Sonntagsgruß zu Rogate, 17. Mai

Nachricht 15. Mai 2020
Trinitatis-Hemmingen - 17.05.2020:

Gruß für den Sonntag Rogate, 17. Mai

Liebe Gemeinde!
Ich habe etwas gezögert, Ihnen eine Engelsgeschichte zu erzählen. Viele Engel sind mir viel zu kitschig, man findet sie mit ihren Flügeln in Zuckerguss auf Torten, als Kinderspielzeug in Plüsch oder in Pastellfarben in der Dekoabteilung. Oftmals erscheinen sie wie ein lieber Gruß, der aber letzten Endes nichts ausrichten kann.
In der Bibel finden wir ein anderes Bild von Engeln. Ihre Flügel werden gar nicht erst erwähnt, ihre Worte sind viel wichtiger. Engel sind nämlich Boten Gottes und verbreiten das Evangelium, also eine gute Botschaft. Sie haben den Auftrag, die Menschen zu ermutigen und aufzurichten. „Komm schon! Gib nicht auf! Es geht weiter!“
Elia durfte dieses auch erfahren. Als Prophet kämpfte er für Gott und stellte sich so gegen den König Ahab und seine Frau Isebel. Diese verfolgten ihn und wollten ihn töten. „Bei meinen Göttern!“ So drohte die Königin. „Du musst sterben! Morgen bist du tot!“ Elia fürchtete sich sehr, floh und rannte um sein Leben. Seinen Diener ließ er am Rand der Wüste zurück. Er selbst lief weiter, einen ganzen Tag lang. Dann ließ er sich voller Verzweiflung unter einem Ginsterstrauch auf den Boden fallen. „Es ist genug! Ich kann nicht mehr! Ich bin auch nicht besser als alle, die vor mir gelebt haben.“ Völlig erschöpft fiel er in einen tiefen und langen Schlaf.
Aber plötzlich wachte er auf. Jemand hatte ihn berührt. Wer war das? Elia schlug die Augen auf. Da sah er einen Mann vor sich. „Elia“, sprach der Engel zu ihm, „steh auf und iss!“ Der Prophet schaute sich um. Da sah er direkt vor seinen Augen einen Krug Wasser und ein geröstetes Brot. Er aß und trank und schlief wieder ein. Ein zweites Mal wurde er geweckt. Der Engel berührte ihn abermals. „Elia, steh auf und iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!“

Liebe Gemeinde!
In diesen unsicheren Zeiten tut es uns gut, wenn jemand uns auf solche Weise stärkt und aufrichtet; auch wenn wir nicht derart verzweifelt am Boden liegen. Ein Mensch, der uns auffordert: „Komm schon! Lass dich nicht hängen! Zusammen schaffen wir das!“ Oder: „Mir liegt sehr viel an dir!“
Essen und Trinken sind auch wichtig. Wie kann einer optimistisch in die Zukunft schauen, wenn der Magen knurrt? Heutzutage machen Engel auch Bratkartoffel mit Spiegelei und bieten ein Bier dazu an. Danach kann man mit mehr Energie Pläne für die Zukunft schmieden.
Und wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Sicherlich: Wir dürfen wie­der aufatmen. Weil wir uns so gut an die Maßnahmen gehalten haben, deswegen konnte ein unkontrolliertes Ausbreiten des Virus verhindert werden. Jetzt werden die vielen Einschränkungen gelockert. Jugendliche besuchen wieder die Schule, viele Geschäfte und Restaurants haben wieder geöffnet, bald dürfen wir wieder Reisen unternehmen. Aber noch ist die Pandemie nicht überwunden. In den nächsten Monaten werden wir weiter gegen diese Krankheit kämpfen und aufeinander achten müssen, damit wir uns nicht gegenseitig anstecken. Die Gefahr ist noch nicht vorüber.
Da tut es gut, wenn wir füreinander zum Engel werden. Ich bin mir sicher, jede und jeder von uns kennt einen Menschen, der tröstet und aufbaut, der mit einem lacht und vielleicht auch Kartoffeln anbrät. Oftmals reicht schon ein Gruß, eine freundliche Geste oder ein liebevoller Blick. Manchmal braucht es auch lange Telefonate; geduldiges Zuhören, Nachfragen und die Zeit, die man füreinander hat, das alles ist in diesen Zeiten wertvoll. Ich bin mir ebenso sicher, jede und jeder von Ihnen kann für einen Mitmenschen zum Engel werden. Manchmal verbreiten wir Zuversicht, ohne dass wir es merken, einfach so, nur weil wir da sind und weil unser Gegenüber nicht allein bleibt.
Elia wurde durch seine Begegnung mit dem Engel gestärkt. 40 Tage wanderte er durch die Wüste, bis er an den Berg Gottes kam. Dort, am Horeb, begegnete er Gott in der Stille, im leisen Säuseln des Windes. Dort abseits der lauten und hektischen Welt fand er die Ruhe, sich im Gebet zu öffnen und auf Gottes Wort zu hören.

Liebe Gemeinde!
Mit diesem Brief beende ich vorläufig meine kleine Reihe mit den Sonntagsgrüßen.
Mir ist es schon fast eine lieb gewordene Gewohnheit geworden, diesen Brief zu schreiben.
Doch nun dürfen wir wieder in unserer Trinitatiskirche zu Gottesdiensten einladen. Natürlich beachten wir die Auflagen, mit denen wir verhindern wollen, dass wir uns mit dem Coronavirus anstecken. Die Kirchenvor­steherinnen und -vorsteher haben mit großem Engagement ein Hygienekonzept erarbeitet, so dass wir selbst mit diesen Einschränkungen am letzten Sonntag zwei besinnliche Andachten feiern konnten. In den Kapellen sind derzeit leider noch keine Gottesdienste möglich.

Ich lade Sie herzlich ein, sonntags zu uns in den Gottesdienst zu kommen. In den Wochen bis Pfingsten feiern wir in der Trinitatiskirche sonntags zwei halbstündige Andachten, die erste beginnt um zehn Uhr, die zweite um elf Uhr.

Auf diese Weise wird für alle genug Platz sein und wir können den nötigen Abstand wahren. An diesem Sonntag wird meine Kollegin Elisabet Heyde predigen; sie hat sich in unserer Gemeinde schon einen guten Ruf erworben. Heike Moltzen und Julian Terero-Gelhaus werden sie dabei mit Orgelmusik und Gesang unterstützen.

Liebe Gemeinde!
Ich möchte Ihnen ein Gedicht über Engel mit auf den Weg in die neue Woche geben. Es wurde von Rudolf-Otto Wiemer geschrieben.

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,
oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
und er hört, wenn du ihn rufst in der Nacht, der Engel.

Er steht im Weg und er sagt: Nein!, der Engel.
Groß wie ein Pfahl und hart wie Stein,
es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Tagen oft einem Engel begegnen.

Bleiben Sie behütet und halten Sie sich munter.

Pastor Peter Beyger

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Kirchdamm 4
30966 Hemmingen
Tel.: 0511 42 52 78

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