Gemeindebrief

Andacht

Durchatmen im Sommer

Nele Thomaier
Foto: Jens Schulze

Kennen Sie noch Petra, den Schwarzschwan, die dachte in einem überlebensgroßen weißen Tretboot in Schwanenform den Schwan ihres Lebens gefunden zu haben? Oder den Elch Emil, der im vergangenen Jahr auf der Suche nach einem passenden Revier insgesamt fünf Länder durchquerte?

Alle beide sind sogenannte „Sommerlochtiere“ – wenn nun in der Mitte des Jahres die Temperaturen steigen, die Sommerferien beginnen und viele Menschen im Urlaub sind, wenn auch in Politik, Sport und Kultur oftmals Sommerpause angesagt ist, dann ist es da: das Sommerloch. Und in den Nachrichten tauchen dann plötzlich diese kuriosen Sommerlochtiergeschichten auf.

Nach Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten und den Konfirmationen kehrt auch im Kirchenjahr ein wenig Ruhe ein. Wir gehen in die Zeit „nach Trinitatis“, in der die Gottesdienste keinen klangvollen Namen mehr tragen, sondern einfach durchnummeriert werden (in diesem Jahr sind es 22). Aber ein „Sommerloch“ ist das nicht. Wer in diesen Gemeindebrief schaut, merkt schnell, was alles bei uns los ist. Zum Beispiel feiern wir vom 05.07. bis zum 09.08. gemeinsam mit der Region an verschiedenen Orten Sommerkirche – auch hier bei uns in Lüdersen und auf dem Gut in Bennigsen. Einen Gottesdienst wird es auch im Wisentgehege geben – wer weiß, vielleicht taucht ja das nächste Sommerlochtier auf!

Ruhige Zeiten sind wichtig. Das weiß auch die Bibel. Es gibt ein Detail in vielen Jesusgeschichten, das ich lange überlesen habe: Jesus macht Pause. Immer wieder wird von ihm erzählt, dass er sich zurückzieht, allein ist, betet und durchatmet (z.B. Lk 5,16; Mk 6,46; Mt 15,21). Mitten im Trubel nimmt er sich diese Zeiten. Nicht, weil nichts los wäre – sondern gerade, weil so viel los ist.

Vielleicht ist der Sommer genau dafür da: nicht als leeres Sommerloch, sondern als geschenkter Raum: Zeit zum Innehalten und zum Auftanken. Vielleicht für einen Spaziergang ohne Ziel. Für ein kurzes Gebet irgendwo zwischen Freibadpommes und Gartenliege. Oder einfach für den einen Moment am Tag, in dem nichts muss.

Und wer weiß – vielleicht sind es genau diese kleinen Pausen, in denen wir merken, was trägt.

Ich wünsche Euch und Ihnen einen schönen Sommer, mit viel Luft zum Atmen, mit neuen Eindrücken und mit Momenten, die nachklingen.

Nele Thomaier, Pastorin

Gemeindebrief