Angedacht

Nachricht 14. Oktober 2021

Ein Vater Unser mit Maske

Zum Thema Beten ist die Bibel voll. Logisch. Beten im Knien. Beten im
Liegen. Beten im Kämmerlein. Beten ohne Unterlass. Beten mit wenig
Worten. Beten mit ganzem Herzen. Beten und Fasten. Und so weiter. Doch etwas sehr Aktuelles, Gegenwärtiges und inzwischen für mich Alltägliches sucht man vergebens in der Bibel: Beten mit Maske.
Reden mit Maske. Ständig. Schweigen mit Maske. Auch ständig.
Strassenbahn fahren mit Maske, Einkaufen mit Maske. Ständig. Nicht schön, aber notwendig. Fast schon Routine. Maske wechseln. Immer eine Frische dabei haben. Das Kitzeln und Jucken auf der Haut aushalten. Erwartet. Bei anderen beobachten, dass die Maske unter den Nasenlöchern hängt. Dauernd. Sich ärgern darüber, trotzdem schweigen, zwischen Verständnis und Unverständnis bei jungen Leuten schwanken. Yes. Aber eben nicht dauernd, nicht ständig und schon gar nicht Routine,
geschweige denn biblisch: Beten mit Maske.

Aber neulich ist es wieder passiert. Am Bett eines schwer kranken Mannes, bot ich an, zu beten. Der Sohn nahm die Hand des Vaters. Die Ehefrau sprach mit. Und ich begann das Vater Unser hinter meiner Maske zu sprechen. Schnell spürte ich, es war zu leise. Die Maske nötigte mich, lauter zu sprechen, als es mir eigentlich zu passen schien. Aber zugleich fühlte ich, dass es richtig war. Und schloss noch mutig den Segen an und dann sogar: Von guten Mächten wunderbar geborgen…Es war ein wunderbarer Moment, trotz Allem. Und würde die Bibel heute geschrieben, gäbe es mindestens ein Kapitel übers Beten mit Maske.


Silke Appelkamp-Kragt
Pastorin und Krankenhausseelsorgerin

Appelmann-Kragt Pn.
Silke Kragt
Hildesheimer Straße 158
30880 Laatzen
Tel.: 0511 8208-2033