Das andere Kreuz

Seit Anfang Februar bin ich der neue Pastor der St.-Petri-Kirchengemeinde im Ortsteil Rethen. Zur Einführung hat mir eine Freundin ein Lichtkreuz geschenkt. Es besteht aus vier Holzteilen mit hellen und dunklen Schichten. In den Zwischenräumen erscheint bei Gegenlicht ein Kreuz, das in einem milden Orangeton leuchtet.

Dieses Lichtkreuz ist für mich zu einem starken Symbol geworden: Die hellen und dunklen Schichten im Holz stehen für die Gegensätze des Lebens, die guten und die schweren Zeiten, die Erfolge und die Fehlschläge. Aber zwischen den Holzteilen, mitten in diesem Leben, erscheint ein Kreuz.

Es ist kein Kreuz, das sich deutlich von seiner Umgebung abhebt: Oben auf einer Kirchturmspitze, auf dem Altar von St. Petri oder an der Wand eines Krankenzimmers. Dieses Kreuz ist schnell zu übersehen: Es fügt sich völlig in seine Umgebung ein, es ist zurückhaltend – und trotzdem kraftvoll und verbindend!

Das fasziniert mich an diesen Lichtkreuz am meisten: Dass es mir hilft, mein Leben in einem anderen Licht zu sehen. Indem es mich herausfordert, die Perspektive zu wechseln, einen neuen Standpunkt zu finden. Damit sich die Bruchstücke zusammenfügen, die hellen und dunklen Schichten meines Lebens.

Als ich dies schreibe, steht das Lichtkreuz vor mir auf dem Schreibtisch – und leuchtet nicht. Aber wenn ich jetzt gleich aufstehe und um meinen Schreibtisch herumgehe, fällt das Sonnenlicht hindurch. Und erinnert mich daran: Gott ist da, mittendrin.

Pastor Jens Wening

Das andere Kreuz

j.wening