Angedacht

Nachricht 03. April 2020

Beten verbindet

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir: Die letzten beiden Wochen sind an mir vorbeigerauscht. Ich musste meinen Alltag neu organisieren. Ich habe viel mit älteren Menschen telefoniert, die ich nun nicht mehr besuchen kann. Und unaufhörlich prasselten auf sämtlichen Kanälen immer neue Nachrichten und Eilmeldungen auf mich herein: Expertenrunden über das Virus und die Wirtschaft, Prognosen zum Leben nach der Krise und erschütternde Bilder aus Italien und Spanien.

Seit einigen Tagen sehne ich mich nach einer Atempause von dieser rasanten Entwicklung. Ich suche nach Worten, die mir Halt geben, anderen Mut machen und Hoffnung verbreiten. Ich habe für mich das Beten neu entdeckt. Wenn schon persönliche Kontakte nicht möglich sind – Beten kann ich. Beten hilft mir, für andere da zu sein. Denn beim Beten geht es schlicht darum, an andere Menschen zu denken und Gott zu bitten, für sie da zu sein.

Vor einigen Tagen telefonierte ich mit einer Frau, deren Mann gerade gestorben ist. Eine belastende und schmerzvolle Situation. Ein Besuch war wegen des Kontaktverbots nicht möglich. Wir konnten nur telefonieren. Trösten hat aber mit Nähe zu tun, mit einem Händedruck, Blickkontakt, einem Taschentuch und dem Aushalten von Schweigen. Alles das ist am Telefon schlecht möglich. Also habe ich ein Gebet durch das Telefon geschickt. Die Nähe, die dadurch entstand, war für uns beide sehr berührend. Beten verbindet.

Das Läuten der Kirchenglocken am Morgen, Mittag und Abend hat ursprünglich zum Gebet gerufen. Seit der Krise höre ich die Kirchenglocken als eine Erinnerung, an einen Menschen zu denken und für ihn zu beten: den Postboten, die Verkäuferin, meine Hausärztin oder einen Nachbarn. Auch durch ein Gebet kann ich meine Solidarität zeigen. Ihr solidarisches Gebet wird anderen guttun. Und Gott wird Sie hören.

Pastor
Pastor Jens Wening
An der Bruchriede 2
30880 Laatzen
Tel.: 05102 8903002