Gemeindebrief

Andacht

"Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!"

Nele Thomaier
Foto: Jens Schulze

Einen Neuanfang verspricht die Jahreslosung 2026. „Neu“ – das klingt groß. Fast ein bisschen zu groß für meine Ohren. Zumindest ist es meine Erfahrung, dass das Leben sich nicht einfach auf Anfang setzen lässt. Erfahrungen, Beziehungen, Sorgen und Hoffnungen kommen mit jedem neuen Schritt mit.

Ich fühle die Jahreslosung zur Zeit ganz besonders, denn vieles ist neu: neu in Bennigsen und Lüdersen, mit Menschen, deren Geschichten ich erst nach und nach kennenlerne, mit Wegen, die noch eingeübt werden wollen und mit einer neuen Wohnung für meine Familie. Aber auch wenn es sich manchmal anders anfühlt, ist mein eigenes Neu-sein eigentlich überschaubar. Gerade deshalb staune ich darüber, wie weit Gottes Versprechen reicht.

Im Bibeltext steht für „neu“ ein Wort, das mehr meint als nur „frisch“ oder „anders“. Es geht um etwas von neuer Qualität. Gottes Neuanfang heißt nicht: Schnitt, alles Vorherige zählt nicht mehr. Gott sagt: „Sieh, ich mache - ich bin schon dabei.“ Während wir noch sortieren, wirkt Gott längst.

Der Text, aus dem die Jahreslosung stammt, ist kein Kapitel über Weltuntergang, sondern über Weltanfang. Über Tränen, die abgewischt werden. Über Angst, die kein Zuhause mehr hat. Über ein Leben, das ganz und gar verwandelt wird. Wenn Gott von „neu“ spricht, knüpft Gott dabei an den Ursprung an. Gottes Schöpfungskraft nimmt das auf, was am Anfang gut geschaffen wurde, und formt daraus etwas, das wieder Leben trägt.

Dass Gott „alles neu“ macht, birgt für mich große (Trotz)Kraft. Es gibt keinen Bereich unseres Lebens, der Gott egal ist. Gott hält sich nicht aus den schweren Momenten raus, sondern geht selbst hinein – bis ins Leiden. „Ich mache alles neu“ heißt nicht: Ich werfe alles weg. Es heißt: Ich wende mich allem zu. Auch dem, was wir lieber verdrängen würden. Auch den Rissen, den offenen Fragen und den schmerzenden Stellen in unserem Leben. Genau dort spricht Gott hinein: Sieh hin, ich bin da und mache neu – und mache ganz.

Zwischen Kartons, neuen Wegen und ersten Begegnungen, entfaltet sich Gottes Neues bereits. Und so kommt der Himmel ein Stück mehr auf die Erde. Heute und jetzt.

Nele Thomaier, Pastorin

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