf wäre unser Leben doch eine hoffnungslose Sache. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell“, so steht es im Buch des Propheten Jesaja.
Oft habe ich mich in diesem Jahr so im Finstern gefühlt. Mit all dem Fahren auf Sicht bei Veranstaltungen in der Kirchengemeinde, bei Planungen in der Familie und nicht zuletzt in der Vorbereitung der Weihnachtszeit. Dabei hatte ich persönlich noch nicht einmal Kinder im Homeschooling oder Kurzarbeit zu bewältigen. Die ersten Christen waren überzeugt: Jesus von Nazareth ist dieses Licht, das Jesaja da herbeisehnt. Dieses Licht brauchen wir heute immer noch. Denn auch bei uns wandern viele Menschen im Finsteren. In diesem Jahr fällt es vielleicht mehr ins Auge als sonst.
Dieser Advent ist anders. Diese weihnachtliche Stimmung bei sich selbst zu suchen ohne all die kleinen Helferlein, ist schwerer als sonst, weil vieles fehlt. Vielleicht hören Sie jetzt zuhause mehr Adventsmusik, weil es draußen nicht so gut möglich ist. Vielleicht lesen Sie selbst abends zusammen mit den Liebsten weihnachtliche Geschichten. Vielleicht schmeißen Sie auch Gott alles, was schwer ist, im Gebet vor die Füße, klagen ihm, was alles fehlt, erzählen ihm, was Sie alles vermissen. Er hört es!

Die Adventszeit kann auch eine Zeit der Besinnung sein – vielleicht freuen an der Ruhe und gehören zu denen, die aus der Not eine Tugend machen (ich kann das eher nicht so gut, wünsche Ihnen aber viel Erfolg!).

Für meine Frau und mich ist dieser Advent eine besondere Wartezeit. Wir erwarten unser erstes Kind, und wenn alles so wird, wie wir uns das wünschen, dann werden wir Anfang Januar Eltern eines kleinen Mädchens. Es wird für uns ein wirklich anderer Advent.

Am Ende wird Licht sein. Denn über denen, die da wohnen im Finstern scheint es hell.

Es grüßt Sie
Ihr Pastor Jonathan Overlach

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Jonathan Overlach
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