Gemeindebrief

Andacht

Nele Thomaier
Foto: Jens Schulze

Es ist wieder diese Zeit im Jahr: morgens verlässt man das Haus mit Jacke, mittags bereut man sie, abends ist man froh, sie doch dabeizuhaben. Die einen schwören auf den Zwiebellook, die anderen gehen ganzjährig in kurzer Hose vor
die Tür und wieder andere stehen ratlos vorm Kleiderschrank. Willkommen in der Zeit der Übergangskleidung.
Doch nicht nur unser Kleiderschrank kennt diese Übergangszeiten – sie sind grundlegender Teil unseres Lebens. Manche sind groß und gut sichtbar: Ein Kind wird eingeschult, Jugendliche werden konfirmiert, Liebende feiern ihre Hochzeit oder wir nehmen Abschied von einem geliebten Menschen.
Andere Übergänge geschehen leiser: Eine neue Arbeitsstelle beginnt, ein Kind zieht aus, der Ruhestand startet, eine Krankheit verändert den Alltag. Immer wieder beginnt ein neuer Lebensabschnitt.
Das Alte ist noch nicht ganz vorbei, das Neue noch nicht richtig angekommen. Wir wissen oft nicht genau, was uns erwartet. Oft sind diese Übergänge  herausfordernd.
Es ist kein Zufall, dass Kirche Menschen gerade an solchen Schwellen begleitet. In der Taufe steht Gottes Ja am Beginn unseres Weges. In der Konfirmation wird
dieses Ja bewusst bekräftigt. In der Trauung bitten wir um Gottes Segen für den gemeinsamen Weg. Und wenn wir Abschied nehmen müssen, vertrauen wir darauf, dass Gottes Liebe selbst an der Grenze des Todes nicht endet.
Die Bibel kennt viele Geschichten von Menschen unterwegs. Abraham verlässt seine Heimat, das Volk Israel zieht durch die Wüste, die Jünger lassen Vertrautes hinter sich.
Immer wieder gilt Gottes Zusage: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.“ (1. Mose 28,15)
Auch dieser Gemeindebrief erzählt von solchen Übergängen. Wir blicken auf Konfi-Zeiten zurück und laden zu den Jubelkonfirmationen ein. Wir haben im August unsere Regionaldiakonin Ute Hoffmann verabschiedet und erleben zugleich, wie viele Menschen sich engagieren und ihre Arbeit weiterführen.
Auch das Kirchenjahr kennt solche Schwellen. Aus der Zeit nach Trinitatis wachsen wir Schritt für Schritt auf den Advent zu – auf die Hoffnung, dass Gott selbst in unsere Welt kommt.
Wo immer wir gerade zwischen Aufbruch und Ankommen stehen: Gott geht den Weg mit.

Nele Thomaier, Pastorin

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