Zwei Haltungen

07. März 2026

„Gleichberechtigung – JETZT!“ steht in dicken Buchstaben auf einem Pappschild. Kalte Finger halten es fest, Sprechchöre ziehen durch die Straßen. 8. März, feministischer Kampftag.

Zwei Tage vorher ein anderes Bild: Ein Raum voller Stimmen. Lieder und Texte aus einem anderen Teil der Welt, gemeinsam gesprochenes Gebet. Frauen aus Nigeria haben in diesem Jahr den Weltgebetstag vorbereitet. Sie erzählen von ihrem Alltag, von Ungerechtigkeit und von Hoffnung. In mehr als 150 Ländern feiern Christ:innen am 6. März diesen Gottesdienst, hören die Texte und stimmen in die Lieder ein. Ein Gebet, das einmal um den Globus geht. Ein Gottesdienst, der verbindet – über Länder und Kontinente hinweg.

Demoschild hier, Gebetsheft dort. Passt das zusammen?

Ich glaube: mehr, als wir denken.

Denn wer betet, schaut nicht weg. Im Gebet höre ich von Gewalt und Ungleichheit. Ich halte sie Gott hin und merke: Es lässt mich nicht kalt. Beten ist kein Rückzug aus der Welt. Es ist ein Innehalten, das Kraft sammelt.

Und wer protestiert, glaubt im Grunde auch an Hoffnung. Sonst würde niemand losziehen, Plakate malen, die eigene Stimme riskieren.

Der Weltgebetstag erinnert: Wir sind verbunden – weltweit.
Der 8. März erinnert: Meine Stimme zählt. Hier. Heute.

Zwischen Gebet und Protest liegt kein Widerspruch, sondern Solidarität; Mut, zu glauben und zu handeln.

Vielleicht braucht unsere Zeit beides: das Demoschild in der Hand und das Amen im Herzen.

Nele Thomaier
Am Gut 11
31832

Kirchengemeinde Bennigsen-Lüdersen