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Jahreslosung 2019

Jahreslosung 2019

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Ps 34,15)

Frieden und jagen - das klingt zunächst ziemlich widersprüchlich. Bei längerem Nachdenken erschließt sich dann aber doch recht schnell der tiefere Sinn dieses Bibelwortes.

Etwas nachzujagen, es erreichen zu wollen, bedarf immer einer gewissen Anstrengung. Man muss mehr tun, als die Dinge nur zu beobachten und abzuwarten. Möchte ich Frieden haben, muss ich ihn suchen, ihn aufspüren, ihm nachjagen, um ihn letztlich zu erreichen.

Noch deutlicher wird die Intention, wenn man den ganzen Psalmvers liest: „Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ Diese Worte betet David, als er vor König Saul flieht, der bereits mehrfach versucht hat, David aus Missgunst zu töten.

Der Beter hatte aber zuvor erfahren dürfen, dass Gott helfend und schützend in sein Leben eingegriffen, ihn aus großer Not errettet, beschützt und von Angst befreit hat. Gott hat ihn in seine Obhut genommen, ihm Gutes getan und sein Leben befriedet. Dadurch findet David die Kraft, ebenfalls Gutes zu tun und Frieden zu stiften. Nicht der Hass gewinnt die Oberhand, sondern der Wunsch nach Frieden. Diese Sehnsucht nach Frieden trägt jeder in sich, wobei die Definition von „Frieden“ sehr individuell ist. Zunächst wird dabei wohl meistens an die Abwesenheit von Streit, Gewalt und Krieg gedacht. Aber zu einem Leben in Frieden zählen auch wirtschaftliche Sicherheit, menschliche Geborgenheit, sinnerfüllende Tätigkeiten, soziale Anerkennung und vieles andere mehr. Diese und weitere Faktoren führen zu einem inneren Frieden, der ein Gefühl der Zufriedenheit auslöst.

Doch wie zerbrechlich und flüchtig der Frieden ist, erfahren wir tagtäglich aus den Medien, wenn von Gewalt und Kriegen und deren Ursachen wie Hass, Neid, Hunger, Machtgier, ungleichen Lebensverhältnissen, Ausbeutung und Unterdrückung berichtet wird. Und das gilt nicht nur für, aus unserer Sicht, wirtschaftlich und politisch unterentwickelte Länder. Auch in unserem sehr wohlhabenden Land ist der gesellschaftliche Frieden keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen täglich dafür kämpfen und alle Fähigkeiten einsetzen, indem wir keine sozialen Schieflagen zulassen und Toleranz gegenüber denjenigen aufbringen, die sich von der Masse abheben oder Gefahr laufen, abgehängt zu werden.

Selbst in unserem engsten privaten Umfeld ist es schnell um den lieben Frieden geschehen, wenn im Freundeskreis ein Gerücht die Runde macht oder in der Familie ein Wort das andere gibt.

Daher sollten wir versuchen, und das nicht nur zur Weihnachtszeit, „um des lieben Friedens willen“ wie David zu handeln und unseren Frieden mit Gott zu machen, daraus die Kraft zu ziehen für den Frieden mit anderen, um letztendlich auch den inneren Frieden mit uns selbst zu erlangen.

Frank Nußbaum