Dem Volk aufs Maul schauen
Die wichtigste Grundlage für einen Christen war nach Luthers Ansicht die Bibel. Deshalb übersetzte er sie auch in die deutsche Volkssprache. Die Heilige Schrift sollte nicht mehr nur den gelehrten Geistlichen zugänglich sein. Jedermann sollte die Möglichkeit haben, das Evangelium zu lesen, um gewissermaßen sein eigener Priester zu werden.
„Dem Volk aufs Maul schauen“ - diese Redensart von Martin Luther war sein Grundsatz bei der Übersetzung der Bibel ins Deutsche: "Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf den Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt fragen und denselbigen aufs Maul sehen, wie sie reden und danach dolmetschen, so verstehen sie es dann und merken, dass man Deutsch mit ihnen redet."
Seine Übersetzungen des Neuen, und später auch des Alten Testamentes sollten vom einfachen Volk verstanden werden – nicht nur von der Obrigkeit, den Priestern und Gelehrten. Auf eine dem Zeitgeist entsprechende derbe Ausdrucksweise wie in seinen Tischreden und Schmähschriften verzichtete Luther, auch übertrug er viele schwierige Passagen nicht wortwörtlich, sondern sinngemäß.
Mit der Verwendung von Begriffen aus dem niederdeutschen (Norden) und dem oberdeutschen (Süden) leistete er auch einen großen Beitrag zur Vereinheitlichung der deutschen Sprache und schuf eine wichtige Grundlage zur Entwicklung der hochdeutschen Schriftsprache. Luthers Schriften mit der Verwendung bekannter Ausdrücke wie auch etlicher neuer Wortschöpfungen konnten nun, einhergehend mit der Erfindung des Buchdrucks schnell und in großer Zahl einer breiten Masse zugänglich gemacht werden.
Die Bibel ist mit etwa 3 Milliarden Exemplaren nach wie vor das meistverkaufte Buch. Die Ausgaben der Heiligen Schrift haben weltweit insgesamt eine Auflage von ungefähr 20 Millionen im Jahr. Übersetzt wurde das Buch der Bücher in rekordverdächtige 2.303 Sprachen, darunter sogar Klingonisch und Manx (die inzwischen ausgestorbene Sprache der Isle of Man).
nu.