Sonntagsgruß zum Ostersonntag, 12. April

Nachricht 10. April 2020
Trinitatis-Hemmingen - 12.04.2020:

Gruß für Ostersonntag, 12. April 2020

Liebe Gemeinde!
Ostern fällt nicht aus! Ostern wird auch nicht verschoben!
Gerade in diesem Jahr tut es gut, wenn wir uns die biblischen Ostergeschichten erzählen. In Ihnen steckt eine befreiende Kraft, die unsere Hoffnung stärkt.
Einige Ostergeschichten sind vielen von uns bekannt. Die beiden Marias haben sich sehr früh auf den Weg
zum leeren Grab gemacht. Dort finden sie einen Engel, der sie zurück ins Leben schickt. Maria Magdalena
sucht in Trauer versunken den Verstorbenen. Sie merkt nicht, dass der Auferstandene direkt neben ihr steht.
Ich weiß mich dem Jünger Thomas verbunden. Ihn stel-
le ich mir als einen Menschen vor, der hin- und herge-
rissen war, zwischen Resignation und Hoffnung, zwi-
schen Zweifel und Glaube. Er hatte viele Erwartungen
mit Jesus verbunden; schließlich wusste er, mit welcher
Autorität dieser vom Himmelreich predigte.
Doch dann musste er erleben, wie Jesus verhaftet und
hingerichtet wurde. Seine Hoffnungen schienen von
einem Tag zum nächsten zerplatzt zu sein. Alles,
wofür er sich in den letzten Jahren eingesetzt hatte,
verlor seinen Wert.
Thomas zog sich zurück und mochte auch die anderen Jünger nicht treffen. Dann sprachen diese ihn
an: „Jesus lebt! Wir haben ihn gesehen!“ Thomas blieb skeptisch, er konnte das kaum glauben. Seine
Freunde wirkten so euphorisch. Sollte er sich von dieser Hoffnung anstecken lassen? Er wollte ihnen
Glauben schen-ken, doch fehlte ihm dazu die Kraft. Er brauchte Beweise, Sicherheiten und wollte es mit
eigenen Händen er-fassen. Wenn er die Nägelmale und die Wunde an der Seite nicht spürte, dann konnte er
es nicht begreifen.
Ich kann solche Unsicherheiten gut nachempfinden. Viele schreckliche Nachrichten stürzen auf uns ein, weil
die Corona-Pandemie um sich greift. Zugleich können wir ein hohes Maß an Solidarität erfahren. Die meisten
von uns halten sich an die Einschränkungen, achten aufeinander und unterstützen sich gegenseitig. Auch in
diesen schweren Zeiten finden wir viele Gründe, nicht zu verzweifeln und zu resignieren, sondern hoffnungs-
voll in die Zukunft zu blicken.
Der auferstandene Jesus öffnete seinem Jünger Thomas den Blick. Er zeigte seine Wunden an den Händen
und an der Seite, Spuren des Leids, das man ihm zugefügt hatte. Mit der Auferstehung waren der Schmerz,
die Angst und die Verletzungen nicht einfach wegegezaubert. Seine Wunden waren die Zeichen, mit denen
Jesus sich zu erkennen gab. Als ein verletzbarer und empfindsamer Mensch offenbarte er sich. Er ließ sich
von Thomas berühren und so riss er den Jünger so aus seiner Hoffnungslosigkeit. Kein unverwundbarer Sie-
ger begegnet uns hier, vielmehr wendet er sich voll Mitgefühl uns Menschen zu und stärkt uns so. Als wollte er
ihn segnen, so legt Jesus hier seinen Arm um den Jünger.
Auferstehung ist eine Kraft, die uns aus der Resignation befreit und die unsere Hoffnung stärkt. Mit der Oster-
botschaft verschwinden alle Unsicherheiten, alle Furcht, alles Grauen nicht einfach. Doch mitten darin und
durch all dies hindurch breitet diese Kraft sich aus. Mitten in unseren Sorgen scheint eine andere Wirklichkeit
auf, die uns von Gott geschenkt wird. Durch sie werden wir gestärkt und aufgerichtet, dass wir uns nicht mit
dem abfinden, was uns ängstigt. Wir können diese Kraft nicht sofort erkennen und mit Beweisen können wir
sie nicht fassen. Deswegen spricht Jesus nach der Begegnung mit Thomas ein Segenswort: „Selig sind die-
jenigen, die nicht sehen und doch glauben.“ Diese Kraft wird uns zugesprochen, sie gilt uns und wir können
vertrauen, dass wir durch sie gestärkt werden.
In den Chorälen, die wir zu Ostern singen, können wir diese Kraft spüren. In ihnen spiegeln sich Glaubenser-
fahrungen vergangener Generationen. Wenn wir diese Lieder singen, dann erfahren wir etwas von dieser
Kraft. Mir gefällt zum Beispiel das Lied „Der schöne Ostertag“ von Jürgen Henkys.

1. Der schöne Ostertag!
Ihr Menschen, kommt ins Helle!
Christ, der begraben lag,
brach heut aus seiner Zelle.
Wär vorm Gefängnis
noch der schwere Stein vorhanden,
so glaubten wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden,
erstanden, erstanden, erstanden.
2. Was euch auch niederwirft,
Schuld, Krankheit, Flut und Beben -
er, den ihr lieben dürft,
trug euer Kreuz ins Leben.
Läg er noch immer,
wo die Frauen ihn nicht fanden,
so kämpften wir umsonst.
Doch nun ist er erstanden,
erstanden, erstanden, erstanden.

Liebe Gemeinde!
Ostern fällt nicht aus! Ostern wird auch nicht verschoben!

In diesem Jahr feiern wir Ostern anders!
Wir dürfen derzeit keine Gottesdienste feiern. Weder am Karfreitag noch an den Osterfeiertagen dürfen wir in der Kirche gemeinsam singen, beten, Gottes Wort hören und Abendmahl feiern. Das schmerzt mich sehr.
Wir dürfen die Kirchen zum stillen Gebet für einzelne Personen öffnen. Am Ostersonntag werde ich, Pastor Peter Beyger, in unserer Trinitatiskirche zwischen 9 Uhr und 12 Uhr für sie da sein, damit Sie eine Kerze anzünden und ein Gebet sprechen können. Dabei werde ich natürlich darauf achten, dass immer nur einzelne Menschen gleichzeitig in der Kirche sind und dass alle den notwendigen Abstand einhalten. Wenn Sie zu einem anderen Zeitpunkt in unsere Kirche oder in die Kapelle in Devese oder Hemmingen-Dorf kommen wollen, dann rufen Sie mich bitte an.

Die Jugenddiakonin Jana Thiel hat einen „Segen zum Mitnehmen“ gestaltet. Im
Eingangsbereich unserer Kirche finden Sie ein Segenswort, das Sie mit nach
Hause nehmen können. Dieses Wort möge Sie oder einen anderen Menschen in dieser unsicheren Zeit begleiten und stärken.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und ein getrostes Osterfest.
Christ ist erstanden! Er ist wirklich und wahrhaftig auferstanden!

Peter Beyger

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Trinitatis-Kirchengemeinde -Kirche -Gemeindezentrum -Büro
Kirchdamm 4
30966 Hemmingen
Tel.: 0511 42 52 78

Pastor Peter Beyger
Kirchdamm 4
30966 Hemmingen
Tel.: 0511 429312