Sonntagsgruß zu Misericordias Domini, 26. April

Nachricht 24. April 2020
Trinitatis-Hemmingen - 26.04.2020:

Gruß für den Sonntag Misericordias Domini, 26. April 2020

Liebe Gemeinde,
die Corona-Krise wird über einen längeren Zeitraum unser Leben bestimmen. Das ist in den letzten Tagen
immer deutlicher geworden. Sicherlich: Wir haben uns an die Vorgaben gehalten, Abstand gewahrt und sind
zu Haus geblieben. Deswegen konnten wir die Ausbreitung der Krankheit fürs Erste eindämmen. Aber noch
müssen wir jederzeit damit rechnen, dass sich wieder mehr Menschen infizieren. Deswegen werden wir in den
nächsten Monaten weiterhin mit Einschränkungen und Unsicherheiten leben müssen.
Mir fällt dazu die Geschichte der Wüstenwanderung ein. Damals hat Mose das Volk Israel aus der Sklaverei in
Ägypten geführt. Er hat das Rote Meer geteilt, so dass es aus der Gefangenschaft fliehen konnte. Doch nach
der Befreiung war nicht sofort alles gut. Die Israeliten irrten durch die Wüste, ihre Vorräte neigten sich dem
Ende zu, die Brotstücke wurden immer schmaler, auf ihrem Weg fanden sie kaum Wasserquellen. Die
Fliehenden litten unter Hunger, Durst und Hitze. Vor ihnen lag ein Weg voller Unsicherheiten und Gefahren
und ein Ende war nicht in Sicht.
Zuerst murrten sie leise und heimlich, später bekam Mose bittere Vorwürfe zu hören: „Wären wir doch bei den
Fleischtöpfen Ägyptens geblieben!“ Mose ließ sich nicht beirren: „Warum schimpft ihr? Gott hat euch aus der
Gefangenschaft befreit. Er wird euch auch jetzt nicht im Stich lassen. Auch in der Wüste wird er für euch
sorgen.“
Über Nacht fielen kleine Flocken auf die Erde, etwas Feines und Knuspriges, weiß wie Koriandersamen. „Was
ist das?“ so fragten die Israeliten. Auf Hebräisch lautet die Frage: Man hu? Und so wurde die Speise Manna
genannt. Sie schmeckte wie Brot mit Honig. Davon aßen die Israeliten auf ihrer langen Reise durch die Wüste.
Sie sammelten es in Körben und Tonkrügen und dann teilten sie es untereinander. Jede und jeder bekam so
viel, wie er zum Leben benötigte. Auch die Schwachen und Kranken erhielten genug.
Allerdings konnten sie keine Vorräte anlegen. Wenn jemand versuchte, das Manna bis zum nächsten Tag
aufzubewahren, wurde dieses von Würmern zerfressen und begann zu stinken. „Ihr braucht euch keine
Notreserve anlegen.“ So hatte es Mose seinen Leuten erklärt. „Es wird immer genug davon da sein!“ Nur am
sechsten Tag durften sie eine zusätzliche Portion auflesen. Denn am Sabbat durfte niemand arbeiten.
Einige vermuten, dass das Manna aus dem Pflanzensaft der Manna-Tamariske entstanden ist. Aber das
interessiert mich weniger. Mir gefällt die Geschichte, weil sich in ihr eine Erfahrung spiegelt: Mitten in den
Zeiten von Not und Unsicherheiten lässt Gott uns etwas finden, das uns ermutigt und aufrichtet. Er schenkt
uns das, was wir benötigen, damit wir bestehen können: Geduld und Zuversicht, Gottvertrauen und Humor. In
diesen Zeiten stärkt er besonders unsere Solidarität. Wir müssen unsere Kontakte einschränken, da wird es
umso wichtiger, dass wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen.
Oft schenkt Gott uns gerade so viel, dass wir den Tag bestehen können. Leider können wir keine Vorräte an
Lebensmut und Zuversicht anlegen. Doch wir können vertrauen, dass Gott weder knausert noch spart. Jeden
Tag aufs Neue können wir seine Güte erfahren. An jedem Morgen können wir mit offenen Augen und Herzen
in den Tag starten. Wir können vertrauen, dass wir etwas von diesem Himmelsbrot finden werden.
Überlegen Sie doch, was Ihnen in den letzten Wochen geschenkt wurde, was Ihnen geholfen hat. Vielleicht
war es einfach ein Gespräch über den Gartenzaun. Eine Nachbarin hat sich nach dem Befinden erkundigt. Ein
Enkelsohn stellt sich mit einer Flasche Bier unter das Fenster seiner Großeltern. Die sitzen in ihrer Stube bei
Kaffee und Kuchen. Sie erzählen aus ihrem Leben, lachen über einen Witz und verstehen sich gut. Eine Frau
näht Masken und verschenkt sie in ihrer Nachbarschaft. Sie erhält viel zurück: Schokoeier und Blumen,
Dankbarkeit und strahlende Gesichter.

Kirchenmusik gehört zu den Gaben, mit denen Gott uns stärkt. Selbst in Zeiten der Quarantäne finden sich
Gelegenheiten, um im Familienkreis zu singen, um eine Bachkantate von einer CD zu hören oder im Internet
dem Klang einer Orgel zu lauschen. An diesem Sonntag hätten wir einen Festgottesdienst zu Ehren unserer
Kirchenmusikerin Heike Moltzen gefeiert. Seit dreißig Jahren prägt sie unsere Gottesdienste mit ihrem
Orgelspiel. Mit großer Kompetenz und viel Liebe leitet sie unsere Kantorei. Sie organisiert Konzerte und
Auftritte von Musikern. Unsere Kirchengemeinde lebt auch durch ihr Engagement.
Liebe Heike, vielen Dank für Dein segensreiches Wirken.

Auch das persönliche Gebet ist eine Weise, mit der Gott uns stärkt, eine Art himmlisches Manna. Wir lernen,
uns vor Gott zu öffnen und das in Worte zu fassen, was uns am Herzen liegt: Unseren Dank über das Schöne
in unserem Leben, ebenso wie die Sorge, die uns begleitet. Im Gebet wenden wir uns an Gott, den wir immer
auch als einen verborgenen Gott erleben. Und zugleich erleben wir, dass unser Glaube durch das Gebet ge-
stärkt wird. Mit diesem Glaubenszeichen festigen wir unsere Beziehung zu Gott.
An diesem Sonntag werden wir wieder unsere Kirche zum stillen Gebet öffnen. Von 9:30 Uhr bis 12
Uhr werden Heike Moltzen, Kirchenvorsteher und ich Sie dort begrüßen. Sie können einzeln eintreten
und dort vor dem Altar oder am Gebetsleuchter Ruhe finden. Dabei können sie dem Klang unserer Orgel
lauschen.

Liebe Gemeinde!
Am Sonntag feiern wir Misericordias Domini.
Dieser Festtag ist durch das Motiv des guten Hirten geprägt. Damals hat
Gott sein Volk wie eine Herde aus der Knechtschaft durch die Wüste in
die Freiheit geführt. Auch heute sorgt er für uns.
Dieses profunde Gottvertrauen zeigt sich in Psalm 23:
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Dieses Gottvertrauen spürt man auch in dem Bild, das eine Konfirmandin für uns gemalt hat.
Bleiben Sie unter Gottes Segen.

Peter Beyger

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Kirchdamm 4
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