Angedacht

Nachricht 30. Oktober 2019

„Letzte Worte“

Letzte Worte haben ein besonderes Gewicht. Weniger wenn jemand „das letzte Wort behalten“ will, als wenn es Worte sind, die wie ein Vermächtnis zurückgelassen werden. „Ich glaube, darum rede ich“, ist ein solches Wort, das uns aus der Feder des Calenberger Reformators Antonius Corvinus bekannt ist. Er hat es als die Summe seines Lebens als todkranker Mann vor 450 Jahren unter sein letztes Werk gesetzt: „Ich glaube, darum rede ich.“

In unserer Zeit weist uns das Wort an, sprachfähig auch in Glaubensdingen zu werden, mündig, wie es die Reformatoren - Martin Luther allen voran – gefordert und gefördert haben. Wir leben heute in der Spannung zwischen einem Verlust von Werten und einem Traditionsabbruch einerseits und einer tiefen „Sehnsucht nach Sinn“ andererseits. Das unterscheidet uns von der Zeit Luthers und Corvinus, in der die Menschen eingezwängt waren in die dicken Mauern der Tradition, die aber zugleich Sicherheit im Leben und Sterben zu geben schienen.

Zu unserer Zeit fragen immer mehr Menschen danach, was der tragende Grund und das Ziel ihres Lebens ist. Die hohe Mobilität, Trennung von Familien aus den unterschiedlichsten Gründen, die unsichere wirtschaftliche Zukunft und die scheinbare Unausweichlichkeit von Sachzwängen lassen sie danach fragen.

Gerade in dieser Situation ist die Entdeckung der Reformatoren aktuell: Der Wert eines Menschen ergibt sich nicht daraus, was er leistet, sondern weil Gott ihn mit seinen Gaben und Schwächen akzeptiert. Wer darauf vertrauen kann, dem wächst auch das Selbstbewusstsein zu, nicht dem Streben nach größtmöglicher wirtschaftlicher Effizienz mit den katastrophalen Folgen, an die uns die Klimaforscher eindringlich erinnern, das letzte Wort zu lassen, sondern von der Gerechtigkeit zu reden, die Jesus gelebt hat.   

So sollen die „letzten Worte“, die ich als Superintendent vor meinem Eintritt in den Ruhestand an dieser Stelle schreibe, Worte der Bibel sein: „Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude.“ (Römer-Brief 14,17)    

 

Detlef Brandes

Superintendent für den Kirchenkreis Laatzen-Springe

 

Superintendent Brandes
Superintendent Detlef Brandes
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