Briefgottesdienst für den 21.03.2021

21. März 2021

Liebe Lesenden,

wir schicken Ihnen wieder einen Briefgottesdienst.
Diesen Gottesdienst hat Pastorin Stefanie Neuenfeldt für uns geschrieben. Dafür unseren herzlichen Dank. Sie wird ihn an diesem Sonntag in der Kirche feiern, unterstützt von Ihrem Sohn, der die Lieder des Sonntags (einige mehr als hier abgedruckt) singen wird.
Den heutigen Gottesdienst feiern wir um 10 Uhr in kleinster Zahl in der Kirche. Sie können sich unter kghiddestorf.gottesdienst-besuchen.de auch noch für diesen oder den Gottesdienst am kommenden Sonntag, den 28.03.21 anmelden. Oder Sie nutzen dazu diesen QR-Code:

Ich wünsche Ihnen Gottes guten Segen und bleiben Sie bewahrt,

Ihr Pastor Richard Gnügge

 

P.S. Die Gottesdienste der Karwoche und der Ostertage werden nicht wie geplant in Präsenz gefeiert werden. Es wird jedoch einen Spaziergang zur Karwoche und zu Ostern sowie Gottesdienste im Videoformat geben. Weitere Informationen schicken wir Ihnen mit dem kommenden Briefgottesdienst.
 

LIED „Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten“

Predigt
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.
Amen.

Liebe Gemeinde!
Anfang letzten Jahres schien die Welt noch in Ordnung. China war weit weg, ebenso das Coronavirus. Mit etwas Glück würden wir davon verschont in Europa, ein hehrer Wunsch, doch so war es nicht. Das Virus, erst kam es nach Europa, dann nach Deutschland, Anfang März war es dann auch in Niedersachsen angelangt. Und spätestens seitdem war alles anders: Am 13. März wurde verkündet, dass die Schulen von nun an geschlossen seien, vorgezogene Osterferien. Es folgte der erste harte Lockdown, Ostern ohne Gottesdienste, ohne die Familie. Alles war anders, so vieles ist es immer noch. Gefühlt befinden wir uns seit einem Jahr in der Passionszeit, die lediglich in den Sommermonaten unterbrochen wurde, Dank der Sonne und der Wärme. Es mutete beinahe fast schon wieder normal an, hatten wir uns an das Listen ausfüllen, das Abstand halten und das Maske tragen doch schon gewöhnt. Doch kam der Herbst, die Prognosen wurden wieder düsterer, im November der leichte, ab Mitte Dezember der zweite harte Lockdown, der im Prinzip immer noch andauert, auch wenn es zum Glück einige und mehrere Lockerungen gibt. -  Passionszeit, gefühlt seit einem Jahr, so vieles, an dem wir leiden, das uns so manches abverlangt: Kontaktbeschränkungen, fünf Leute aus maximal zwei Haushalten oder doch nur eine weitere Person, je nach Inzidenzwert, Homeschooling, wahrlich kein Spaß, Homeoffice, das nur diejenigen toll finden, die es nicht seit einem Jahr ausüben müssen, Kurzarbeit, die Sorge um den Arbeitsplatz, finanzielle Nöte, die Sorge um die Familie, die Freunde, die Kinder, denen der geregelte Alltag fehlt. Kein Chor, kein Sportverein, kein Beisammensein. So vieles fehlt, so viele leiden unter den gegenwärtigen Gegebenheiten, der Einsamkeit, der Isolation.
- Da passt der heutige Predigttext beinahe perfekt, so als wäre er in diese heutige Zeit geradezu hineingeschrieben worden.
Im Mittelpunkt Hiob, das Idealbild eines glaubenden Menschen, in Gedanken, Worten und Taten. Und eben dieser Mensch, Vater mehrerer Kinder, glücklich, reich und gesund, stürzt in das elendigste Elend: Er verliert all seinen Besitz, alle seine Kinder sterben, er selbst wird schwer krank. 
Doch kann ihn anfangs nichts davon abhalten, diese Schicksalsschläge stoisch hinzunehmen, sagt er doch: „Der Herr hat`s gegeben, der Herr hat`s genommen; der Name des Herrn sei gelobt.“ Und an anderer Stelle: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ Dann kommen ihn seine drei Freunde besuchen, um ihm beizustehen. Und sie saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war. - So weit, so gut. Doch dann geschieht etwas, das nicht benannt wird, jedoch zur Konsequenz hat, dass Hiob beginnt zu klagen, ohne Wenn und Aber, als gäbe es kein Morgen: So verflucht er u.a. den Tag seiner Geburt und wünscht sich tot zu sein. In unzähligen Kapiteln klagt Hiob nun also und seine Freunde versuchen ihm jeweils eine Antwort für das erlittene Leid zu geben, doch jeden dieser Antwortversuche lehnt Hiob vehement mit dem Hinweis darauf ab, dass er sich wirklich nichts zu Schulden habe kommen lassen, was defacto auch so ist.

So klagt Hiob weiter, wie auch im heutigen Predigttext: Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich liebhatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon.  Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach, dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach, dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.
– So klagt er, kapitelweise, redundant zu lesen. Aber bei all dem hält er an Gott, fest, „ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Und wer sich an Gott wendet, wenn auch nur in der Klage, der hält noch an ihm fest, nimmt ihn in die Pflicht, sieht in ihm noch sein Gegenüber. Klagen ist erlaubt, war doch auch Jesus nicht frei davon. Bitten und Flehen hat er mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte. Oder in Ps 22, „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Der Klageschrei schlechthin. Und doch ein Klageschrei mit Anrede, Gott wird in die Pflicht genommen. Und so lässt sich manches aushalten, in dem Wissen, dass er da ist, immer noch, auch wenn er augenscheinlich so weit weg erscheint. Denn was wäre die Alternative? Sich lossagen von ihm, was bleibt dann außer einer allumfassenden Trost – und Hoffnungslosigkeit? Nichts! So ist der Glaube eben wirklich eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Jesus nimmt Gott in die Pflicht und ist letztlich erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden. - Jesus setzt sein Leben ein, um die Menschen freizukaufen, denn der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, dies gilt für Hiob, gilt für uns, gerade in der dunklen Passionszeit. – Hiob hält an Gott fest, verlangt eine Erklärung von ihm, weicht keinen Millimeter davon ab. Immer und immer wieder pocht er darauf. Und dann geschieht wirklich das schier Unmögliche, Unfassbare. Gott selbst redet mit Hiob in den beiden Gottesreden, spricht zu ihm aus dem Sturm, aber ganz anders als gedacht und erwartet, setzt er sich doch nicht mit den Argumenten Hiobs auseinander, sondern stellt stattdessen seine Ordnung vor. „Wo warst du, als ich die Erde gründete? Hast du zu deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt? Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen und auf dem Grund der Tiefe gewandelt? Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des Orion auflösen? Kannst du die Sterne des Tierkreises aufgehen lassen zur rechten Zeit oder die Bärin samt ihren Jungen heraufführen? Kannst du den Leviatan am Haken ziehen und sein Maul mit einem Strick niederhalten?“
- Und Hiob, was macht Hiob, wie reagiert er? Diese Reden Gottes, die keine Antwort darauf geben, warum er all dies Leid erfahren muss, trösten und helfen ihm tatsächlich, sind genug. „Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Darum hab ich ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.“ – Das reicht, das reicht Hiob. Gott, der ganz Andere, nimmt sich Zeit für ihn, das einzelne Geschöpf, von dem es zig Millionen auf der Erde gibt, wendet sich ihm zu, von Angesicht zu Angesicht, denn Hiob ist wichtig, ist ihm wichtig. Gott ist nicht mehr fern und weit weg, im Gegenteil, er ist da, ganz nah. Mehr kann Hiob nicht erwarten, mehr geht nicht, denn Gott ist da, wahrhaftig, für ihn. Und mit einem Mal ist alles gut, für Hiob, und hoffentlich dereinst auch für uns. Hiob hat sein Leid überwunden, Jesus hat dem Tod seinen Stachel genommen. Das Tal der Tränen ist noch da, das Dunkel der Passionszeit, das Dunkel dieser Pandemie gegenwärtig, Ostern ist noch nicht. Aber wir wissen, dass es kommt, kommen wird, unaufhaltsam, unbedingt. Irgendwann wird diese Pandemie vorbei sein oder zumindest ihren Schrecken verloren haben, wird händelbar geworden sein. Die Schnelltests, die Impfungen, sind sie der Silberstreif am Horizont, der Durchbrauch? Das wissen wir nicht, noch nicht, aber was wir wissen, ist, dass wir Gott in die Pflicht nehmen dürfen, dass er da ist, für uns, trotz allem, für immer, dass er unser Klagen aushält, unsere Klagen hört, denn das Zeichen der Hoffnung steht da. Aufgerichtet in einem Kreuz, das oben und unten verbindet, unwiderruflich und ein für alle Mal.
Amen.

LIED „Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha“

Fürbitten
Barmherziger Gott,
die Liebe, die Du uns mit Jesus Christus anbietest, ist und bleibt Dein letztes Wort. Wir können uns darauf verlassen, uns darin bergen, denn Du hast Dich entschieden für uns, damals, heute, morgen. Auch in diesen unnatürlichen Zeiten stehst Du da mit offenen Armen, damit wir gewärmt werden, wenn wir innerlich zu erfrieren drohen. Du kennst uns besser als wir uns selbst, Du weißt, wie es in uns aussieht, wir brauchen dafür keine großen Worte. Dafür danken wir Dir und wollen dabei aber nicht die vergessen, die sich schwer tun mit ihrem Leben, denen vieles aus den Händen gleitet. So sei bei denen, die Dich dringend brauchen, dass sie die Hoffnung nicht verlieren, die Traurigkeit durchbrochen wird. Sei nahe denen, die verzweifelt sind, für die es keinen Ausweg zu geben scheint, die blind vor Tränen durchs Leben gehen. Sei Du selbst ihr Licht, dass sie den Weg wiedersehen, neue Möglichkeiten erkennen. Vater im Himmel, wir brauchen Dich so sehr und über alle Maßen, damit die Trostlosigkeit, das augenscheinlich Unüberwindbare uns nicht beherrschen, bist Du doch der Eine, der Einzige.
So manches beschwert auch uns und unser Herz, lässt uns verzagen, doch dir können wir es anvertrauen, Du hältst das aus, bei Dir ist es gut aufgehoben, auch jetzt in der Stille.
Du bist da, bei uns, an jedem neuen Morgen, das tröstet ungemein, gibt Zuversicht und Lebensmut, wir beten gemeinsam:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

 

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.