Gut vernetzt und mit offenen Ohren

11. Mai 2026

Beim 50jährigen Jubiläum wurden die Qualitäten der Familien-, Paar- und Lebensberatung des Kirchenkreises Laatzen-Springe von Kommune und Region ausgiebig gewürdigt.

Von links: Ron Stellmann, Constanze Gäthje, Kathrin Arlt, Lars Karrasch, Marion Nolting, Kirsten Gesemann und Dorothee Kalisch. Foto: Sigmar von Blanckenburg

Bei der Jubiläumsfeier in der Arche in Laatzen traten die besonderen Qualitäten der Familien-, Paar- und Lebensberatung klar zutage: eine langjährige, gewachsene Vernetzung und eine außerordentliche Fähigkeit zum Zuhören. Die Beratung erkennt Krisen, bevor sie entstehen, und schafft für Betroffene Entlastung bei langen Wartezeiten auf Termine. Für die Kommune leistet das Team damit eine wichtige präventive Stabilisierungsarbeit.

Andacht zur Jahreslosung

In ihrer Einstiegsandacht hob Constanze Gäthje anhand der Jahreslosung „Siehe, ich mache alles neu" aus der Johannesoffenbarung hervor: Wie gut, dass man nicht alles selbst machen muss, sondern dass man bei den wichtigen und großen Aufgaben der Beratung auf Gottes Wirken vertrauen darf und als Gemeinschaft dabei nicht allein ist.  Für die Festgemeinde wurde dies auf anschauliche Weise erfahrbar: Auf jedem Stuhl lagen Fäden, die man miteinander verknüpfen und über die man ins Gespräch kommen konnte. So entstand ein Band durch die gesamte Festgemeinschaft. Diese Fähigkeit zur Vernetzung zeigte symbolisch eine Kernkompetenz der Beratung, die sich in einem Satz ausdrücken ließ: „In jedem dieser Knoten hier im Raum steckst auch du."

Superintendent Andreas Brummer bei seiner Ansprache. Foto: Sigmar von Blanckenburg

Ein soziales Startup aus den Siebzigern

Superintendent Andreas Brummer betonte in seinem Grußwort für den Kirchenkreis, wie verbunden und vernetzt die Beratungsstelle sei – und wie wichtig solche Zeichen des Zusammenhalts und des „Zusammenhaltens“ in einer Zeit sind, in der dies bedroht und unverhohlen untergraben wird. Er blickte in die Geschichte zurück: In Laatzen entstand einst ein junger Stadtteil mit einer jungen Gemeinde. Diese Gemeinde habe damals eine Reihe „sozialer Startups“ gegründet, die später einen Professionalisierungsschub erhielten. Die Beratungsstelle sei als eines dieser Startups daher tief verwurzelt im Sozialraum der Stadt. Sie stehe heute auf zwei Pfeilern: Prävention und lösungsorientierte Beratung. Als erste Anlaufstelle ohne Überweisung und kostenlos biete sie ein niedrigschwelliges Angebot, das im Netz der sozialpsychatrischen Versorgung inzwischen unverzichtbar ist. Brummer dankte im Namen des Kirchenkreises allen, die 1976 die Beratungsarbeit begonnen und sie bis heute weitergeführt und unterstützt haben. Er schloss mit der Erinnerung an den „Hoffnungsüberschuss“ des Glaubens, der sich in einer kirchlichen Beratungsstelle in der Haltung der Zuversicht zeige, mit der Beraterinnen ihren Klient*innen begegnen.

Die stellvertretende Regionspräsidentin Ute Lamla. Foto: Sigmar von Blanckenburg

„Bleiben Sie weiter so nahbar"

Die stellvertretende Regierungspräsidentin Ute Lamla vertrat die Region Hannover, die in diesem Jahr die Förderung der Beratungsstelle erneut erhöht und damit auch die Möglichkeit eines weiteren Ausbaus der Prävention und Beratung für Familien eröffnet hat. Sie betonte die hohe Wertschätzung der Region für diese Arbeit: Die gute Vernetzung zeige, dass die Familien-, Paar- und Lebensberatung systemrelevant ist. Ihr Wunsch an die Beratungsstelle lautete: „Bleiben Sie weiter so nahbar."

Der Laatzener Bürgermeister Kai Eggers bemerkte mit einem Schmunzeln, dass er selbst gerade 50 Jahre alt geworden sei und sich der Beratungsstelle daher besonders verbunden fühle. Er freute sich sehr über die Arbeit und wünschte, dass sie so weitergeht: Die Stadt Laatzen brauche diese Arbeit und werde sie auch weiterhin unterstützen. Die stellvertretende Bürgermeisterin aus Springe, Renate Kemper, beschrieb die besondere Struktur der Stadt Springe, in der die Beratungsstelle eine wichtige Rolle einnehme. Da die Arbeit der Beratenden oft im Verborgenen bleibe, sei es ihr ein besonderes Anliegen, an diesem Ort den ausdrücklichen Dank aus Springe zu überbringen.

Ein wichtiges Element zum Schutz der Demokratie

Cornelia Jenke von der Fachstelle für Psychologische Beratung der Landeskirche Hannovers betonte, dass die Arbeit der Beratungsstelle wichtiger denn je sei. Die Wartelisten in der psychologischen Beratung würden immer länger – umso unersetzlicher sei die präventive und begleitende Arbeit, um Entlastung zu schaffen. Die Familien-, Paar- und Lebensberatung leiste damit auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Demokratie. Sie erfülle ihre Aufgabe mit hoher Professionalität und schaffe dabei eine herzliche Atmosphäre des Vertrauens. Mit dem bevorstehenden Umzug entstünden neue Räume für Begegnung.

Beate von Busch berichtete aus der Anfangszeit der FPL. Foto: Sigmar von Blanckenburg

Bericht aus den Anfangszeiten

Beate von Busch, Ehefrau des Gründungspastors Redelf von Busch und langjährige Beraterin, erzählte von der Entstehung der Fachstelle aus der Gemeindearbeit. Damals gab es noch kein Einkaufszentrum, viele Familien waren neu zugezogen, es gab viel Gesprächsbedarf in der neu entstehenden Stadt. Ihr Mann absolvierte als Pastor fünf Kurse in Ehe- und Lebensberatung, um dem gerecht zu werden. Auch Frau von Busch  belegte diese Kurse später. Sie hat das nie bereut und viel Freude an der Beratungsarbeit gehabt. Sie schilderte die Herausforderungen der damaligen Zeit: Neuerungen wie das neue Scheidungsrecht oder Erfindungen wie Anti-Baby-Pille warfen ganz neue Fragen auf. Es war auch nicht üblich, sich überhaupt in psychologische Beratung zu begeben. Männer kamen nur widerwillig, ältere Menschen kaum. Sie berichtete auch von besonderen Einsätzen – einmal holte sie jemanden vom Dach und blieb danach noch bei dessen Familie, um Vorwürfen zuvorzukommen.  Wenn sie nicht im Büro war, liefen die Anrufe bei ihnen zu Hause auf. Einmal brannte ihr dabei das Fett an – wegen eines Anrufs, der nicht warten konnte.

Renate Kemper, Stellvertretende Bürgermeisterin in Springe. Foto: Sigmar von Blanckenburg

Eine Fülle von Inspiration zum Abschluss

Den Abschluss des Programms gestaltete Carmen Beilfuß, systemische Therapeutin aus Magdeburg, mit einem inspirierenden Impulsvortrag zum Thema „Zu Zuversicht und Freude einladen". Sie betonte die Selbstheilungskräfte, die in Natur, Umwelt und Mensch gleichermaßen angelegt sind: Auf der Erde ist alles auf Wachstum ausgerichtet – und das gilt auch für den Menschen. Beilfuß brachte eine Fülle ungewöhnlicher Bilder mit. Eine Szene aus „Krieg der Sterne" mit Prinzessin Leia und Han Solo im Müll illustrierte, welche Schätze im eigenen Leben verborgen liegen können – und lud dazu ein, auf dem Schrottplatz des Lebens Dinge zu entdecken, die man lange nicht mehr benutzt hat. Als weiteres Beispiel stellte sie Herbert Grönemeyers Verarbeitung des Todes seiner Frau vor: Erst nach drei Jahren konnte er das Album wachsen lassen, in dem er dieses Erlebnis verarbeitete. „Trauer ist ein Bestandteil meines Denkens geworden", so Grönemeyer. Ihr Fazit: In jedem schlummert etwas, das sich von alleine entwickeln will und entwickeln wird. Die Beratung kann dabei nur begleiten.

Herzliche Einladung zum Tag der offenen Tür

Dieser inspirierende Vortrag bildete einen schönen Übergang zur Jubiläumsfeier mit Gesprächen und Beisammensein im hellen Lichthof der Thomaskirche. Wer die Arbeit der Familien-, Paar- und Lebensberatung und das Team besser kennenlernen möchte, kann das beim Tag der offenen Tür, der am 24. Juni von 14.00 -17.00 Uhr in den neuen Büroräumen stattfindet.