Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Gemeindebrief

Von den Bäumen und von der Mitte

Immer, wenn ich im Berggarten in Herrenhausen bin, muss ich mir die Süntelbuche anschauen. Der 150 Jahre alte Baum ist wild gewachsen. Er sieht aus, als hätte man eine normale Buche genommen und ihr das Wuchsverhalten einer Brombeerranke eingeimpft. Verästelungen und Richtungswechsel haben ihn zu einer gigantischen Kuppel werden lassen, die im Sommer genügend Schatten bietet, so dass man es darunter gut aushalten kann. Der Gang durch den Baum hat etwas verwunschenes, immer wieder entdecke ich neue Biegungen und Blickwinkel. Der Baum zieht mich jedes Mal in seinen Bann.

Die deutsche Kirchenlandschaft sieht auf den ersten Blick ganz anders aus: Wie ein typischer Buchenwald. In regelmäßiger Entfernung steht ein Baum. Wie Buchen stehen die Kirchengemeinden da: alle relativ gerade gewachsen und in die gleiche Richtung zeigend.

Im Wesentlichen bieten die Kirchengemeinden dieselben Dinge an: Sonntag morgens Gottesdienst, Konfirmandenunterricht, Seniorenarbeit, usw. Mit ein paar Variationen trifft diese Art der Beschreibung auf viele Gemeinden zu. Aber die Strukturen von Kirchengemeinden ändern sich.

Die Einschränkungen durch das Coronavirus haben da viele Änderungen auf einmal in Gang gesetzt. Kirche gerät gerade aus dem Häuschen. So viel wie möglich wird unter freiem Himmel gemacht. In dieser Zeit wird ganz besonders klar: Es gibt nicht eine Lösung für alle. Wir schauen, was passt, was wieder möglich ist und was anders wird. Das beobachte ich mit viel Faszination.

Und plötzlich erinnern mich die einzelnen Kirchengemeinden eher an die Süntelbuche im Berggarten: Da wird viel ausprobiert und manchmal auch wieder verworfen. An manchen Stellen scheint die Gemeinde verschwunden zu sein, um dann woanders unerwartet aufzutauchen. Und immer wieder wird konkret geschaut, was hier vor Ort geht. Das Gleichförmige verschwindet, es ist nicht mehr alles beliebig auf jede Gemeinde übertragbar und es wird nach unkonventionellen Wegen gesucht.

Und doch: Der Stamm ist auch bei diesem Wuchsverhalten aus demselben Holz, denn wir glauben „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1.Korinther 3,11)“.

Das ist der Vers zum Reformationstag: Der unveränderbare Grund Jesus Christus gehört in die Mitte.
Wie genau die Gestalt der Kirche darum aussieht, wird man sehen. Das galt vor 500 Jahren, als die Reformation Fahrt aufnahm, das gilt auch heute noch. Veränderungen gab es immer – der Kern ist derselbe. Wie bei den Bäumen.

Herzlichst
Ihr Pastor Jonathan Overlach

 

 

 

 

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