„Wir wollen den Abschied erleichtern, aber auch schwermachen“. Mit diesem Eingangswort setzte Superintendent Andreas Brummer den Ton bei der Verabschiedung von Joachim Richter aus dem Kirchenamt Ronnenberg. Tatsächlich lagen das Leichte und das Schwere in dieser Karriere im Rückblick nahe beieinander. Joachim Richter begann seiner Laufbahn als Kirchenbeamter bereits in Leipzig im Jahre 1981 und setzte nach seiner Übersiedlung nach Westdeutschland seinen beruflichen Weg mit einer Verwaltungsausbildung in der Landeskirche Hannovers fort. Seit 1993 war er im Kirchenamt Ronnenberg tätig. Er hat dabei alle Abteilungen durchlaufen und sich viele Kompetenzen angeeignet.
Tatkraft, Vision, Kompetenz und ein innerer Kompaß
Sein Herzensthema war die Diakonie. Neben zahlreichen diakonischen Einrichtungen beider Kirchenkreise hat er besonders das Hospiz Barsinghausen gegründet und als Geschäftsführer begleitet. Diesen Aufwand zu stemmen war nur möglich mit einem klaren inneren Kompass. Andreas Brummer hob drei Eigenschaften Joachim Richters hervor, nämlich Tatkraft, Kompetenz und Vision. Der innere Kompass drückte sich in dem Vers aus, den Joachim Richter sich zur Verabschiedung gewählt hatte: „Halte fest an der Liebe und am Recht! Setz deine Hoffnung stets auf deinen Gott.“ (Hosea 12,7) Joachim Richter engagierte sich für Recht, Ausgleich und Solidarität und konnte sich dabei auch deswegen erfolgreich und beständig einbringen, weil er seinem Kompass folgte.
Leidenschaft zur rechten Zeit
In den Grußworten nach dem Gottesdienst verdichtete sich dieses Porträt. Bürgermeister Henning Schünhof aus Barsinghausen stelle fest, Joachim Richter habe in Barsinghausen Spuren hinterlassen. Seine Tür war immer offen und auch bei vollem Terminkalender hatte er immer Zeit für Anliegen aus der Kommune. Er wünschte Joachim Richter einen Ruhestand „wie ein kalter Wintertag“, nämlich „ruhig, klar und voller Zufriedenheit“. Carsten Smolla, der als Amtsleiter aus Uelzen mit Joachim Richter zusammenarbeitete, hob neben Kompetenz und Ruhe auch Joachim Richters Leidenschaft und Temperament hervor, das in den Diskussionen zum richtigen Zeitpunkt auch hervortrat und Dinge in die richtige Richtung lenken konnte.
Knoten gelöst und Kühe vom Eis geholt
Friedhelm Feldkamp, der Geschäftsführer der Diakonie Hannover, beschrieb sehr anschaulich Richters Fähigkeit, Visionen und Ideen aufzunehmen und „aus pastoraler Begeisterung einen soliden betriebswirtschaftlichen Plan zu schmieden“. Joachim Richter habe Begeisterung nie gebremst, sondern geformt. Friedhelm Feldkampf überreichte ihm deswegen im Auftrag von Diakonie-Vorstand Hans Joachim Lenke das Kronenkreuz als Auszeichnung für seine Verdienste um die Diakonie. Die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung Sabine Alt erinnerte an den respektvollen Umgang auch bei Meinungsverschiedenheiten und an eine humorvolle Zusammenarbeit, bei der viele „Knoten gelöst und Kühe vom Eis geholt“ wurden.
Geheimes Pfeifenfoto
Die Kirchenkreiskonferenz des Kirchenkreises Ronnenberg überreichte ihrem scheidenden Amtsleiter ein sehr charakteristisches Geschenk. Es war das berühmte Pfeifen-Bild von Rene Magritte, allerdings nicht im Original, sondern in einer geheim mit Hilfe von Richters Ehefrau erstellten Fotocollage auf der Basis eines Bildes von Joachim Richters Originalpfeife. Bei dieser Präsentation wurde auch die ehrenamtliche Tätigkeit Richters als Notfallseelsorger, Lektor sowie als begeisterter Hobbyfotograf gewürdigt, der sich bei Festen auch gerne hinter die Theke begab, um Glühwein auszuschenken.
In seinem Dank an alle Mitwirkenden des Gottesdienstes und erklärte Joachim Richter, wie gut und wichtig so ein Gottesdienst für den Übergang in den Ruhestand ist. Mit einem Zitat aus Uwe Timms Buch „Alle meine Geister“ gab er der versammelten Gemeinde einen schönen Anstoß zum Nachdenken mit. Der Satz lautete: „Erinnern ist ein merkwürdiges Vergessen“. Er gab damit auch der Verwunderung Ausdruck, dass alle es so lange mit ihm ausgehalten haben und dass er jeden Tag mit Vorfreude den Weg ins Amt antrat. Nach der täglichen Runde durch die Büros waren viele belastenden Probleme nicht mehr so belastend und ließen sich gemeinsam lösen. Der Dienst im Kirchenamt war für ihn „Traum und Erfüllung“.