Briefgottesdienst für den 05.04.2021

05. April 2021

Liebe Lesenden,

eigentlich hätten wir heute am Ostermontag einen regionalen Gottesdienst in der Nikolaikirche in Hiddestorf feiern wollen.

Das ist leider nicht möglich.

Aber wir möchten Ihnen auf diesem Weg einen Briefgottesdienst zukommen lassen. Sie finden diesen auch als Videogottesdienst auf der Homepage der Ev.-luth. Nikolaikirchengemeinde zu Hiddestorf und Ohlendorf: www.kirche-hiddestorf.de.
Ich wünsche Ihnen einen frohen Ostermontag und grüße Sie herzlich,

Ihr Pastor Richard Gnügge

Ein großer Dank gilt an dieser Stelle Jens Ramhorst und Thomas Sachs für die Filmaufnahmen und Jens Ramhorst für die Bearbeitung sowie Anna-Lena Senk für die Musik.

 

Musik

Einstimmung
Der Tag nach Ostern.
Mit welchen Stimmungen und Gefühlen Sie ihn wohl erleben?
Der dreifache Ostergruß hallt noch nach:
Der HERR ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!
Der HERR ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!
Der HERR ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!
Und so feiern wir Gottesdienst. Wo wir auch sind. Mit wem. Wie.
Und wissen uns verbunden durch den auferstandenen Jesus Christus.
So feiern wir Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Gebet
Gott,
du hast deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus vom Tod erweckt.
Wir bitten dich: wecke Hoffnung in uns, die trägt.
Überwinde unsere Zweifel und unsere Sorgen.
Erschließe uns den Weg zum Leben – immer wieder neu –
Durch das Wort des Auferstandenen,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft in Ewigkeit.
Amen

Lied „Ein Licht geht auf in der Finsternis“

Predigttext aus Jesaja 25,8-9

8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt.

9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

 

Predigt
Liebe Gemeinde, liebe Lesenden,
diese Worte des Propheten Jesaja: Sie drücken Hoffnung aus – noch vor Christus – auf einen neuen Zustand, den Gott herbeiführen wird:

8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt. (Jesaja 25,8-9)

 

Der Tod wird verschlungen sein. Und heute am Ostermontag, ein Tag nach dem Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, seinem Sieg über den Tod – ja, da erklingen diese Worte der Hoffnung doch noch einmal in einem neuen und anderen Licht.

Der Tod ist vergangen: Das ist die christliche Hoffnung, die Ostern ausdrückt. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Eine Aussage des Glaubens und des Vertrauens!

9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

Zwei Verse sind es nur, doch es sind Verse voll von Hoffnung und von Jubel und Freude über das, was Gott Großes getan hat, tut und tun wird.

Und jetzt, jetzt sind wir nicht mehr wie der Prophet in der Zeit vor Christus, nein, sondern wir sind die Gemeinde nach, von und mit Jesus Christus.

Ist es also an der Zeit diesen Jubelruf, der bei Jesaja schon anklang, nun voll zu entfalten? Ihn ganz in die Gegenwart zu holen? Als ein Jubelruf nach Ostern?

Dann könnte er so lauten:

Er hat den Tod verschlungen auf ewig. Und Gott der HERR hat die Tränen von allen Angesichtern abgewischt und hat aufgehoben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt.

Deshalb rufen wir nun: „Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hoffen, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hoffen; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.“

Ein Jubelruf darüber, dass nun alles gut ist?!

 

Doch schaue ich in und auf unsere Welt, und wir müssen ja nur die Nachrichten hören, lesen oder sehen, da mag mir dieser Jubelruf fast schon wieder in der Kehle stecken bleiben bevor ich ihn angestimmt habe.

Schauen wir in die Welt - da können wir doch auch anfangen zu denken angesichts dieser Worte des Propheten Jesaja: Nein, das ist noch nicht alles gut. Es ist noch nicht Präsens. Es ist oft noch nicht einmal mehr das Futur des Jesaja?!

Diese Hoffnung, die diese Verse ausdrücken. Und dieser neue Zustand der Welt, nein, oft können wir sie in unserer Welt nicht sehen. Immer wieder zieht es uns eher in Richtung Karfreitag zurück. Tränen: Tod, Leid, Geschrei, Schmerz – und Vieles andere Schwere mehr; ja es ist noch da, es ist noch nicht vergangen.

Also selbst heute am Ostermontag doch eher mehr Karfreitag als Ostern?

Und: Schon wieder Karfreitag, so mögen Sie da vielleicht auch fragen und einwenden wollen?

Jesaja: Er beschreibt die Vision, wie es sein wird, das anbrechende Gottesreich. Und es legte sich den Generationen vor uns nahe, diese Verse, in denen vom überwundenen Tod die Rede ist, auf Ostern zu beziehen. Ostern, Überwindung des Todes?! Es wird verheißen – Der Tod ist verschlungen auf ewig.

Und doch: Wir sterben noch. Der Tod ist uns ständiger Begleiter. Oft läuten die Totenglocken in unseren Wohnorten. Und die Friedhöfe sind nicht leer.

Der Tod ist verschlungen auf ewig. Aber ist es nicht immer noch andersherum: verschlingt nicht der Tod uns. Was machen wir damit?

Und es wird verheißen: Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen… Und doch: Es gibt doch noch Tränen.

Tränen, sie stehen für Leid, Kummer, Schmerz, Enttäuschungen, Angst und Vieles mehr. Und wenn wir uns umgucken. Es gibt noch viele Tränen in unserer Welt – ja, auch in unserem Leben:

Schwere Krankheiten lassen uns weinen – von einem selbst, von einem geliebten Menschen, von Kindern; und halten uns und die Welt derzeit im Bann.

Enttäuschungen schmerzen und treiben die Tränen in die Augen –sei es aus Wut, sei es aus zutiefst empfundener Verletzung.

Angst macht sich immer wieder breit – vor der Zukunft, vor dem Älterwerden, vor dem, was noch kommen mag. Ja, an Tränen fehlt es nicht…

Was machen wir damit?

Wir schaffen es immer noch nicht, die Probleme dieser Welt friedlich zu lösen. Wir schaffen es immer noch nicht, dass für alle Menschen gelten kann: Und siehe, es ist sehr gut. Was machen wir damit? Die Prophezeiung des Jesaja, die wir als Christen doch eigentlich an Ostern als erfüllt anzusehen gewohnt sind – dann also doch nur April, April?! Dagegen aber steht Ostern.

Ostern, in dessen Licht wir auch heute: da feiern wir doch: Gott hat den Tod überwunden. Jesus lebt! Er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!

Das ist doch unser Glaube! Und das will und soll, ja, muss doch unsere Hoffnung sein!

Ostern steht dafür: Gott sagt JA zum Leben. Er sagt JA zu unserem Leben.

Ostern, das sagt doch: Gottes Licht scheint immer – überall – jederzeit – in Ewigkeit. Licht bricht sich Bahn, wie wenn eine Wand durchbrochen wird.

Wie wenn am Morgen die Sonne aufgeht.

Wie wenn in stockdunkler Nacht ein Licht angesteckt wird.

Ostern sagt doch JA zu dieser Verheißung des Jesaja, Ostern sagt doch: Er hat den Tod verschlungen auf ewig. Und Gott der HERR hat die Tränen von allen Angesichtern abgewischt und hat aufgehoben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt.  - und er hat´s auch getan.

Wie gehen wir nun aber mit dieser Verheißung des Jesaja um? Und wie gehen wir mit diesem Beiden um? Karfreitag und Ostern.

Karfreitag – der steht doch dafür, dass das Dunkel in dieser Welt doch noch nicht überwunden ist.

Karfreitag – das ist immer noch ein Tag der Zumutung, und, ja, auch der Überforderung…

Karfreitag – den sehen wir doch immer wieder in unserem Leben und in dieser Welt.

Und dagegen Ostern – das Licht bricht in diese Welt ein. Es überwindet das Dunkel. Es bricht an in unserer Welt.  

Ostern– das ist ein Tag der Hoffnung. Ein Tag der Zusage von Gottes Liebe zu uns.

Ostern - ja, können wir das nicht auch in unserem Leben sehen?

Wie gehen wir nun mit diesem Beiden um: Karfreitag und Ostern.

Oder sollten wir besser sagen:

Karfreitag oder Ostern. Denn das ist doch die eigentliche Spannung, die sich hier aufbaut. Karfreitag oder Ostern?

Wie kann eine Lösung für diese Spannung, für diese Frage aussehen?

Sie sehen auf der Vorderseite dieses Briefgottesdienstes etwas, das den Weg zu einer möglichen Antwort vielleicht verdeutlichen kann, was ein Bild für eine mögliche Antwort auf die Frage „Karfreitag oder Ostern“ sein kann: ein sogenanntes Auferstehungskreuz.

Das Kreuz, wie Sie es auf der Vorderseite abgedruckt sehen können: Es wir durchlässig. Es scheint Licht hindurch. Der Gekreuzigte ist vom Kreuz gelöst.

Aber er liegt nicht im Grab, sondern er steht davor – mit ausgebreiteten Armen – Ostern. Dieses Kreuz es bildet also auch und doch ab: Karfreitag und Ostern.

Denn das Kreuz, es ist eben noch da. Es steht im Hintergrund. Groß und eindeutig.

Aber davor steht eine Figur – symbolisch für den auferstandenen Christus.

Beides steht zusammen.

Und wenn wir es dann noch ein wenig wenden wird deutlich: es gibt nicht nur das Kreuz, Karfreitag, und den Auferstandenen, Ostern, sondern es gibt auch noch ein Drittes: ein Dazwischen. Und vielleicht ist es das: Das Dazwischen.

Vielleicht ist es das: Wir leben hier und heute noch im Dazwischen. Wir leben mit und im Karfreitag und wir leben mit und im Licht von Ostern.

Im Schon – und im noch nicht.

Schon ist Christus vom Kreuz gelöst. Schon ist er auferstanden von den Toten. Schon ist Ostern geschehen.

Und doch stehen wir auch noch in der und unter der Verheißung: es wird auch ein Ostern für uns geben.

Aber: Noch sind nicht alle Tränen abgewischt, noch gibt es Tod, Leid, Geschrei, Schmerz…

Dazwischen:

Wir leben im Schon, im Licht von Ostern. In Gottes Verheißung, im Wort Christi: Ich bin das Licht der Welt und wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben (Joh 8).

Wir leben schon in der Zusage Gottes zu unserem Leben und zu einem Leben über den Tod hinaus.

Und doch leben wir auch im NOCH NICHT, denn noch leben wir in der Verheißung, dass dies erst noch so kommen wird und noch nicht in der Erfüllung.

Und das verdeutlicht dieses Auferstehungskreuz doch:

Wir stehen, wir leben dazwischen.

Zwischen dem Kreuz von Karfreitag, das aber – und das ist sogar noch ein weiterer Punkt, den dieses Kreuz abbildet – das aber schon leer ist.

Und zwischen dem Auferstandenen, der auf uns mit ausgebreiteten Armen wartet.

Wir leben dazwischen.

In der Verheißung, aber eben auch mit der berechtigten Hoffnung, dass sich diese Hoffnung erfüllen wird.

So können wir in diesem Dazwischen auch immer wieder den Osterruf, das Osterlob anstimmen:

Jesus lebt – und mit ihm werden auch wir leben!

Amen.

Lied „Anker in der Zeit“

Gebet
Gott,
wir leben im Hier und Noch nicht.
Wir vertrauen dir, aber sehen noch nicht.
Wir hoffen auf dich, aber sehen noch nicht.
Wir glauben an dich, aber wir sehen noch nicht.
Unser Leben ist ein Dazwischen.
Zwischen Hellem und Frohem.
Zwischen Trauer und Freude.
Zwischen Sorgen und Leichtigkeit.
Wir bitten dich, Gott,
lass uns leben im Vertrauen auf dich.
Als wäre es wahr.
Als wäre es schon Wirklichkeit.
Du mit uns und wir mit dir!
Wir bitten dich Gott,
hilf uns in diesen Zeiten.
Hilf und den Mut und die Hoffnung nicht zu verlieren.
Wir halten einen Moment inne und sagen dir, was uns heute ganz persönlich bewegt; an wen wir denken, wofür wir dankbar sind….

 

Gott, wir beten zu dir:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe! wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen (sich gegenseitig zusprechend:)
Der Herr segne dich und behüte dich!Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und verleihe dir Frieden.
Amen
 

Lied „Wir wollen alle fröhlich sein“ (mit Zimbelstern )