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30 Jahre Trinitatisorgel

Trinitatis-Hemmingen - November-Dezember 2021:

30 Jahre Trinitatisorgel
Benannt als „Königin der Instrumente“ erklingt die Orgel der Trinitatiskirche seit nunmehr 30 Jahren.
Durch zahlreiche großzügige Spenden von Gemeindegliedern und einer Teilfinanzierung der Landeskirche Hannovers konnte der Orgelkauf ermöglicht werden. Erbaut wurde sie von der Orgelbauwerkstatt Alfred Führer aus Wilhelmshaven. Am 8. Dezember 1991 wurde sie fertiggestellt und feierlich eingeweiht. So erfreut die Orgel bis heute die Herzen der Zuhörer durch ihre reiche Klangfülle und die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten.
 

Zu diesem Jubiläum sprach die miteinander-Redaktion mit der Kantorin und Organistin der Trinitatis-Kirchengemeinde Heike Moltzen.
miteinander: Hallo Heike, 30 Jahre Trinitatisorgel sind schon etwas Besonderes. Erzähl uns doch bitte mal ein paar Dinge über die Orgel. Wie ist dieses besondere In
strument in die Liturgie eingebunden?
Heike Moltzen: Nach dem Glockenläuten beginnt die Orgel den Gottesdienst mit einem Präludium, dem einleitenden Instrumentalstück. Die Orgel führt und begleitet die Gemeinde bei ihrem Gesang, unterstützt die Liturgie und setzt auch bei Taufgottesdiensten, Trauungen oder Beerdigungen einen feierlichen, musikalischen Rahmen. Meist wird der Gottesdienst mit dem Orgelnachspiel, dem Postludium, beendet.

Foto: Thomas Schwarze

miteinander: Wie ist unsere Orgel aufgebaut?
Heike Moltzen: Die Orgel ist eine mechanische, zweimanualige Orgel. D.h., sie ist luftbetrieben und es sind 2 Klaviaturen übereinander angeordnet, die mit der
Hand gespielt werden. Hinzu kommt ein mit den Füßen gespieltes Pedal. Durch die Registerzüge an den Seiten können 11 klingende Labial-Register und ein
Tremulant angesprochen werden. Der “Wind” wird so zu den einzelnen Pfeifenreihen verteilt. Jedes Register besteht aus 56 Pfeifen, dazu kommen noch
2 Zungen-Register, die Trompete und Dulcian. In der Orgel sind somit über 800 Pfeifen aus Metall und Holz verbaut. Jedes Register besitzt eine eigene
Klangfarbe. Die Winderzeugung erfolgt durch einen Motor. Wenn man im stillen Kirchraum genau hinhört, dann kann man dieses leise Geräusch ganz leicht
hören. Falls der Strom mal ausfällt, kann die Orgel auch auf seitlich angebrachten Pedalen mit Luft versorgt werden. Für die KU4-Vorkonfirmanden ist dies jedes
Mal ein besonderes Ereignis.
miteinander: Was ist das Besondere an unserer Orgel?
Heike Moltzen: Jede Orgel für sich ist ein Unikat mit ganz individuellem Klang. Dieser ist abhängig von der Auswahl der Register, dem Aufstellort und der Akustik im Kirchraum. An diesen wird sie angepasst. Unsere Orgel hat einen angenehmen weichen, klaren und direkten Klang. Sie ist sehr robust gebaut und hatte dadurch bisher sehr wenig Reparaturen. Sie musste zudem nur ab und zu gestimmt werden, von mir oder von der Orgelbauwerkstatt. In den Jahren ist sie ein wenig nachintoniert worden, um die Klangvielfalt zu optimieren. 2 Register wurden umintoniert, dadurch sind sie jetzt leiser und weicher. Es wurde auch eine ergonomisch verstellbare Bank angeschafft.

Foto: Thomas Schwarze

miteinander: Warum steht die Orgel vor dem großen Südfenster?
Heike Moltzen: Sie steht auf dem Platz auf der Empore, der vom Architekten ursprünglich für den Kirchenchor vorgesehen war. Der Architekt hatte die Orgel seitlich, an der Brüstung hängend, mit abgeknickten Pfeifen vorgesehen. Der Klang wäre dann an die Decke gestrahlt worden. Sie steht jetzt dort, wo am meisten Platz für die Pfeifen ist und der Klang sich am besten im Raum entfalten kann.
miteinander: Wie ist das, wenn andere Organisten auf der Orgel spielen?
Heike Moltzen: Jeder Organist hat seine eigene Interpretation und individuellen Vorstellungen zur Musik und den Orgelwerken. Jeder betätigt die Klaviaturen und die Pedale anders. Durch ihren direkten Klang wird sie oft unterschätzt. Das macht es interessant, die Unterschiede zu hören. Außer mir spielen meine Vertreter und regelmäßig Schüler auf der Orgel, bei einigen Konzerten auch externe Organisten.
 

Orgel der Trinitatiskirche / Foto: Thomas Schwarze

miteinander: Jetzt bekommt sie als Erweiterung ein zusätzliches Effektregister: einen Zimbelstern.
Heike Moltzen: Ja, darauf freue ich mich besonders. Dieses Effektregister, das Glockenspiel, gibt bestimmten Orgelstücken einen zusätzlichen feierlich empfundenen Akzent. Das ist besonders gut hörbar zu Hochzeiten, an Weihnachten, zu Ostern und an anderen Feiertagen und jetzt zur Einweihung und zum Orgeljubiläum. Dazu lade ich alle Interessierten besonders ein.
miteinander: Gibt es ein Lieblingsstück, welches Du besonders magst?
Heike Moltzen: Besonders gerne mag ich von Charles-Marie Widor ‚Toccata‘ aus der 5. Orgelsinfonie.
Mit Heike Moltzen sprach Thomas Schwarze 

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