Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Gemeindebrief

Andacht

Der Lockdown-Soundtrack

„Soon may the wellerman come/ to bring us sugar and tea and rum,/ one day when the tongueing is done/ we‘ll take our leave and go.“
Bald möge das Schiff der Wellerman Company (das Versorgungsschiff) kommen und uns Zucker, Tee und Rum bringen, eines Tages, wenn die Arbeit (tongueing = das Zerlegen der Walzunge) fertig ist, werden wir heimgehen. So in etwa die Übersetzung.
Mir geht der „Wellerman-Song“ nicht mehr aus dem Kopf. Jedes Mal, wenn das Lied mir begegnet, singe ich mit. Eigentlich ist der „Wellerman-Song“ ein Seemannslied, ein Shanty, welches im 19. Jahrhundert in Neu-seeland entstand. Darin geht es um die Hoffnung auf einen Walfang und dass alles gut und glimpflich für die Wahlfänger verläuft.
Im vergangenen Winter jedoch coverte der Schotte Nathan Evans das Lied auf der Social-Media Plattform „TikTok“. Er lud ein Video davon hoch. Es war sogar nur ein Ausschnitt des gesamten Songs, aber der reichte aus, um eine Lawine loszutreten: Das Video wurde geteilt, es san-gen oder musizierten andere mit ihm mit. Menschen ergänzten ihre Stim-men dazu, die Harmonien wuchsen und wurden voller. Schnell ging es vi-ral, wurde also sehr oft geteilt und weiterverbreitet. Inmitten der Pande-mie entstand durch die gemeinsame Musik eine weltweite Gemeinschaft. Millionen von Menschen schauten sich das Video an. Es landete bei
YouTube und letztlich im Radio. Zusammen singen und musizieren gibt Lebensfreude, das weiß jede und jeder, der selbst einmal im Chor, im Or-chester oder einer Band war. Durch die sozialen Netzwerke wurde aus dem einen Sänger ein großer Chor.
In dem Lied ist davon die Rede, dass das Schiff 40 Tage unterwegs war. Die Zahl 40 spielt immer wieder eine besondere Rolle in der Bibel: Das
Volk Israel ging 40 Jahre durch die Wüste, und in Anlehnung daran war Jesus 40 Tage in der Wüste. Diese Zahl bedeutet letztlich: So lange wie ein Leben. Eine Wüstenwanderung dauert nämlich - je nach Gefühl und Situation - unterschiedlich lange.
Das Lied von der Wellerman handelt vom Warten darauf, dass es besser wird, mit mehr Zucker, Tee und Rum. Also auf Dinge, die das Leben ge-mütlich machen. Vielleicht hat das Lied auch so eine Begeisterung ent-facht, weil das vor-und-zurück des Schiffes im Lied an das Lebensgefühl im Lockdown erinnert und so überraschend aktuell war und ist.
Außerdem gibt das Lied Hoffnung, dass alle Hängepartie und alles Warten irgendwann ein Ende haben wird. Denn so wie die Reise des Walfang-schiffs und die Wüstenwanderung ihr Ende fanden, wird es auch für uns irgendwann heißen:
„one day, when the toungueing is done, we‘ll take our leave and go – wenn die Arbeit fertig ist, werden wir heimgehen.“
Denn so spricht der Herr: auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten. Jesaja 46,4.

Herzlichst
Ihr Pastor Overlach

Overlach_Jonathan
 © Overlach

Gemeindebrief von Juni bis August 2021

Gemeindebrief-Team

Jonathan Overlach
Gabriele Rose
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