Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Gemeindebrief

Pfingsten wird trotzdem

Liebe Leser*innen,

während ich diese Zeilen schreibe, ist gerade die Maskenpflicht bekannt gegeben worden. Es ist der 22. April. Wie die Einschränkungen sind, wenn Sie diesen Gemeindebrief in den Händen halten, weiß ich nicht. In einigen Tagen berät die Bundesregierung wieder, wie es weitergeht mit Kontaktsperren, Infektionskurven, Ladenöffnungen und Anderem. Ich bin hin- und hergerissen, was unsere Situation angeht. Da ist die Erleichterung, dass manche Geschäfte wieder Umsatz machen können und nicht Insolvenz anmelden müssen, denn da hängen viele Existenzen dran. Familien, Unternehmen, einzelne Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen. Gleichzeitig ist da aber auch die Sorge, dass die Infektionszahlen wieder ansteigen könnten. Und die Erkenntnis, dass die Einschränkungen nicht im August vorbei sein werden.

Ich fühle mich in dieser Situation hilflos. Und denke an alle, die Homeoffice und Kinderbetreuung und Einkäufe für die Eltern zusammen kriegen müssen. Ich denke an alle, die den Sommerurlaub stornieren mussten und doch nichts dringender brauchen als einen Tapetenwechsel und etwas Erholung.

Das Coronavirus hat auch Auswirkungen auf unsere Gemeinde: Die Konfirmationen wurden verschoben, aber ein neuer Termin steht noch nicht fest. Gemeindegruppen fallen aus, die Vorkonfirmanden fahren nicht auf Freizeit. Die Senioren können sich nicht treffen. Kirchenvorstandssitzungen sind zu Emails mit Entscheidungen per Umlaufbeschluss geschrumpft. Während ich schreibe, sind Gottesdienste untersagt. Und auch, wenn wir sie feiern dürfen, werden sie anders als bisher. Wahrscheinlich ohne Gesang und mit großem Abstand. Ob es ein Trost wäre, so Gottesdienste zu feiern, weiß ich nicht.

Es wird deutlich: Gemeindeleben muss in diesen Zeiten ohne physischen Kontakt auskommen. Aber das bedeutet nicht, dass religiöses Alltagsleben ausfällt.

In diesen Tagen feiern wir Pfingsten. Und selten habe ich mich den verängstigten Jüngern, die nicht wissen, wie es weiter gehen soll, näher gefühlt. Sie sitzen im verschlossenen Haus und haben Angst, rauszugehen. Jesus fehlt ihnen, die Gemeinschaft fehlt ihnen. Und dann kommt der Heilige Geist zu ihnen in dieses Haus:

Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt. Sie begannen, in fremden Sprachen zu reden – ganz so, wie der Geist es ihnen eingab (Apostelgeschichte 2,4).

Wie passend! Auch in Bennigsen und Lüdersen brauchen wir andere Möglichkeiten als sonst, um unseren Glauben zu leben. Vielleicht finden Sie ja eine Sprache, die zu ihnen passt. Ob beim Gottesdienst_zeitgleich, beim persönlichen Bibellesen, beim Beten mit den Kindern, beim Fernsehgottesdienst, beim Youtube-Bibliolog oder bei der gestreamten Andacht auf Facebook.

Das Internet ist dort eine wahre Fundgrube. Über Gemeindegrenzen und Kirchtürme hinweg gibt es eine Vielfalt, die, auch aus der Not geboren, etwas Pfingstliches hat. Mich tröstet das. Sie vielleicht auch?

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für alles Suchen, Probieren und vorsichtige Zurechtfinden in diesen Tagen und dem, was kommt.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pastor
Jonathan Overlach

 

 

 

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 © Overlach

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Jonathan Overlach
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