Briefgottesdienst für den 02.04.2021

02. April 2021

Liebe Lesenden,

ein stiller Tag ist der Karfreitag.
Still wird es auch in unserer Kirche sein.
Still werden die Glocken bis zum Ostermorgen bleiben. Nur um 15 Uhr zur Todesstunde Jesu wird eine Glocke 15 Minuten läuten.
Kein Gottesdienst. Aber ein Briefgottesdienst. Sie können ihn auch als Video sehen.

Ich grüße Sie herzlich,
Ihr Pastor Richard Gnügge

Ein großer Dank gilt an dieser Stelle Jens Ramhorst und Thomas Sachs für die Filmaufnahmen und Jens Ramhorst für die Bearbeitung sowie Thomas Wemheuer-Linkhof für die Musik.

Lied: „In einer fernen Zeit“

Stille & Entzünden einer Kerze

(Zünden Sie eine Kerze bei sich zu Hause an)

 

 

Votum und Begrüßung

Still ist dieser Tag.

Still beginnen wir auch diesen Gottesdienst. Wo auch immer wir sind.

Die Glocken schweigen und werden heute erst zur Todesstunde um 15 Uhr eine Viertelstunde läuten. Die Orgel schweigt und wird heute nur die Lieder begleiten.

Der Karfreitag. Ein stiller Tag?!

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16)

Dies sind Worte des Glaubens.

Und dies sind die Worte, die über einem jeden Karfreitag stehen.

So sind wir verbunden im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Gebet
Jesus Christus, dein Kreuz:
ein Zeichen der Not, Zeichen des Unrechts, Zeichen des Todes.
Und doch ist es nicht das Ende des Weges.
Es wird uns zum Zeichen der Hoffnung, weil du lebst und wirkst in Ewigkeit.
Denn das soll es uns sein: Ein Zeichen deines Erbarmens und der Hoffnung für uns.
Lass uns uns daran immer wieder erinnern und festhalten!
Amen

Impuls „Karfreitag“
Karfreitag ein Tag zum Vergessen?
Für all die, die die Stille dieses Tages nicht aushalten.
Für all die, denen dieser Tag ein Ärgernis ist.
Für all die, die das Kreuz nur als Geißel und Folterinstrument verstehen…
Karfreitag ein Tag zum Vergessen!
Für andere:
Karfreitag – ein Tag der Stille.
Karfreitag – ein Tag des Innehaltens.
Einmal im Jahr
- es aushalten.
Und innewerden:
Was mich von meinen Mitmenschen trennt.
Was mich davon abhält, das Leben zu führen, das gut ist.
Für mich. Für andere.
Was mich von der Schöpfung entfremdet.
Was mich trennt von Gott.
Was mich schuldig werden lässt.
Karfreitag – ein Tag der Stille.
Karfreitag – ein Tag des Innehaltens.
Für uns. Für mich.
Karfreitag.
Ein Tag der Grenzerfahrung.
Ein Tag der Stille.
Ein Tag zum Inne halten.
Karfreitag: Der Tag des Kreuzes.

Lied „Holz auf Jesu Schulter“ EG 97,1-2

Evangelium Johannes 19,17-30

Und Jesus trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll.

So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied. Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag –, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde (2. Mose 12,46): »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.« Und ein anderes Schriftwort sagt (Sacharja 12,10): »Sie werden auf den sehen, den sie durchbohrt haben.«

Ausblasen der Kerze
Stille

 

Impuls „Das Kreuz“
Das Kreuz des Karfreitages. Hier steht es. Warum aber das Kreuz?
Als Christinnen und Christen schauen wir immer schon von Ostern her auf das Kreuz. Anders wäre es auch kaum auszuhalten. Aber darum können wir auch sagen: Hier ist der Ort, an dem wir Leid, Sorgen, Zweifel und alles, was das Leben dunkel und angegriffen macht, abladen oder besser gesagt anschlagen können. An dem Kreuz Jesu. Denn es steht dafür, dass kein Leid, kein Schrei, keine Verzweiflung ohne Gott ist.

Darum: Das Kreuz steht hier. Und ich möchte symbolisch drei Nägel einschlagen:

Der erste Nagel:
Er steht für die gebrochenen Herzen.
Er steht für die Lieblosigkeit.
Die Lieblosigkeit, die ich gegenüber anderen übe.
Die Lieblosigkeit, die ich erfahre und die mich trifft.
Die Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit dieser Welt.