Warum in die Ferne schweifen – Ein hochkarätiges Jazzensemble in Bennigsen
Es war ein Konzertabend, der in Erinnerung bleibt: Das Hannover Kollektiv, eine Working Band aus fünf herausragenden Jazzmusikern, gastierte am Samstag in der Bennigser Kirche St. Martin – und verwandelte den Kirchenraum in einen vibrierenden Klangraum voller Energie, Farben und feiner Zwischentöne. Etwa 60 Besucherinnen und Besucher waren gekommen und erlebten ein Programm, das zeitgenössischen europäischen Jazz in seiner ganzen Spannweite präsentierte.
Das Hannover Kollektiv, eine Band, die Zeit investiert – und das hört man. Sie versteht sich nicht als Projektband, sondern als kontinuierlich arbeitendes Ensemble, das seine Musik gemeinsam entwickelt. Diese Haltung prägte den gesamten Abend: Die Stücke wirkten organisch, atmend, voller Dialoge und spontaner Wendungen. Jeder der fünf Musiker brachte seine eigene musikalische Welt ein – Klassik, Avantgarde, freie Improvisation, Bigband Erfahrung und kammermusikalische Präzision verschmolzen zu einem gemeinsamen Klang. Das Ergebnis: Mit Claus Michael Löhr (Trompete/Flügelhorn), Thomas Zander (Saxophone), Achim Kück (Piano), Sebastian Bauer (Kontrabass) und Timo Warnecke (Schlagzeug) stand ein Quintett auf der Bühne, das mit individueller Klasse und gemeinsamer künstlerischer Tiefe eindrucksvoll zeigte, wie lebendig moderner Jazz klingen kann. Denn das Konzert spannte einen weiten Bogen durch die zeitgenössische Jazzlandschaft. Auf dem Programm standen Werke von Enrico Pieranunzi, Wayne Shorter, Alan Pasqua, Kenny Wheeler, Danny Grisset, Chris Potter und Fred Hersch – ergänzt durch Eigenkompositionen von Achim Kück.
Die Auswahl reichte von lyrischen Stücken wie Endless Stars bis zu rhythmisch komplexen Titeln wie Digital Big Foot oder The Cube. Immer wieder öffneten sich Räume für eindrucksvolle Soli: Trompete und Flügelhorn, Saxophon, Piano, Kontrabass und Schlagzeug erhielten jeweils Momente, in denen ihre individuellen Stimmen klar hervortraten – und das Publikum hörbar berührten.
Die Mischung aus anspruchsvoller Komposition, improvisatorischer Freiheit und hörbarer Spielfreude führte zu einem Abend, der das Publikum mitriss. Der Beifall zeugte davon, wie begeistert die Zuhörerinnen und Zuhörer von der Musik, der Atmosphäre und der besonderen Intensität dieses Ensembles waren.
Ein Abend, der eindrucksvoll zeigte, dass man für Jazz auf hohem Niveau nicht in die Großstadt fahren muss – denn Bennigsen bietet selbst eine Bühne, auf der Musik dieser Qualität unmittelbar erlebbar wird.