Ein Beispiel für unsere Begleitungen

Text einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin

Ein Besuch

Ich besuche seit längerem einen kranken Mann. Keiner weiß genau, wie schwer seine Krankheit ist. Deshalb weiß ich auch nicht, was er denkt, fühlt und möchte, wenn ich in sein Zimmer eintrete. Mal liegt er auf dem Bett und: "Nichts geht mehr." Ein anderes Mal sitzt er im Rollstuhl und freut sich auf eine Spazierfahrt.

Wie wird er also heute bei meinem Besuch drauf sein?

Er liegt im Bett und: "unverändert schlecht".

Ich kann ihn nicht dazu überreden, eine Spazierfahrt zu machen. Aber er sitzt im Rollstuhl und wir reden miteinander. "Ich weiß nichts, kann nichts, schon erst recht nichts machen, um irgendetwas zu verbessern", meint er.

Dann sagt er: "Wir haben immer nur von mir gesprochen, wie geht es Dir?" Ich bin überrascht. Wir sprechen über mich und kommen auf Zeiten zu sprechen, als es ihm noch besser ging. Er hat Eltern und Geschwister gehabt, die lieb und nett zu ihm waren, aber auch ihr eigenes Leben lebten.

Nach ca. einer halben Stunde legt er sich wieder auf sein Bett und ich verabschiede mich. Er sagt: "Es ist schön, am Ende des Lebens eine Gefährtin gefunden zu haben, die einen so akzeptiert wie man ist."

Ich fahre mit einem guten Gefühl nach Hause.

J.Sch.

Sandstein
Foto: Andreas Heinze