Briefgottesdienst für den 01.04.2021

01. April 2021

Liebe Lesenden,

heute am Gründonnerstag erinnern wir uns ganz besonders an das letzte Zusammensein Jesu mit seinen Jüngern bevor er verhaftet, verurteilt und ans Kreuz geschlagen wurde. In unserer Gemeinde hat es auch schon Tradition diesen Gottesdienst als Tischabendmahl in der Kirche zu feiern: Zusammen essen, trinken, sich unterhalten, um dann den Abend in den Geschehnissen dieses letzten Abendmahls und die weiteren Entwicklungen im Garten Gethsemane münden zu lassen. Ich möchte Sie einladen, dies zu Hause zu tun, indem Sie diesen Briefgottesdienst im Zusammenhang mit Ihrem Abendbrot feiern. Dabei finden Sie auch die Abendmahlsworte. Der Bischofsrat unserer Landeskirche weist ausdrücklich darauf hin, dass in Notzeiten alle Christinnen und Christen das Abendmahl „einsetzen“ und feiern können. Und Notzeiten haben wir gerade. Darum nehmen Sie einfach das Brot, das Sie haben. Ein Glas Wein, Traubensaft oder auch Wasser. Und feiern Sie Abendmahl!

Anders als die Gottesdienste am Karfreitag, am Ostersonntag und am Ostermontag wird es daher diesen Gottesdienst nicht als Videoformat geben, sondern „nur“ als Mp3 auf unserer Homepage. So können Sie den Gottesdienst gemeinsam hören und sich die Einsetzungsworte zusprechen lassen. Oder Sie lesen ihn einfach für sich und mit anderen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie sich mit diesem Gottesdienst als Abendmahlsfeier im Geiste verbunden anschließen!

Ihr Pastor Richard Gnügge

Disen Gottesdienst gibt es auch zum Hören.
Vielen Dank an Anna-Lena Senk, die dazu die Lieder eingespielt hat.

Zunächst:
Das vorbereitete Abendbrot an Ihrem Tisch…
Und dann:

 

Einstimmung
Wir sind da.
Müde. Wach. Erschöpft. Voller Energie.
Uns fällt das Leben grade leicht und es fällt uns schwer.
Wir wissen viel und wir wissen nichts.
So sind wir beieinander an verschiedenen Orten.
Und alle sind wir Menschen, die Gott brauchen. So sind wir zusammen:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet
Gott, ich bin hier – du bist hier. Mehr braucht es nicht.
In Glauben und Gebet sind wir mit dir verbunden.
In Glauben, Gedanken und Gebet bin ich mit so vielen verbunden, die ich kenne. Mancher fehlt mir gerade jetzt besonders.
Sei du bei uns allen.
Lass uns deine Nähe spüren. Amen.

Lied „Wir sind hier zusammen“

Lesung aus Matthäus 26
Es war der erste Tag vom Fest der ungesäuerten Brote. Da kamen die Jünger zu Jesus und fragten: »Wo sollen wir das Passamahl für dich vorbereiten?« Jesus antwortete: »Geht in die Stadt zu einem Mann, den ich euch nenne. Richtet ihm aus: ›Der Lehrer lässt dir sagen: Die Zeit, die Gott für mich bestimmt hat, ist da. Ich will bei dir das Passamahl feiern –zusammen mit meinen Jüngern.‹« Die Jünger machten alles so, wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte. Und sie bereiteten das Passamahl vor.

Das Mahl wird vorbereitet.
Was steht bei dir auf dem Tisch?
Wer ist mit dabei.
Bei Jesus und seinen Jüngern war es ein festlicher Abend.
Der Tisch gut gedeckt. Ausdruck: Du bist es mir wert.
Die Stimmung gut. Und dann ist es soweit:
Als es Abend geworden war, ließ sich Jesus mit den zwölf Jüngern zum Essen nieder. Während sie aßen, sagte er zu ihnen: »Amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.« Die Jünger waren tief betroffen. Jeder Einzelne von ihnen fragte Jesus: »Doch nicht etwa ich, Herr?« Jesus antwortete: »Der sein Brot mit mir in die Schale taucht, der wird mich verraten. Der Menschensohn muss sterben. So ist es in der Heiligen Schrift angekündigt. Aber wehe dem Menschen, der den Menschensohn verrät. Er wäre besser nie geboren worden!« Da sagte Judas, der ihn verraten wollte, zu Jesus: »Doch nicht etwa ich, Rabbi?« Jesus antwortete: »Du sagst es!«

Da stehen sie. Die Jünger.
Auf einmal nimmt der Abend eine ganz andere Wendung.

Was soll das heute noch werden.
Wieso sagt Jesus so etwas?
Sie sind doch hier am Tisch zusammen.
Sie, die mit Jesus schon so viel erlebt haben
Was soll das noch werden?
Fragen, Zweifel.
So sitzen sie da und schauen auf ihre Hände…

Lied „Ich steh vor dir mit leeren Händen, HERR“

Gedanken zum Abend

Einen Platz am Tisch haben. Versorgt werden. Weil du es wert bist: Gast sein einmal. Sogar Judas, der Abgründige, hat seinen Platz am Tisch. Und behält ihn. Vielleicht heißt das: Auch mein Abgründiges darf heute Abend am Tisch sein. Das, was mich trennt von den anderen. Was ich an mir selbst nicht verstehe. Ich habe ein Geheimnis. Eine Wunde. Trage einen Abgrund an Bedürftigkeit in mir. Nach Leben. Nach Gnade. Das geht nicht einfach weg. Auch Judas geht ja nicht einfach weg. Das Wissen ist da, mit am Tisch: etwas Böses, das Böseste wird passieren – mit Judas, mit Jesus, mit der Welt.

Und: Jesus ist da. Und wahrscheinlich ist es deshalb möglich: Dass wir alle bleiben. Weil er uns am Tisch zusammenhält. Weil wir es wert sind. Trotz allem. Wegen allem. Jesus lässt uns Gast sein... einmal...wieder einmal… und wieder. Und plötzlich. Für einen Moment lassen wir es uns gefallen. Wir hören auf zu kämpfen. Müssen nichts mehr fassen. Nur einfach geschehen lassen. Wir tun nichts mehr, weil wir ohnehin nichts mehr tun können. Alles wird getan an diesem Tisch. Was geschieht, ist gut. Wir essen Brot und wir essen Liebe. Wir trinken Wein und wir trinken Gnade. Lassen geschehen. Lassen es uns gefallen... einmal...wieder einmal... und wieder. Alles Wichtige ist jetzt.

Lesung aus Matthäus 26
Beim Essen nahm Jesus ein Brot. Er lobte Gott und dankte ihm dafür. Dann brach er das Brot in Stücke und gab es seinen Jüngern. Er sagte: »Nehmt und esst! Das ist mein Leib.« Dann nahm er den Becher. Er dankte Gott, gab ihn seinen Jüngern und sagte: »Trinkt alle daraus! Das ist mein Blut. Es steht für den Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Mein Blut wird für die vielen vergossen werden zur Vergebung ihrer Sünden. Das sage ich euch: Ich werde von jetzt ab keinen Wein mehr trinken – bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von Neuem davon trinken werde. Das wird geschehen, wenn mein Vater sein Reich vollendet hat.«

Eine weitere Strophe:


 

Abendmahl

In Erinnerung an diesen Abend und an Jesu Worte feiern wir miteinander das Abendmahl. Gast sein einmal – auch am eigenen Tisch. Gottes Gast sein und sich von ihm bewirten lassen mit Brot und Liebe. Die Herzen weit und offen für alle, die mit uns hier sitzen oder an die wir jetzt auch über die Ferne und über die Zeiten hinweg denken.

 

Gebet
Komm, Jesus, sei du unser Gast.
Sieh, was wir bringen, wer wir sind. Sei du unser Gast und segne uns.
Mache müde Hände wieder stark, weiche Knie wieder fest.
Erhalte uns an deinem Leben. Stärke unsere Hoffnung. Sei du unser Gast und mach uns zu deinen Gästen. Wir beten, wie du es uns gezeigt hast:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Zu dem Brot, das bereit liegt, spricht jemand jetzt die Einsetzungsworte: „In der Nacht, als Jesus verraten wurde und mit seinen Jüngern zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte und brach es, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“

Gemeinsam essen wir das Brot und sprechen einander zu:
Christi Leib, für dich/für euch gegeben.
„Ebenso nahm er auch den Kelch, dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut zu meinem Gedächtnis.“

Gemeinsam trinken wir – jeder aus seinem Becher. Wir sprechen einander zu: Christi Blut, für dich vergossen.

 

Segenswort
Zu nehmen vom Brot des Lebens und zu trinken vom Kelch des Heils, das stärke und bewahre uns/dich/mich im Glauben zum ewigen Leben im Frieden unseres Gottes.

 

Dankgebet und Fürbitte
Unser Abendgebet steige auf zu dir, Herr, und es neige sich zu uns herab dein Erbarmen. Dein ist der Tag und dein ist die Nacht. Hab Dank, Gott, für deine Nähe. Hab Dank für Leben und Heil. Hab Dank für deine Kraft in Brot und Wein. Bleibe bei uns mit deiner Gnade und Güte, mit deinem heiligen Wort und Sakrament, mit deinem Trost und Segen. Bleibe bei uns, wenn Trübsal und Angst über uns kommen, die Nacht des Zweifels und der Anfechtung.
Bleibe bei / Bleibe bei uns, wenn....
(für die Menschen oder Situationen, an die du gerade besonders denkst, die Gottes Nähe gerade besonders brauchen)
Bleibe bei uns und allen deinen Kindern. Jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Lied: „Go gently, Go Lightly”