Sonntagsgruß zu Judika, 29. März

Nachricht 26. März 2020
Trinitatis-Hemmingen - 29.03.2020:

Gruß für den Sonntag Judika, 29. März 2020

Liebe Gemeinde!
Unheimlich muss dem Propheten Jona im Bauch des Fisches zumute gewesen sein. Er wird im vollkomme-
nen Dunkeln gesessen haben. Jedes Geräusch erzeugte einen dumpfen Nachhall: Das Herzklopfen, das
Öffnen und Schließen der Kiemen, aber auch das Tosen der Wellen und das Wüten des Sturmes.
Der Prophet hat sich selbst in diese Lage gebracht. Gott gab ihm den Auftrag,
nach Ninive zu gehen. Er sollte die Menschen dort warnen, weil sie großes Un-
heil anrichteten. Aber Jona wollte seiner Berufung nicht gerecht werden und
versuchte, vor Gott davonzulaufen. Er heuerte auf einem Schiff an, das ans
Ende der Welt fuhr.
Doch mitten auf dem Meer brach ein Orkan los, das Schiff drohte unterzugehen.
Die Seeleute beteten, nur Jona weigerte sich, Gott anzurufen. Zuletzt gab er zu:
„Es ist alles meine Schuld! Werft mich über Bord, dann hört der Sturm sicher
auf!“ Vor lauter Sorge zu ertrinken warfen die Seeleute ihn ins Meer. Er wurde
dann von einem großen Fisch verschlungen. Seine Dickköpfigkeit führte den
Propheten direkt in die Katastrophe.
Ich finde es erstaunlich, dass Jona mitten in Todesgefahr ein Danklied an-
stimmte:
In meiner Not rief ich zu dir, Lebendiger,
und du hast mir geantwortet.
Aus der Tiefe der Totenwelt schrie ich zu dir,
und du hast meinen Hilfeschrei vernommen.
Ich will dir danken, Lebendiger,
Denn du bist mein Retter.
Dieter Schütz / pixelio.de
Offensichtlich begriff der Prophet, dass Gott ihm mitten im Sturm einen Schutzraum eingerichtet hat. Der
Fischbauch sollte nicht zum Grab werden, sondern ihn in der Gefahr schützen. Sollen die Todeskräfte auch
wüten und toben, Gott hält segnend seine Hand über Jona. Nur eine kurze Zeit, drei Tage, musste der Pro-
phet im Dunkeln ausharren, dann wurde er gerettet. Der Fisch spuckte ihn an Land.
Unheimlich wird auch vielen von uns zumute sein. Das Coronavirus breitet sich aus, immer mehr Menschen
haben sich bereits infiziert. Nahezu das ganze öffentliche Leben liegt lahm. Alle Veranstaltungen fallen aus,
selbst Gottesdienste dürfen wir zurzeit nicht feiern. Wir werden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Einige
haben sich in häusliche Quarantäne begeben und dürfen ihre vier Wände überhaupt nicht mehr verlassen.
So sitzen nun viele von uns in ihren Stuben gefangen.
Welche Gedanken und Gefühle gehen dabei durch den Kopf? Vielleicht Sorge und Angst? Werden meine Lie-
ben gesund bleiben? Wie lange soll dieser Shutdown anhalten? Wird die Wirtschaft wieder in Gang kommen?
Nicht allen fällt es leicht, während eines solch langen Zeitraums in der Wohnung zu bleiben. Home-Office und
Home-Schooling müssen koordiniert werden. Die Kinder wollen bei Laune gehalten werden. Manchmal bricht
ein Streit aus. Einsamkeit legt sich auf das Gemüt.
Da hilft es, sich an den Propheten Jona zu erinnern. Wie er sitzen wir in einem Schutzraum und warten, dass
das Wüten des Sturmes nachlässt. Es ist kein aussichtloses Warten. Wir können noch nicht absehen, wann
es weiter geht. Aber es wird weiter gehen. Wie Jona seinen Fisch, so werden auch wir unsere Wohnungen
wieder verlassen.
Wie leicht fällt es uns, mitten in dem Schutzraum ein Lied zu singen? Vielleicht dieses von Fritz Baltruweit?

1. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst,
mit der du lebst.
Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst.
Mit ihr lebst du.
2. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort,
von dem du lebst.
Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort,
von ihm lebst du.
3. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag,
für den du lebst.
Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag.
Für ihn lebst du.

Auch in unserem Schutzraum können wir Gottes Segen erfahren. Wenn wir genau hinschauen, dann erken-
nen wir dieses.
Ich habe in den letzten Tagen mit älteren Menschen telefoniert. Immer wieder haben diese mir berichtet, dass
ihnen viel Solidarität entgegengebracht wird. Nachbarn rufen an und fragen nach: „Wie geht es ihnen? Kom-
men Sie gut durch die Zeit?“ Andere bieten Unterstützung an: „Sollen wir Ihnen etwas vom Supermarkt mit-
bringen?“ Nachbarn singen von Balon zu Terrasse gemeinsam ein Lied. Einige gründen eine WhatsApp-
Gebetsgruppe. Sie verabreden sich und sind dann über ihr Smartphone verbunden, um gemeinsam zu beten.
Gerade in dieser Krise zeigen Menschen ihr Mitgefühl und ihre Solidarität. Auch auf diese Weise schenkt Gott
uns seinen Segen.
Mich beeindrucken die Menschen, die in diesen Tagen im Gesundheitswesen arbeiten, die Schwestern und
Pfleger, die Ärztinnen und Ärzte, die Raumpflege. Auch die Menschen, die uns Lebensmittel und Medikamen-
te verkaufen, die Polizei und die Feuerwehr, die Müllabfuhr und viele andere Menschen. Sie sind die Heldin-
nen und Helden dieser Tage, denn sie ermöglichen es uns, dass wir uns zurückziehen können und in unseren
Wohnungen geschützt sind.
Zurzeit läuten jeden Abend um 19 Uhr unsere Kirchenglocken. Sie laden zum Gebet ein und zugleich drücken
wir so unseren Dank für die Menschen aus, die den Laden am Laufen halten.
Wir von Pfarramt, Pastorin Ulrike Budke-Grüneklee, Pastorin Elisabet Heyde, die zurzeit Vertretungsdienste in
unserer Gemeinde übernimmt, und ich, Pastor Peter Beyger, stehen Ihnen für seelsorgliche Gespräche gerne
telefonisch zur Verfügung. Rufen sie uns einfach an.
Seit Anfang Februar arbeitet Jana Thiel als Jugenddiakonin in unserer Kirchenregion. Sie organisiert einen
Einkaufservice. Wenn Sie sich hier über Unterstützung freuen, dann rufen Sie bitte bei Jana Thiel
(01520/5203523, Mo.-Do. 10 bis 16 Uhr und Fr. 10 bis 14 Uhr) an.
Zu anderen Zeiten gehen viele von uns in eine Kirche, um dort am Gebetsleuchter eine Kerze anzuzünden.
Selbst das ist in diesen Zeiten nicht möglich. Wenn Sie möchten, dann zünde ich für Sie am nächsten Sonn-
tag eine Kerze in unserer Kirche an. Werfen Sie mir eine Notiz in den Briefkasten, sprechen Sie mir Ihr Ge-
betsanliegen auf den Anrufbeantworter oder schreiben Sie mir eine Mail. Wenn dann an diesem Sonntag kurz
vor zehn Uhr die Glocken läuten, dann können Sie sicher sein, dass ich für Sie in der Kirche ein Licht entzün-
de.
Liebe Gemeinde!
Schauen Sie doch bitte noch einmal auf das Kirchenfenster und betrachten sie die Hände. Gottes Hand spen-
det den Segen. Gerade in Krisenzeiten können wir auf Gottes Segen trauen. Er lässt uns nicht allein, sondern
schenkt uns Kraft und Glaubensstärke, Humor und Mitmenschlichkeit, auch eine gute Spur Gewitztheit. So
brauchen wir uns in den Stürmen dieser Welt nicht fürchten.
Bleiben Sie behütet und halten Sie sich munter.

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Trinitatis-Kirchengemeinde -Kirche -Gemeindezentrum -Büro
Kirchdamm 4
30966 Hemmingen
Tel.: 0511 42 52 78

Pastor Peter Beyger
Kirchdamm 4
30966 Hemmingen
Tel.: 0511 429312