„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, sang Jupp Schmitz zum ersten Mal 1964. Seitdem wird diese Hymne aller Karnevalisten in jeder Session mit etwas Wehmut wiederholt. Wer vom karnevalistischen Treiben noch nicht genug hat, könnte in der kommenden Woche noch bei unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern mitfeiern. Sie begehen in diesem Jahr am 3. März das Fest Purim.
Dieses Fest erinnert daran, wie Königin Esther das jüdische Volk vor dem Tod rettete. Jüdinnen und Juden lebten damals in der persischen Diaspora und Esther deckte die Intrige eines persischen Ministers namens Haman auf. Die Rettung der jüdischen Gläubigen in Persien wird heute mit bunten Umzügen gefeiert. Purim ist das fröhlichste Fest im jüdischen Kalender - ähnlich dem christlichen Karneval.
In Erinnerung an den Ursprung des Festes fasten Juden vor Purim einen Tag lang. Am Festtag selbst werden Freunde, Nachbarn und Verwandte mit Süßigkeiten, Geld und Speisen beschenkt. Auch bedürftigen Menschen soll man zu Purim Gutes tun.
An Purim wird ein besonders Gebäck gegessen, Haman-Taschen oder auch Haman-Ohren genannt: dreieckige Kekse, die mit Nüssen, Datteln, Mohn oder Schokolade gefüllt sind. Während des Festes ist es Jüdinnen und Juden ausdrücklich erlaubt, viel Alkohol zu trinken. Denn im Buch Esther wird das Mahl, das man zur Erinnerung an die Rettung der Juden einnehmen soll, als Trinkgelage bezeichnet.
Kinder dürfen während der Lesung des Buches Esther in der Synagoge lautstark mit Purim-Rasseln protestieren, sobald der Name Hamans fällt. In vielen Gemeinden hat sich unter dem Einfluss des Karnevals zudem die Tradition etabliert, sich zu verkleiden und an Umzügen teilzunehmen.
Einen gesegneten Sonntag!
Dr. Thomas Kellner, Pfarrer im Pastoralbereich Hannover-Süd