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Andacht für die Karwoche vom 5. bis 11. April 2020

Der Menschensohn muss erhöht werden,
damit alle, die an ihn glauben,
das ewige Leben haben
(Johannes 3, 14b.15)

 

Mit dem Sonntag Palmarum beginnt die Karwoche. Die „Stille Woche“ wurde sie früher genannt und als solche von den meisten Menschen
durch Verzicht auf Betriebsamkeit und gesellige Zusammenkünfte auch ernst genommen. Davon war allerdings schon seit vielen Jahrzehnten
kaum noch etwas zu spüren.

 

Stille Woche – plötzlich hat das eine ungeahnte Aktualität bekommen.


Die durch das Coronavirus ausgelöste weltweite Krise legt das private und das öffentliche Leben schon seit Wochen weitgehend lahm, und das wird wohl auch über die Karwoche hinaus noch eine ganze Weile so bleiben.
Mag sein, dass manch einer der erzwungenen Entschleunigung auch etwas Positives abzugewinnen versucht. Doch es ist keine erholsame Ruhe. Sie ist vielmehr durchsetzt von viel Angst und Sorge:
Angst vor der Ansteckungsgefahr und Sorge wegen der noch gar nicht
absehbaren wirtschaftlichen und sozialen Folgen.

Insofern passt die gegenwärtige Stimmungslage durchaus zur diesjährigen Karwoche. Doch der biblische Wochenspruch für diese Tage setzt einen anderen, positiven Akzent.Es ist ein Wort Jesu aus dem Johannesevangelium:
„Der Menschensohn muss erhöht werden,
damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“
(Joh. 3, 14b.15).

Die bevorstehende Kreuzigung wird hier nicht als Niederlage, als Demütigung, als schmachvolles Ende gedeutet, sondern als Erhöhung.
Erhöhung nicht nur im wörtlichen Sinne: Auf dem Hügel Golgatha wurde des Kreuz Jesu hoch über der Volksmenge, für alle sichtbar, aufgerichtet.
Der Evangelist Johannes deutet die Kreuzigung Jesu vielmehr hier und an anderen Stellen als Erhöhung zur himmlischen Herrlichkeit Gottes.
Diese Herrlichkeit ist auch für uns, „die an ihn glauben“, die tragende und prägende Kraft unseres Lebens.

So ist dieser Bibelvers in der Karwoche 2020 ein gutes Wort voller Hoffnung und Ermutigung. Auch in dieser sorgenvollen, schweren Zeit ist uns das „ewige“, d. h. von Gott gesegnete Leben verheißen. So wollen wir im Namen Jesu aneinander denken, füreinander beten und Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit setzen. Und für die Verstorbenen darum bitten, dass Gott ihr Leben in seiner Ewigkeit vollendet.

Ich grüße Sie mit den Versen von Dietrich Bonhoeffer, dessen 75. Todestages wir in dieser Woche gedenken:
„Gott ist bei uns, am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Bleiben Sie behütet!

Ihr Christian Klatt

Superintendent i. R. (Springe)

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